Auf dem Weg zum „Flughafen-Image“
Bahnhöfe als rauchfreie Zone

Die Stimme aus dem Lautsprecher verkündete am Donnerstag keine Abfahrt, Einfahrt oder Verspätung von Zügen, sondern eine Neuigkeit aus der Hausordnung der Deutschen Bahn AG: "Das Rauchen ist ab sofort in vielen Bahnhöfen verboten."

dpa/HB DÜSSELDORF/MÜNSTER/DORTMUND. Eilig drückt ein 24-jähriger Zivildienstleistender auf dem Düsseldorfer Hauptbahnhof seine Zigarette aus. Er kommt einer Aufforderung aus dem Lautsprecher nach. Die "Verbannung" der Nikotinanhänger der in spezielle Areale - in Düsseldorf zwei auf jedem Bahnsteig - stieß zumeist auf Verständnis. "Das ist gut, dann rauche ich weniger", meinte eine 20-Jährige aus Hilden bei Düsseldorf.

Von den landesweit 676 Bahnhöfen hat das Unternehmen zunächst 15 zur rauchfreien Zone erklärt. "Das sind die großen Bahnhöfe, wo wir mit Serviceteams die Leute aufklären können", nennt Bahnsprecher Torsten Nehring ein Kriterium. Die Team-Damen hatten am Tag 1 der Sauberkeitsoffensive meist leichtes Spiel. Ausgerüstet mit einem kleinen gelben Faltaschenbecher (Aufdruck: "Das sollte Ihre Letzte sein!") ernteten sie erst einen verwunderten Blick und dann eine brav ausgedrückte Zigarette.

Allerdings qualmte in den Raucherecken auch mancher vor Zorn. "Das ist nicht kundenfreundlich, das ist eine Unverschämtheit", ärgerte sich der 29 Jahre alte Kfz-Mechaniker Uwe Hemmersbach aus Mönchengladbach. Auf dem Dortmunder Hauptbahnhof schimpft in einer der zwölf Raucherzonen Michael Chubarov: "Das Verbot ist totaler Blödsinn. Im Innenraum verstehe ich es noch, aber an den Gleisen sollte man rauchen dürfen." Die Nichtraucher des Kegelklubs Ottmarsbocholt, die auf dem Bahnhof in Münster auf ihren Zug warten, freut die neue Regelung. Kegelbruder Berhard Kallwey weiß allerdings auch: "Für einen Raucher ist eine Kegeltour einfach nicht so lustig, wenn er sich zum Bier nicht auch eine anzünden kann." Ein Problem, das auch die Verkäuferin in einem Tabak-Geschäft ahnt. "Bei großen Gruppen können die Sicherheitskräfte das Verbot niemals durchsetzen." Der Leiter der Verkehrsstation in Dortmund, Claus Israel, hat ähnliche Bedenken: "20 Euro und als letzte Konsequenz ein Hausverbot drohen Rauchern. Ich halte das aber nicht für durchsetzbar bei 125 000 Besuchern pro Tag."

Die Verteilung von viel Zuspruch und wenig Ärger kennt die Bahn aus einem Pilotversuch auf dem Bonner Hauptbahnhof. "Dort haben sich in den Raucherarealen sogar Clubs gebildet, die gerne gemeinsam die Bundesligaergebnisse diskutieren", sagte Bahn-Sprecher Nehring. Auch in den Zügen sei der Anteil derjenigen, die sich in den Raucherabteilen einen Sitz reservieren lassen, sinkend. "Wir vollziehen an den Bahnhöfen nach, was wir in den Zügen angefangen haben", so Nehring.

Die Bahn sieht einen langfristigen Nutzen über etwaige Kosteneinsparungen hinaus. Wenn nun der Gleisbettsauger seltener zum Einsatz komme, könne sich die Putzkolonne viel stärker um die Edelstahl-Design-Elemente im Bahnhof kümmern, sagte der Düsseldorfer Bahnhofsmanager Peter Kradepohl, der 600 000 Euro pro Jahr im Kampf gegen fest getretene Kaugummis und Zigaretten ausgibt. Der erhoffte neue Glanz beim Edelstahl sei "ein Schritt hin zum angestrebten Flughafen-Image".

Dass es eine Verbindung von Sauberkeit und Wohlgefühl auch auf Bahnhöfen gibt, hat laut Nehring eine Marktstudie der Bahn gezeigt. "Da, wo es sauber ist, fühlen sich die Menschen sicher, denn sie wissen, da kümmert sich jemand."

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