Auf dem Gipfeltreffen der südostasiatischen Staaten in Brunei kann Chinas Premier Zhu Rongji einen Erfolg verbuchen
Asean und China planen eine Freihandelszone

Auf dem diesjährigen Gipfel der Staatengemeinschaft Asean haben die Staats- und Regierungschefs Südostasiens und Chinas eine kühne Blaupause entworfen: Eine Freihandelszone für zwei Milliarden Menschen bis zum Jahre 2011. Sie versprechen sich ein zusätzliches Wirtschaftswachstum um bis zu 1 %.

SINGAPUR. Südostasien und China wollen bis 2011 eine Freihandelszone bilden. Das vereinbarten Chinas Premierminister Zhu Rongji und die Staats- und Regierungschefs der zehn Länder des Verbands der südostasiatischen Nationen (Asean) am Dienstag auf dem Asean-Gipfel im Sultanat Brunei. "Wir wollen die größte Freihandelszone der Welt gründen mit 1,7 Milliarden Menschen und in ihr werden zwei Milliarden leben, wenn sie vollendet ist", beschrieb Sultan Hassanal Bolkiah in Bandar Seri Begawan, Hauptstadt seines Reiches, die Vision.

Durch einen solchen Freihandel sei ein Wirtschaftschaftswachstum in den zehn Asean-Länder um 1 % und in China um 0,3 % zu erwarten, sagte Chinas Vizeaußenminister Wang Yi. Das gesamte Handelsvolumen wurde auf 1,23 Bill. US- $ beziffert. Ministerpräsident Zhu Rongji hatte zuvor Vorschläge zum gegenseitigen Zollabbau vorgelegt.

Der Beschluss ist ein Triumph für Regierungschef Zhu. Er hatte den Vorschlag einer Freihandelszone zwischen der Asean-Gruppe und China auf dem Asean-Gipfel vor einem Jahr in Singapur lanciert. Allein durch ihre Ankündigung der angestrebten Wirtschaftszone werden geopolitische und geoökonomische Akzente in Ostasien neu gesetzt. Denn die beiden anderen ostasiatischen Länder Südkorea und Japan bleiben - zumindest vorläufig - außen vor. Der japanische Premierminister Junichiro Koizumi versuchte in Brunei dem Eindruck entgegen zu treten, dass sich Japan in seiner informellen Führungsrolle der Asean-Länder herausgefordert fühle. Sein Land sorge sich nicht im geringsten, "zurückgelassen zu werden", beteuerte er.

Als die Asean und ihre drei ostasiatischen Nachbarn auf dem Asean-Gipfel 1999 in Manila die sogenannten "Asean-plus-Drei"-Gespräche vereinbarten, waren die Ambitionen höher gesteckt. Ob Japan und Südkorea der Beitritt zur Asean-China-Zone angeboten wird, soll auf dem Asean-Gipfel 2002 in Kambodscha beraten werden. Die unterschiedliche Wirtschaftsdynamik im Großraum aus Asean, China und Japan hat die Perspektiven verschoben. Die Asean-Länder sind, ohne sich von der Asienkrise 1997/98 richtig erholt zu haben, in die zweite Rezession seit vier Jahren geschliddert, allen voran das Industrieland Singapur. Asean-Länder wie Malaysia, Thailand, die Philippinen und Singapur wiederum haben sich mit ihrer Entwicklungspolitik der beschleunigten Exportindustrialisierung in eine große Abhängigkeit vom US-Markt gebracht. Singapurs Premierminister Goh Chok Tong betonte in Brunei die "Notwendigkeit, eine interne Dynamik (in der Asean) zu schaffen". Unverblümter sprach das Malaysias Premierminister Mahathir Mohamad aus: "Unsere Abhängigkeit von den USA ist zu groß". Er hatte schon in den achtziger Jahren den "Look East" propagiert: Südostasien sollte sich Japan und nicht den Westen zum Vorbild nehmen. Japans einstiger Glanz hat nach zehn Jahren Dauerkrise gelitten. Tokios alt bewährtes, diplomatisch mächtiges Werkzeug der Entwicklungshilfe (ODA), in der Asienkrise 1997/98 und danach großzügig eingesetzt, musste Koizumi wegen der riesigen Staatsschulden um 10 % kürzen. Aus Brunei wird berichtet, dass der japanische Premier fast eine Stunde auf die Asean-Führer warten musste, als die sich mit Zhu trafen. Der Chinese hingegen demonstrierte auch in Brunei ein wachsendes Selbstbewusstsein: der Gipfelerfolg der Staatschefs des Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsforums (Apec) im Oktober in Schanghai, der kommende Beitritt zur Welthandelsorganisation (WTO), der Zuschlag für die Olympiade 2008, das robuste Wirtschaftswachstum und der ungebremste Zustrom ausländischer Direktinvestitionen - das hat in Asien niemand sonst zu bieten.

China und die Asean wollen ihre Verhandlungen so schnell wie möglich beginnen und sich auf fünf Gebiete konzentrieren: Landwirtschaft, IT-Industrie, Ausbildung, gemeinsame Investitionen und Investitionen in der Mekong-Region. Auf den Tisch kam in Brunei auch ein altes, 2,5 Mrd. US-$ teures Projekt: der Bau einer 5500 km langen Eisenbahnlinie von Singapur nach Kunming in Südchina.

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