Auf dem Weg zur neuen Volksaktie?
"Der Post-Börsengang ist zum Erfolg verdammt"

Die Post kommt. Am Montag begann nach monatelanger Vorbereitung und Millionen teurem Werbegetrommel die Zeichnungsfrist für die "Aktie Gelb". Es ist einer der größten Börsengänge dieses Jahres. Doch er fällt in eine Zeit, in der die Börsen so nervös sind wie selten zuvor.

ap BONN. Rund ein Viertel seiner 1,1 Mrd. Post-Aktien will der Bund an dem Markt bringen und dabei schätzungsweise zwischen fünf bis sieben Mrd. Euro erlösen. Die Post-Aktie soll eine neue Volksaktie werden. Doch die Bewertungen der Fachleute sind eher ernüchternd. "Solide, aber nicht besonders aufregend", fasste das "Handelsblatt" den Tenor einer Umfrage unter zahlreichen Analysten zusammen.

"Der Post-Börsengang ist zum Erfolg verdammt", urteilt dennoch Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Schließlich wolle der Bund im nächsten Jahr vielleicht schon die nächste Tranche an den Markt bringen. Da würden wohl auch die Konsortialbanken einiges tun, um den Börsenstart zum Erfolg zu machen.

Doch was die langfristigen Aussichten angeht, ist er wie die meisten seiner Kollegen gespalten. Wenn es Post-Chef Klaus Zumwinkel gelinge, aus den in den vergangenen Jahren zusammengekauften Logistikanbietern ein schlagkräftiges Unternehmen zu formen, dann sei die Post-Aktie ein Wert mit Zukunft. Falls Zumwinkel aber scheitere, dann werde "der Kurs vor sich hindümpeln. Das wird dann ein Witwen- und Waisenpapier", urteilt Kurz.

Unsicher über den Ausgang des Börsenabenteuers ist auch der Geschäftsführer der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre, Lars Labryga. "Die Telekom als Vorbildaktie hat sich in letzter Zeit dermaßen schlecht entwickelt, das viele vielleicht sagen, ach ne", unkt er. Bei der Beurteilung des Unternehmens sieht auch er Licht- und Schattenseiten.

Ein Unternehmen mit zwei Gesichtern

Tatsächlich ist die Deutsche Post ein Unternehmen mit zwei Gesichtern. Das möglicherweise größte Problem der Post ist, dass noch immer gut drei Viertel ihres Gewinns aus dem monopolgeschützten Briefbereich stammen. Fällt das Monopol Ende 2002 weg, dürfte diese Gewinnquelle aber weniger intensiv sprudeln.

Auf der anderen Seite ist der Bonner Konzern inzwischen zum weltgrößten Logistikanbieter herangewachsen und verweist Konkurrenten wie den US-Paketriesen UPS und den Express-Spezialisten Fed-Ex auf die Plätze. Das Unternehmen ist damit hervorragend aufgestellt, um vom Internetboom und der wachsenden Bedeutung des E-Commerce zu profitieren. Schließlich muss - wie die Post-Werbung zu Recht betont - jemand die im Netz bestellten Waren ausliefern.

Doch ist das von Zumwinkel durch rund 40 Übernahmen zusammengekaufte weltumspannende Logistiknetz noch ein Flickenteppich und nicht ein zusammengewachsener Konzern. Bisher spielt die mit einem Kostenaufwand von rund sechs Mrd. Euro aufgepäppelte Logistiksparte Labryga zufolge nicht einmal ihre Kapitalkosten ein. Hier müssten Synergien in erheblichem Umfang gehoben werden, damit dieser Bereich künftig die zu erwartenden Gewinnausfälle im Briefbereich kompensieren kann.

Easy Trade kommt "viel zu spät"

Auch die Postbank bekommt von Aktionärsschützer Labryga nicht gerade gute Noten. Dass das Institut erst jetzt mit seinem Directbroker Easy Trade am Markt auftauche, sei "viel zu spät". Gefahren drohen schließlich auch noch aus den in Brüssel anhängigen Wettbewerbsverfahren. Die EU könne durchaus dreistellige Millionenbeträge als Strafgelder verhängen, wie das Beispiel VW belege, meint Kurz.

Letztlich hängt in dieser Situation vieles vom Post-Chef Zumwinkel ab, der die Mammutaufgaben der nächsten Jahre bewältigen muss. "Das ist sicher ein Hoffnungsträger", beurteilt Labryga die bisherigen Leistungen des Mannes, der den als Schneckenpost verspotteten Staatsbetrieb in einen Logistikriesen verwandelte. Und es kommt - natürlich - auf den Ausgabepreis der Aktie an.

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