Auch Zwickel in der Kritik
Ackermann im Visier der Fahnder

Die Staatsanwaltschaft prüft, ob Josef Ackermann als Aufsichtsratsmitglied Untreue beim Abfindungspoker der Mannesmann-Vorstände nachgewiesen werden kann.

HB/ cra DÜSSELDORF. Ackermann war im Frühjahr 2000 Mitglied im Ausschuss für Vorstandsangelegenheiten des Düsseldorfer Mobilfunkkonzerns. Dieser beschloss nach erfolgreicher Übernahme durch Vodafone im Februar und März 2000 hohe Prämien und Abfindungen für die damaligen Mannesmann-Vorstände. Angesichts der für deutsche Verältnisse horrenden Summen und des unklaren Entscheidungsprozesses wurde die Staatsanwaltschaft hellhörig.

Im Visier der Fahnder stehen verschiedene Zahlungen, die der Ausschuss veranlasst hatte. Dabei handelt es sich erstens um "Anerkennungsprämien" in Höhe von insgesamt 60 Mill. DM an die damaligen Mannesmann-Vorstände (davon 32 Mill. DM an Mannesmann-Chef Klaus Esser) sowie um eine "Abfindung" von weiteren 28 Mill. DM ebenfalls an Esser für die Restlaufzeit seines bis Ende 2004 gültigen Arbeitsvertrages. Zweitens gewährte der Ausschuss ehemaligen Vorstandsmitgliedern Pensionsleistungen von insgesamt 60 Mill. DM. Ein Rechtsgutachten im Auftrag Essers soll zu dem Ergebnis gekommen sein, dass die Ex-Vorstände keinerlei Anspruch auf diese Zahlungen hatten. Die Staatsanwälte haben den Verdacht, dass die Zuwendungen "zu einem erheblichen Teil ohne ausreichende Rechtsgrundlage erfolgt sind", so die offizielle Mitteilung.

Im vierköpfigen Ausschuss für Vorstandsangelegenheiten des Mannesmann-Aufsichtsrats gab es Insidern zufolge eine feste Vereinbarung zwischen den Mitgliedern: Weil der damalige IG-Metall-Chef Klaus Zwickel für die Zahlungen nicht verantwortlich gemacht werden wollte, enthielt er sich regelmäßig. Mannesmann-Aufsichtsratschef Joachim Funk und Josef Ackermann, damals Finanzvorstand der Deutschen Bank, nickten die Beschlüsse ab. Der vierte Mann, Betriebsratschef Jürgen Ladberg, habe ständig gefehlt.

Zwickel, dem ein gutes Verhältnis zu Esser nachgesagt wird, wollte offensichtlich in dem elitären Gremium nicht anecken, was ihn aber nicht an seinen öffentlichen Protesten hinderte. Bis heute weist er jede Verantwortung für die Zahlungen rigoros zurück. Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf dagegen ist der Ansicht, die Ausschussmitglieder, also auch Zwickel, hätten die Zuwendungen beschlossen. Für Experten steht indes fest, dass Zwickel als Aufsichtsratsmitglied die Zahlungen mit einem Veto hätte verhindern können.

Ob Josef Ackermann wegen des Verdachts der Untreue beim Abfindungspoker angeklagt werden kann, ermittelt die Staatsanwaltschaft zurzeit. "Ackermann zählt weiter zum Kreis der Beschuldigten", sagte Bernhard Englisch, Sprecher der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft für Wirtschaftsstrafsachen. Die Größenordnung des Falls habe sich sogar noch ausgeweitet. Nun gehe es um etwa 200 Mill. DM (102 Mill. Euro). Insgesamt wird gegen elf Personen wegen des Vorwurfs der Untreue ermittelt, darunter auch Klaus Zwickel sowie der frühere Mannesmann-Vorstandsvorsitzende Klaus Esser.

Ein Sprecher der Deutschen Bank sagte, dass bislang keine Ermittlungsergebnisse der Staatsanwaltschaft zugestellt wurden. Daher könnten sich das Institut oder Ackermann auch nicht zu dem Fall äußern: "Wir können inhaltlich keine Stellung dazu nehmen, da wir nicht wissen, worum es geht." Er halte es für "unwahrscheinlich", dass nach dem 16. August ein Verfahren gegen Ackermann eröffnet werden könnte. Eine mögliche Anklage des Vorstandssprechers wegen des Verdachts auf Untreue bezeichnete der Banksprecher als "abwegig".

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