Auf der „Boot“ gehen vor allem mittelständische Unternehmen vor Anker: Segelbootwerften liegen gut am Wind

Auf der „Boot“ gehen vor allem mittelständische Unternehmen vor Anker
Segelbootwerften liegen gut am Wind

Die 32 Meter lange Elegance 105 mit Eignerkabine über drei Ebenen, drei Gästekabinen und einem Fitnessraum kostet schlappe 6,2 Mill. Euro plus Mehrwertsteuer. Formel-Eins-Pilot Ralf Schumacher hat sich bereits für ein baugleiches Modell entschieden. Die Motoryacht aus einer Werft in Taiwan ist die größte Yacht und damit der Superstar auf der "Boot" in Düsseldorf (19. bis 27. Januar).

HB DÜSSELDORF. Auch wenn die großen Motorboote der Publikumsmagnet der Messe sind: "Die Boot ist für uns nicht das Mekka", sagt ein Sprecher der Bremer Lürssen-Werft, der in Deutschland führenden Werft bei den wirklich großen Schiffen zwischen 40 und 140 Meter Länge. Die Musik im Luxussegment spielt auf den Messen in Fort Lauderdale, Florida und in Monaco - verständlich, kommt doch jeder zweite Käufer aus den USA. So begnügt sich Lürssen mit einem kleinen Stand auf der "Boot" und mit Modellen seiner "Traumschiffe". Auf der Messe dominieren mittelständische Segel- und Motorboothersteller, die sich an den Wassersportler wenden. Die Branche spürt bereits eine leichte Brise. Von der Messe erhoffen sich die Unternehmen frischen Wind.

Konjunktureller Motor ist nach Meinung von Jürgen Tracht, dem Geschäftsführer des Bundesverbandes Wassersportwirtschaft (BWVS), nach wie vor der Export. Die Nachfrage aus dem Inland hingegen bleibe schwach. Die Branche legte beim Umsatz 2001 insgesamt um rund 3 % auf 3,3 Mrd. DM zu. Besonders die deutschen Segelbootwerften schwimmen laut BWVS auf einer Erfolgswelle. Lieferzeiten von mehreren Monaten seien nicht selten, weiß Tracht - obwohl die Werften in den vergangenen Jahren die Kapazitäten erheblich ausgeweitet hätten. Da es in Deutschland keine größeren Motorboot-Hersteller gebe, sei der Markt überwiegend ein Importmarkt.

Deutschlands größter Hersteller von Segelyachten, die Bavaria Yachtbau GmbH aus dem fränkischen Giebelstadt, kommt auf eine Exportquote von 85 %. Bavaria stellt rund 2000 Boote im Jahr her, davon etwa 1700 Segelyachten und 300 Motorboote. 2001/02 (30.9.) peile die Werft mit 550 Mitarbeitern einen Umsatz von deutlich mehr als 160 Mill. Euro (Vorjahr: 151) an, sagte Vertriebsleiter Roland Herrmann. Der große französische Konkurrent Benéteau kommt auf einen Umsatz von 570 Mill. Euro (446) bei einem Netto-Ergebnis von 57 Mill. Euro (42,5). Euro. Bavaria will weiter wachsen: Mit einer Großinvestition von 25 Mill. Euro erweitert sie die Werksfläche in Giebelstadt.

Unter holländischer Flagge segelt die Dehler-Gruppe aus dem sauerländischen Meschede inzwischen wieder gut am Wind. Die 1999 von der de Kok-Holding übernommene Werft peilt 2002 bei einem Umsatz von mehr als 16Mill. Euro (Vorjahr: 14,8) erstmals schwarze Zahlen an, sagte Art Hiddinga, Betriebsleiter bei Dehler in Deutschland.

Das Unternehmen baut 120 Boote im Jahr. Die Auftragsbücher seien voll. Die Lieferzeit betrage ein Vierteljahr. Der dritte im Bunde der großen deutschen Segelbootbauer ist das 1990 gegründete Yachtzentrum Greifswald GmbH. Das Unternehmen boomt. "Wir erwarten 2002 ein Umsatzplus von mindestens 40 Prozent", sagte Exportleiter Gregor Bredenbeck. 2001 stieg der Umsatz mit 90 Beschäftigten von 5 auf knapp 15 Mill. Euro. Die Firma hat daher die Produktionskapazität auf 245 Schiffe im Jahr verdoppelt. Der Erfolg des Unternehmens hat einen Namen: Hanse. Das Yachtzentrum stieg mit diesen Booten zu einem der erfolgreichsten deutschen Serienhersteller auf.

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