Auf 940 Millionen Dollar: ABB erhöht Asbest-Rückstellungen

Auf 940 Millionen Dollar
ABB erhöht Asbest-Rückstellungen

Aktienanalysten beurteilen die Erhöhung der Asbest-Rückstellungen beim Elektrotechnikkonzern ABB negativ. "Man sieht, dass die Asbest-Problematik grössere Dimensionen annimmt als bisher angenommen," sagt Andres Gujan von der Bank Vontobel. ABB teilte am Mittwoch mit, die Rückstellungen für Asbest-Klagen in den USA würden auf 940 Millionen Dollar von 590 Millionen Dollar erhöht, und das Jahr 2001 werde deshalb mit einem Verlust abschliessen.

Reuters ZÜRICH. Nach Gujans Worten bedeutet die Verlust-Ankündigung auch eine Enttäuschung auf der operativen Seite. Sie zeige, dass ABB im abgelaufenen Jahr auch ohne die neuen Asbest-Rückstellungen einen Gewinn von weniger als 470 Millionen Dollar erwirtschaftet hätte. Eine Reihe von Analysten waren bei ihren Gewinnprognosen noch von mehr als 500 Millionen Dollar ausgegangen.

Eine Reihe von Schweizer Instituten arbeiteten dagegen bereits mit niedrigeren Schätzwerten. Die Bank Sarasin hatte den Gewinn bisher auf 300 Millionen geschätzt. Die Zürcher Kantonalbank (ZKB) rechnete mit 289 Millionen Dollar. Der Vontobel-Experte war von 177 Millionen Dollar ausgegangen. Die ZKB will die Schätzungen nun um rund 420 bis 470 Millionen Dollar nach unten anpassen. Vontobel erwartet neu einen Verlust von 300 Millionen Dollar und Sarasin von 170 Millionen Dollar.

"Das ist sicher negativ, doch man hat das erwartet," sagte Andreas Riedel von der Bank Sarasin mit Blick auf die Erhöhung der Rückstellungen. Andere Analysten rechneten nach Riedels Worten damit, dass die Asbest-Fälle den schwedisch-schweizerischen Konzern 1,5 Milliarden Dollar oder sogar noch einiges mehr kosten könnten. Er selbst geht von rund zwei Milliarden Dollar aus.

Die ZKB wurde von der Erhöhung dagegen überrascht. "Dieser Betrag übersteigt unsere Erwartungen deutlich. Wir sind bisher davon ausgegangen, dass ABB für 2001 und 2002 je zusätzliche Rückstellungen zwischen 50 Millionen und 100 Millionen Dollar bildet," hiess es in der "Daily Market Opinion" der Bank vom Mittwoch.

Weitere Rückstellungen sind nicht ausgeschlossen

Weitere Rückstellungen schliessen sowohl ABB als auch die Analysten nicht aus. "Das muss noch nicht das Ende der Fahnenstange bedeuten," erklärte Gujan. ABB dürfte ein Interesse daran haben, möglichst wenig zurückstellen, um bei den Klägern nicht weitere Begehrlichkeiten zu wecken. Allerdings könne sich die Lage auch wieder entschärfen.

Gujan rechnet damit, dass es in den USA letzendlich zu gesetzlichen Regelungen kommt, die auf eine Obergrenze für die Schadenersatz-Zahlungen hinauslaufen, wenn die Klagen grosse Konzerne existenzbedrohend werden sollten.

ABB könnte gut eine bis zwei Milliarden Dollar zur Regelung der Asbest-Klagen aufbringen. Das Unternehmen habe genug Möglichkeiten, Liquidität zu beschaffen. Zudem würden sich mögliche Zahlungen über Jahre verteilen.

Etwas weniger zuversichtlich ist Riedel. "Die Ratios sind angespannt," sagte er mit Blick auf die Bilanz. Auch er schliesst nicht aus, dass weitere Asbest-Rückstellungen nötig werden könnten. "Asbest wird ein Damokles-Schwert bleiben." Zudem bedeute die Erhöhung der Rückstellungen einen weiteren Vertrauensverlust für ABB. Das Unternehmen habe in den vergangenen Monaten wiederholt gesagt, dass die Rückstellungen reichen sollten. Zudem habe mit Andrew Eriksson ein weiterer Top-Manager ABB verlassen, nachdem im vergangenen Jahr bereits Verwaltungsratspräsident Percy Barnevik zurückgetreten war und Finanzchef Renato Fassbind seinen Wechsel angekündigt hatte. "Die Frage ist schon, ob das Unternehmen die langfristigen Ziele erreicht," sagte Riedel.

ABB hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2005 jährlich durchschnittlich sechs Prozent zu wachsen. Die Betriebsgewinn-Marge soll bis 2005 auf neun bis zehn Prozent verdoppelt werden.

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