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T-Online will ab 2003 schwarze Zahlen schreiben

Der größte europäische Internetanbieter T-Online will seinen operativen Verlust in den kommenden Quartalen durch eine Steigerung der Profitabilität weiter verringern. Im Konzern solle spätestens im Jahr 2003 die Gewinnzone auf Ebitda-Basis erreicht werden, teilte T-Online bei der Vorlage der endgültigen Halbjahreszahlen am Mittwoch in Berlin mit.

rtr BERLIN. Die Zahl der verlustbringenden Kunden mit einem Internet-Pauschaltarif sei schneller als erwartet gesunken. Bei den ausländischen Beteiligungen sei die Überprüfung der strategischen Ausrichtung abgeschlossen oder stehe vor dem Abschluss. Zudem wurde mit der vor Monaten angekündigten Vermarktung von kostenpflichtigen Internet-Diensten begonnen.

T-Online-Finanzvorstand Rainer Beaujean bestätigte die vorläufigen Geschäftsergebnisse für das zweite Quartal, wonach sich der Umsatz im Vergleich zum ersten Quartal auf 259,1 von zuvor 280,19 Mill. ? verringerte. Das Ebitda (Ergebnis vor Steuern, Zinsen, Amortisationen und Abschreibungen) habe sich hingegen auf minus 56,9 Mill. ? von zuvor minus 66,4 Mill. ? verbessert.

Beaujean sagte, das Ebitda werde sich von Quartal zu Quartal kontinuierlich verbessern und im kommenden Jahr in Deutschland positiv ausfallen. Eine Zielgröße für das im Gesamtjahr 2001 zu erwartende Ebitda nannte der Finanzvorstand nicht. Er verwies jedoch auf Schätzungen von Analysten, wonach bei T-Online im Durchschnitt zum Jahresende ein Ebitda von minus 230 Mill. ? statt bislang minus 250 Mill. ? zu erwarten sei. Zu den Aussichten auf einen Jahresüberschuss wurden keine Angaben gemacht.

Seine positiven Erwartungen für das operative Ergebnis begründete der Finanzvorstand unter anderem damit, dass sich bis Ende Juni die Zahl der Kunden mit einem Internet-Pauschaltarif im Schmalband (niedrige Übertragungsraten) auf rund 290 000 von rund 500 000 Kunden zum Ende des ersten Quartals verringerte. Dieser für T-Online verlustbringende Tarif wird den Angaben zufolge spätestens zum 11. Dezember auslaufen und das Ergebnis nicht weiter belasten.

Auch seien Kostensenkungen im Einkauf von Leitungskapazitäten durch eine gleichmäßiger über den Tag verteilte Internet-Nutzung infolge neuer Tarife erreicht worden, sagte Beaujean. Zudem würden alle Projekte daraufhin überprüft, dass sie zwingend innerhalb von drei Jahren profitabel werden müssten und andernfalls eingestellt würden.

Ausländische Töchter auf dem Prüfstand

Vor diesem Hintergrund wurden nach den Worten von T-Online-Vorstandschef Thomas Holtrop alle ausländischen Beteiligungen auf den Prüfstand gestellt. In Österreich und der Schweiz werde T-Online im Spätherbst erstmals am Markt auftreten beziehungsweise mit einem neuen Internet-Portal und neuen Pauschaltarifen starten. Die in den vergangenen Quartalen unter marginalem Kundenwachstum leidende französische Tochter Club Internet werde eine neue strategische Ausrichtung erhalten. In dem hart umkämpften Markt solle Club Internet vor allem schnelle Internet-Anschlüsse und höherwertige Internet-Dienste anbieten, sagte Holtrop.

Die spanische Tochter Ya.com werde ihre Aktivitäten ebenfalls ausbauen. Die internationale Expansion hat T-Online nach Holtrops Worten vorerst zurück gestellt, aber wegen des Marktpotenzials von 360 Millionen Internet-Nutzern weiter im Blick. Anders als Konkurrenten wie Tiscali werde man keinen Aktionismus in Form von Zukäufen betreiben.

Als erste kostenpflichtiges Produkt biete T-Online ab sofort einen speziellen E-Mail-Dienst an. Der kostenpflichtige "E-Mail Profi" ziele auf Geschäftskunden und Internet-Dauernutzer und koste 9,90 DM im Monat, wofür die Kunden ein größeres Postfach und nun unbegrenzten Post-Versand via Internet erhielten, sagte Holtrop. Das Angebot an Bezahldiensten soll seinen Angaben zufolge ebenso wie das Geschäft mit Informations-, Unterhaltungs-, Service- und E-Commerce-Portalen ausgeweitet werden. Bei Bezahldiensten habe man einen Wettbewerbsvorsprung zu anderen Anbietern, sagte der Vorstandschef.

Der Aktienkurs, der seit der Emission im Frühjahr 2000 um mehr als 75 % gefallen ist, gab am Mittwoch bei einem schwachen Gesamtmarkt überdurchschnittlich um rund 3,5 % auf rund acht Euro nach. Die beiden T-Online-Vorstände wiederholten ihre Einschätzung, die Aktie habe ein deutliches Aufwärtspotenzial. Der Kursverlauf stimme nicht mit der Entwicklung des realen Unternehmenswert überein. Zudem bleibe das Internet ein Wachstumsmarkt, von dem T-Online bei verbesserten Margen profitieren werde. T-Online ist mehrheitlich im Besitz der Deutschen Telekom.

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