Auch Verdacht der Untreue und Steuerhinterziehung
Prozess gegen Ex-Minister Krause eröffnet

Der frühere Bundesverkehrsminister steht seit Dienstag vor dem Rostocker Landgericht. Krause soll unter anderem für Verlustgeschäfte in Höhe von gut sechs Millionen Euro verantwortlich gemacht werden.

wiwo/ap ROSTOCK. Er hat nach Ansicht der Staatsanwaltschaft als Geschäftsführer der Berliner Aufbau GmbH-Investitionen der Gesellschaft einen Vermögensnachteil zugefügt. Darüber hinaus soll Krause zwischen 1993 und 1995 dem Finanzamt Einkünfte in Höhe von rund 360 000 Euro verschwiegen haben.

Ferner soll er bei seiner Bundestagskandidatur 1998 falsche Bürgschaftserklärungen abgegeben haben, um Vollstreckungsmaßnahmen seiner Gläubiger zu verhindern. Zum Prozessbeginn wies das Gericht den Antrag der Verteidigung auf Einstellung des Verfahrens zurück. Krauses Anwälte sprachen von unzutreffenden Anschuldigungen, Verjährungsfristen und anfechtbarem Vorgehen der Steuerbehörden. Das Gericht will nun in zunächst 15 Verhandlungsterminen über die insgesamt 13 Anklagepunkte befinden.

Im finanziell umfangreichsten Fall soll Krause als Geschäftsführer seiner Aufbau Invest GmbH in Börgerende, die er zusammen mit seiner damaligen Frau gegründet hatte, ohne nötige Befugnis Treuhandverträge mit der Schweizer Firma Aufbau AG-Invest geschlossen haben, an der er mit 60 Prozent beteiligt war. Bei Geldtransaktionen soll ein Schaden von sechs Millionen Euro entstanden sein. Krause hatte immer wieder erklärt, dass er seinerzeit unwissentlich Betrügern auf den Leim gegangen sei.

Eine "Schuld im Sinne der Anklage" könne er bei seinem Mandanten nicht erkennen, erklärte Peter-Michael Diestel, als sein Anwaltsbüro im Januar dieses Jahres Krauses Verteidigung übernahm. Nicht zu bestreiten seien "unglückliche Finanzgeschäfte", aber von einem Betrugsvorsatz könne nicht die Rede sein, hatte er damals schon versichert. Als eine Hauptbelastungszeugin soll dem Vernehmen nach Krauses Exfrau Heidrun im Prozess gehört werden. Deren Rolle müsse erst noch genau geklärt werden, fordert Krause im Zusammenhang mit angeblich von ihr vorenthaltenen Steuerakten.

Das einst von der Frau in die Familie eingebrachte Grundstück in Börgerende an der Ostseeküste wird heute von Krause und einem seiner Söhne bewohnt. Das Unternehmen des Sohnes hat nach Vater Krauses Bankrott und der folgenden Zwangsversteigerung das Grundstück erworben. Krause hatte 1990 mit Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble den deutsch-deutschen Einigungsvertrag ausgehandelt. Im August 1990 war er für einige Monate Finanz-, Wirtschafts- und Landwirtschaftsminister der DDR. Im Januar 1991 berief Bundeskanzler Helmut Kohl den damals 37-Jährigen zum Bundesverkehrsminister. Nach einer Reihe von Affären trat er am 6. Mai 1993 zurück. Danach versuchte er sich als Bauunternehmer, musste aber bald den Offenbarungseid leisten.

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