Auctiva will Internet-Versteigerungen verbessern. Aber die Gründer machten die Rechnung ohne Ebay.
Auktion mit Zuschlag

Auctiva Inc. will Verkäufern bei Versteigerungen im Internet dabei helfen, ihre Auflistungen besser verfolgen zu können - und hat damit Ebay Inc. gegen sich aufgebracht. Das Auktionsportal aus dem kalifornischen San José ist der bei weitem größte Auktionsanbieter im Web. Allein im September wurden fast 16 Millionen Nutzer verzeichnet, wie eine Erhebung von Nielsen/ Netratings ergeben hat.

OAKLAND. Tausende von Kleinunternehmen profitieren beim Verkauf von den Online-Versteigerungen, da sie bei den Auktionen zu minimalen Marketingkosten mit größeren Wettbewerbern mithalten können. Die Software-Firma Startup Auctiva, vor einem Jahr im kalifornischen Oakland gegründet, hat im Oktober einen kostenlosen Service unter dem Namen Showcase eingeführt, mit dem Verkäufer ihre Angebote bündeln können.

Die Verkäufer können zusammen mit dem Artikel, den sie auf einer Auktionsseite anbieten, einen Link auf der Auktionsseite platzieren. Er führt zu einem virtuellen Ausstellungsraum, dem Showcase, in dem auch andere Angebote des Verkäufers zu finden sind - unter Umständen auch solche, die er auf anderen Auktionsseiten wie der von Yahoo Inc. und Amazon.com Inc. bereitstellt. Momentan gibt es auf der Homepage von Auctiva zehn solcher Ausstellungsräume.

Auctiva setzt auf Beziehungsmanagement

"Das Problem mit Ebay ist, dass sie Verkäufer wie eine Ware behandeln", meint Adam Stock, Mitbegründer und Vize-Chef für Marketing bei Auctiva. Showcase solle die einzelnen Verkäufer dabei unterstützen, die Beziehungen zu Stammkunden zu festigen und Vertrauen aufzubauen. Momentan hat Auctiva nach eigenen Angaben 12 000 aktive Nutzer und 20 Mitarbeiter. Sie werden in diesem Jahr voraussichtlich rund 1,1 Millionen DM Umsatz erwirtschaften.

Zu den Nutzern von Showcase gehört Dirk Whipple, Miteigentümer von Beesknees. Die Firma aus Florida versteigert im Internet Porzellan für Sammler, unter anderem auf der Auktionsseite von Ebay. Whipple nutzt Auctiva in der Hoffnung, "mehr Aufmerksamkeit auf unsere Auktionen und Web-Seite zu lenken und weniger auf die von anderen".

Doch damit zog Beesknees den Zorn von Ebay auf sich. Neun Tage nach der Einführung von Showcase zog Ebay ohne Vorwarnung 127 Auktionen von Beesknees zurück. Das Unternehmen habe mit dem Link in den Showcase gegen die Nutzungsordnung von Ebay verstoßen, da die Auflistungen von Beesknees mit einer Seite verknüpft waren, die auch Yahoo-Versteigerungen umfasste, begründete Ebay den Schritt. Ein Vertreter von Ebay schrieb in einer E-Mail an Whipple: "Es wäre in Ordnung, wenn der Link lediglich Ebay-Auktionen präsentieren würde. Allerdings gestatten wir keine Verbindungen zu Gegenständen, die auf anderen Auktionsseiten zum Verkauf angeboten werden."

In Gesprächen mit Ebay hat Mark Schwartz, der Chief Executive Officer von Auctiva, einen Weg gefunden, um den Forderungen von Ebay nachzukommen: Bei einem Link von der Ebay - zur Auctiva-Showcase-Seite erscheinen auf der ersten Seite nur die Ebay-Eintragungen. Erst auf den verbundenen Seite tauchen die Seiten der Wettbewerber auf.

Schon in früheren Fällen hat Ebay aggressiv verteidigt, was seiner Meinung nach sein geistiges Eigentum ist. Im vergangenen Dezember hat die Versteigerungsseite zum Beispiel Bidder?s Edge aus Burlington, Massachusetts, verklagt, weil das Unternehmen unerlaubt Eintragungen von den Ebay-Seiten entfernt habe. Bidder?s Edge ermöglicht es Käufern, Auktionsposten von mehreren Web-Seiten zu vergleichen. Ebay führte in seiner Klage an, der Schritt stelle unter anderem "unbefugtes Betreten" und "Entwendung" von Eigentum von Ebay dar.

Ebay bekam vor Gericht Recht

Im Mai verhängte ein Bundesgericht in San José mit Blick auf den Vorwurf des "unbefugten Betretens" eine einstweilige Verfügung gegen Bidder?s Edge, die sich darauf stützte, das Unternehmen habe sich einer automatisierten Technik bedient, mit der Versteigerungsdaten von Ebay abgezogen wurden. Falls genug Unternehmen dies täten, so der Richter in seiner Begründung, könnte das die Server von Ebay beschädigen. Bidder?s Edge will in Berufung gehen.

Im vergangenen November hat Ebay die Auktionssuchmaschine Auctionwatch.com Inc. von den Ebay-Servern ausgesperrt, nachdem sich beide Seiten nicht auf eine Lizenzierungsstruktur einigen konnten. Auctionwatch ist es zwischenzeitlich gelungen, sich aus der Sache herauszuwinden, das Unternehmen will aber nicht sagen wie. Rivalen von Auctionwatch wie etwa Goto.com Inc. haben unter einigen Einschränkungen Lizenzierungsabkommen mit Ebay unterzeichnet.

Ebay-Sprecher Kevin Pursglove stellt klar, dass sein Unternehmen keine Warnung ausspricht, wenn es eine Regelverletzung feststellt. Stattdessen ziehe das Auktionshaus sofort die Eintragungen zurück und verschicke dann eine E-Mail, um die Gründe darzulegen, so wie im Fall Beesknees. "Das ist ein sehr klarer Regelverstoß", sagt Pursglove und fügt hinzu, Ebay habe auch andere Auflistungen entfernt, die die Unternehmenspolitik in ähnlicher Weise verletzt hätten. Ebay überwache gewöhnlich nicht jedes einzelne Gebot. "Aber wir greifen ein, wenn jemand uns über eine mögliche Verletzung informiert." Deshalb hatten andere Mitglieder von Auctiva Showcase bisher noch keine Probleme. Dirk Whipple von Beesknees ärgert sich darüber, dass ihm Ebay keine Möglichkeit eingeräumt habe, das zurechtzurücken, was eher ein Missverständnis als eine absichtliche Missachtung der Regeln darstelle. "Ebay vertritt scheinbar die Position, dass wir versucht haben, etwas Illegales, Unmoralisches oder Unethisches zu tun."

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