Auch wer sein Geld unter lokalen Gesichtspunkten anlegt, sollte weltweit streuen
Aktien: Blick über den Gartenzaun

Auch wer sein Geld unter lokalen Gesichtspunkten anlegt, sollte weltweit streuen.

HANDELSBLATT. Dirndl, Weißwurst, Kuckucksuhr: Deutschlands Süden übt auf Amerikaner eine große Anziehungskraft aus. Offenbar auch auf die US-Investmentbank Merrill Lynch, die seit Februar 1999 mit dem "Babax Eurozertifikat" auf dem Markt vertreten ist. Das Papier bildet die Wertentwicklung von zehn Dax-Unternehmen ab, die alle ihren Sitz in Bayern und Baden-Württemberg haben. Adidas, BMW, Hypo-Vereinsbank & Co. bescherten den Käufern seit Auflegung des Papiers nur einen Kursgewinn von drei Prozent, der Vergleichsindex Dax legte im gleichen Zeitraum aber noch weniger zu: Lediglich 0,8 Prozent stehen zu Buche.

Grund für die Entwicklung des Produktes war nach Angabe des Emittenten nicht, den Zertifikateabsatz südlich der Mainlinie anzuheizen. Auch Lokalpatriotismus spiele keine Rolle. "Süddeutschland ist für uns einer der stärksten Wirtschaftsräume in Europa. Mit dem Produkt können Investoren diese Region abdecken", sagt Dominik von Eynern, Zertifikatsexperte bei Merrill Lynch. "Bei der Konstruktion haben wir ökonomische und nicht gefühlsmäßige Kriterien angelegt."

Auch Privatanleger sollten sich nicht von ihren Emotionen leiten lassen. Experten betonen, dass eine Investition in Unternehmen aus der eigenen Region zwar durchaus Sinn machen kann. Sie sollte aber in eine weltweite Anlagestrategie eingebettet sein. Wenn etwa die Börsen in den USA und Europa in den Keller rauschen, kann der Verlust durch den gleichzeitigen Wertzuwachs von anderen Börsenplätzen oder anderen Anlageformen abgefangen werden. Simulationsrechnungen für den Zeitraum von 1970 bis 1996 kommen zu dem Ergebnis, dass US-amerikanische Investmentfonds durch ihre Fokussierung auf den Heimatmarkt jährlich auf eine Rendite von 0,8 Prozent gegenüber einer breit gestreuten internationalen Anlage verzichtet haben. Für jeden Dollar, der 1970 investiert wurde, fiel damit der Wertzuwachs über die Laufzeit betrachtet um 23 Cent geringer aus. "Den meisten Anlegern ist klar, wie sinnvoll Diversifikation ist, aber dies wird keinesfalls konsequent umgesetzt", sagt Professor Martin Weber von der Universität Mannheim. Wie aber könnte eine weltweite Strategie aussehen? Und: Wie lässt sie sich realisieren?

"Zunächst sollte sich der Anleger über seine individuelle Risikoneigung und seinen Anlagehorizont klar werden", sagt Andreas Schmidt-von Rhein, Leiter der Risikokontrolle bei der Oppenheim KAG. Grundsätzlich gilt die Regel: Je größer das Sicherheitsbedürfnis und je kürzer der Anlagehorizont, umso mehr verhältnismäßig sichere Anlageformen wie zum Beispiel Anleihen (Renten) sollten ins Depot genommen werden. Auf der Aktienseite gilt es, das Risiko durch die Verteilung der Anlagesumme auf verschiedene Regionen und Branchen zu verteilen.

Bei der Umsetzung der eigenen Vorstellungen empfiehlt Sal.-Oppenheim-Experte Schmidt-von Rhein die so genannte "Core-Satellite"-Strategie: Über passive Anlageprodukte wie Indexfonds oder Indexzertifikate decken Investoren dabei wichtige Regionen ab, in denen sie sich eine eigene Aktienauswahl nicht zutrauen. Diese Instrumente bilden die Entwicklung des Index originalgetreu ab und sind das Herzstück ("Cor") der Anlagestrategie. Vorteil: Das Investment deckt den Markt breit ab und ist kostengünstig. Wer glaubt, dass ein aktiv gemanagter Fond besser als der Index abschneidet, kann auch zu dieser Anlageform greifen. Als Beimischung ("Satellite") bietet sich die eigene Aktienauswahl an. "Dies ist dann sozusagen das Sahnehäubchen", so Schmidt-von Rhein. Hier können dann auch Titel aus der Region ins Spiel kommen.

Anleger, die bislang recht wenig Erfahrung mit der Auswahl von einzelnen Aktien gemacht haben, sollten dabei jedoch zunächst ihre eigenen Fähigkeiten überprüfen, indem sie ein fiktives Musterdepot anlegen. "Wer ins Meer hinaus will, sollte vielleicht erst einmal schwimmen lernen", sagt Risiko-Experte Schmidt-von Rhein. Vor der Auswahl der einzelnen Aktien sollte sich der Investor genau über das jeweilige Unternehmen informieren. Eine Fülle von Informationsquellen gibt es besonders bei Unternehmen, die in der Heimatregion ihren Sitz haben (siehe Kasten). Nach der Auswahl ist es wichtig, das eigene Anlageergebnis zu beobachten und in Relation zu setzen. Bei einer Investition in überwiegend mittelgroße Aktien aus Deutschland (z.B. der Haarkosmetikkonzern Wella) ist der MDax der Referenzmaßstab, bei kleineren Werten (z.B. der Hausgerätehersteller WMF) der SDax.

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