Auch Toppmöller war im Gespräch
„Ich werde dem einen oder anderen auch weh tun müssen"

Der Druck für Mönchengladbachs neuer Trainer Holger Fach ist enorm: Präsident Adalbert Jordan hält an der Zielsetzung "einstelliger Tabellenplatz" fest. Tief enttäuscht zeigt sich derweil sein Vorgänger Ewald Lienen, zumal die ungewöhnliche Ausstiegsklausel Fachs bei Rot-Weiß Essen jede Menge Raum für Spekulationen bietet.

HB MÖNCHENGLADBACH. Mit den Amateuren von Borussia Mönchengladbach spielte Ex-Profi Holger Fach regelmäßig oben mit, bei Regionalligist Rot-Weiss Essen weckte er in nur drei Partien Hoffnungen auf den ersehnten Aufstieg. Nun soll Fach, der überraschend wieder an den Bökelberg zurückkehrte, bei seiner ersten Trainerstation im Profifußball nicht nur den Traditionsklub vor dem zweiten Abstieg aus der Bundesliga bewahren, sondern noch in dieser Saison auf einen einstelligen Tabellenplatz führen. So lautet die von Präsident Adalbert Jordan ausgegebene Zielvorgabe an Fach, der die Nachfolge des gescheiterten Ewald Lienen am Sonntag auf dem Bökelberg angetreten hatte. Viele sprechen angesichts der Situation am Bökelberg da allerdings von einer "Mission Impossible".

Der neue Coach, der am Montagmorgen um 9.35 Uhr vor knapp 100 Schaulustigen zum ersten Training bat, zeigte sich zufrieden mit der Aufnahme durch die Borussen-Profis. "Ich habe aus meiner langen Zeit in Gladbach ein gutes Verhältnis zu den Spielern", sagte der 41- Jährige, "es wird aber vorkommen, dass ich dem einen oder anderen auch mal wehtun muss." Der Nachfolger des am Sonntag entlassenen Ewald Lienen will sich nicht auf der Nase herumtanzen lassen und auf Disziplin pochen: "Auch bei mir gibt es Regeln, an die sich die Spieler halten müssen, nicht nur auf dem Platz, sondern auch außerhalb."

Borussen-Profis vom Wechsel überrascht

Für die Borussen-Profis kam der Trainerwechsel unerwartet. "Die Mannschaft war zwar überrascht, aber man konnte nach vier Niederlagen schon erwarten, dass etwas passiert. Wir stehen mit dem Rücken zur Wand", sagte Stürmer Arie van Lent, der in Fach "eine Mischung aus Kumpeltyp und Autorität" sieht. Ein Allheilmittel für eine Besserung der Lage beim Tabellen-16. ist die Rotation auf dem Chefcoach-Posten für Torwart Jörg Stiel nicht: "Ich erwarte gar nichts von Holger Fach. Wir müssen einfach gescheiter Fußball spielen."

Eine Lanze für den geschassten Lienen, der am Sonntagmorgen noch das Training leitete und danach seinen Hut nehmen musste, brach Max Eberl. "Es hat keinen Sinn nachzukarten, aber ich denke, dass Herr Lienen eine gute Arbeit auf dem Bökelberg geleistet hat", meinte der Verteidiger. Auch die Kritik, mit zu vielen taktischen und personellen Umstellungen für Unsicherheit gesorgt zu haben, weist er zurück: "Das Gerede vom großen Chaos unter Ewald Lienen ist eine Mär."

Präsidium wollte eigentlich Toppmöller

Bei Fachs Verpflichtung hat sich Borussia-Sportdirektor Christian Hochstätter gegen das Vereinspräsidium durchgesetzt, das auch mit dem Ex-Leverkusener Chefcoach Klaus Toppmöller Kontakt aufgenommen hatte. "Es gibt jetzt eine neue Dimension im Zusammenspiel von Cheftrainer und Sportdirektor", erklärte Gladbachs Vizepräsident Rolf Königs. Hochstätter kann mit diesem Erfolgsdruck leben: "Ich habe eine Entscheidung getroffen und bin überzeugt davon. Es war an der Zeit zu wechseln."

Fast ein Fußball-Märchen ist der rasante Aufstieg des Ex- Nationalspielers Fach, der 406 Bundesliga-Spiele bestritt und 102 Mal das Gladbacher Trikot trug, von der vierten in die erste Liga. Bis zum 31. August hatte er noch das Oberliga-Team der Borussia betreut, bevor er zum Regionallisten Rot-Weiß Essen wechselte, mit dem er die ersten drei Punktspiele gewann. Erst dank einer vereinbarten Ausstiegsklausel wurde die schnelle Rückkehr möglich. "Wenn ein Bundesligist kommt, gibt es kein Halten. Da gehört man zu den 18 Privilegierten im deutschen Fußball", sagte Fach. Dabei ist die Ausstiegsklausel durchaus ungewöhnlich: Sie galt nämlich nur für den Fall, dass der Bundesligist Borussia Mönchengladbach anklopft - nicht nur für Lienen ein Indiz dafür, dass seine Entlassung nach 203 Tagen von langer Hand geplant wurde. Der geschasste Coach zeigte sich nicht nur deshalb von der Vereinsspitze und insbesondere Hochstätter enttäuscht. "Ich habe mir nichts vorzuwerfen", sagte er dem Sportmagazin "kicker". In den kommenden Tagen wird es zunächst um die Auflösung seines bis 2004 datierten Vertrages gehen.

Fach erwartet viel Arbeit

Der Druck ist für Fach enorm. "Wir halten an unseren Zielen fest", stellte Jordan unmissverständlich klar. In der kommenden Saison steht der Umzug in die neue Arena im Nordpark an. Dort soll an den Uefa-Cup-Plätzen geschnuppert werden. Die Vermarktung läuft bereits auf Hochtouren, ein Abstieg wäre für den Klub vom Niederrhein fatal.

Angesichts der Vorgaben steht Fach, der 1995 mit Gladbach den DFB-Pokal gewann, vor einem Himmelfahrtskommando. Seit Sonntagabend findet sich die Borussia mit nur vier Punkten auf der Habenseite auf einem Abstiegsplatz wieder. Gegen alle drei Aufsteiger wurde bereits gespielt, in den kommenden Wochen warten schwere Aufgaben wie gegen Meister Bayern München oder beim Tabellenzweiten Bayer Leverkusen.

Hinzu kommt, dass zahlreiche Leistungsträger wie im Vorjahr verletzt sind. Bei der jüngsten 0:2-Niederlage bei Hannover 96 fehlten insgesamt elf Akteure. Aber selbst eine Borussia-Mannschaft in Bestbesetzung scheint kaum in der Lage zu sein, in der oberen Tabellenhälfte mitzuspielen. Zu unausgewogen wurde der Kader zusammengestellt. Die Defizite im Mittelfeld sind eklatant, während im Angriff acht Stürmer um ihren Platz kämpfen, aber keiner den Abgang von Mikael Forssell auch nur annähernd kompensieren konnte.

Scheitert Fach, muss auch Hochstätter gehen

Scheitert Fach, dann muss vermutlich auch Sportdirektor Hochstätter seinen Posten räumen. Das ließ Vizepräsident Rolf Königs bereits durchblicken. Schließlich hat Hochstätter nicht nur Lienen als Nachfolger von Hans Meyer vor einem halben Jahr geholt, sondern auch ein gewichtiges Wörtchen bei der Zusammenstellung der Mannschaft mitgesprochen. "Das ist normal im Geschäft", sagte Hochstätter trotzig.

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