Auf Anbieter der Policen rollt eine Schadenswelle zu
Manager-Haftpflicht löst Streit aus

Anbieter von Haftpflichtpolicen für Manager stehen wegen Unternehmensschieflagen vor einer Schadenswelle. Daher werden die Policen teurer, Neue-Markt-Unternehmen bekommen keinen Schutz mehr.

DÜSSELDORF. Die Pleitewelle in Deutschland und das Kursdebakel am Neuen Markt haben für die Anbieter von Manager-Haftpflichtversicherungen teure Folgen. Die so genannten Directors & Officers-Policen (D&O) sollen Manager davor schützen, dass sie mit ihrem privatem Vermögen für Fehlentscheidungen haften, die ihrem Unternehmen Schaden zufügen. Die Schadensmeldungen haben "deutlich zugenommen", bestätigt Oliver Sieg, Rechtsanwalt und D&O-Experte der Kanzlei Nörr Stiegenhofer Lutz in Düsseldorf.

Die Folge: Der Versicherungsschutz wird für die Unternehmen teurer: "Bei einem Großrisiko wie die Versicherung von Vorständen eines Dax-Unternehmens gibt es Prämienerhöhungen von bis zu mehreren 100 Prozent. Im Schnitt werden die Policen um 10 bis 20 Prozent teurer", sagt Michael Rieger-Goroncy, Abteilungsleiter D&O bei der ACE-Versicherung Deutschland.

Derzeit kostet zum Beispiel die Manager-Haftpflicht für ein DAX-30-Unternehmen mit US-Listing bei einer Deckungssumme von 300 Mill. Euro vier bis fünf Mill. Euro pro Jahr, ist aus Marktkreisen zu erfahren.

Für einige Unternehmen wird es schwierig, überhaupt noch Versicherungsschutz für seine Manager zu bekommen. "Viele Gesellschaften vom Neuen Markt sind heute kaum noch versicherbar, und wenn, dann wird das sehr teuer", sagt Horst Ihlas, Direktor beim US-Versicherer Chubb.

Vorstände von Neue-Markt-Unternehmen sind empört: Nach Ansicht von Helmut Kruppke, Vorstandschef von IDS Scheer, werden dadurch Neue-Markt-Gesellschaften per Sippenhaft abgestraft, die für die Skandale nicht im Entferntesten verantwortlich sind. "Das ist ein unschöner Vorgang", kommentiert auch Fritz Vahrenholt, Vorstandschef der Repower AG.

Manager öfter am Pranger

Über die Ursache des Markttrends bei D&O-Policen sind sich Experten einig. Ein Grund ist die steigende Zahl der Unternehmensschieflagen: "Die Insolvenzverwalter versuchen zunehmend, bei den Ex-Vorständen noch etwas zu holen", sagt Udo Pana Kina, D&O-Underwriter beim Rückversicherer General Cologne Re. Zudem beobachtet er eine steigende Anspruchsmentalität. "Die Presse-Berichte über Fehlverhalten von Managern häufen sich. Das führt zu einer wachsenden Bereitschaft, Ersatzansprüche gegen Manager geltend zu machen und notfalls auch gerichtlich durchzusetzen."

Der häufigste Fall: Der Aufsichtsrat fordert von Vorständen die Erstattung eines durch ihr Fehlverhalten entstandenen Schadens. Beispiel Baukonzern Philipp Holzmann: Sechs Ex-Vorstände und ihr Versicherer AIG stimmten Ende 2001 einem Vergleich zu: AIG zahlte 19,5 Mill. Euro an den Konzern, die Vorstände verzichteten auf Pensionszusagen von rund sechs Mill. Euro. Den Vorständen wurde Pflichtverletzung bei Immobiliengeschäften und deren Darstellung in den Jahresabschlüssen vorgeworfen. "Die Masse der Schäden stammt aber von mittelständischen Unternehmen, die kein großes Presseecho finden", sagt Experte Sieg.

Der Fall Holzmann zeigt, dass Versicherer und Anspruchssteller in bestimmten Fällen einen Vergleich anstreben, um einen teuren Prozess zu verhindern. Denn neben der Schadenregulierung schlagen zuvor die Abwehrkosten für die Verteidigung der betroffenen Führungskräfte bei den Versicherern kräftig zu Buche: "Ich gehe davon aus, dass die führenden Versicherer bereits siebenstellige Aufwendungen für Abwehrkosten geleistet haben", sagt Horst Ihlas vom Marktführer Chubb. Das ist eine Menge Holz für den jungen deutschen D&O-Markt. Experten schätzen, dass das Prämienaufkommen in Deutschland in 2001 rund 100 Mill. Euro und dieses Jahr etwa 150 Mill. Euro betragen wird.

"Vor allem die Schäden bei Neue Markt Unternehmen können für die Versicherer noch sehr teuer werden", sagt ACE-Experte Rieger-Goroncy. Bei Fällen wie EM.TV, Infomatic und Comroad steht zwar der Verdacht im Raum, die Vorstände hätten vorsätzlich gehandelt - in diesem Fall zahlen die Versicherer nicht. Das Problem: "Solange der Vorsatz nicht rechtskräftig festgestellt ist, zahlt der Versicherer die Aufwendungen für die Verteidigung", erklärt der ACE-Fachmann.

Daher verspüren die Versicherer wenig Lust, Vorstände von Neue-Markt-Unternehmen zu versichern. Die Versicherer wählen ihre Risiken jetzt grundsätzlich strenger aus. "Die Schweizer Rück hat die Deckung für D&O-Versicherungen reduziert", sagt Rudolf Kellenberger, stellvertretender Präsident der Geschäftsleitung der Schweizer Rück. Für Chubb-Experte Ihlas ist klar:"Die Verschlechterung von Preisen und Bedingungen für die Kunden ist noch nicht zu Ende."

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