Auf der Stelle getreten
Wie Analysten SAP einschätzen

An den Erträgen gemessen ist Europas größter Softwarehersteller SAP nach Ansicht von Analysten im ersten Quartal auf der Stelle getreten. SAP legt seine Quartalszahlen für den Konzern am Donnerstag vor. Die SAP-Aktie stieg in den vergangenen Tagen dennoch kräftig an.

Reuters STUTTGART. Damit hätte sich der Walldorfer Konzern aber immer noch deutlich besser gehalten als die Konkurrenz. Nur das weniger ertragreiche Geschäft mit Beratung und mit der Wartung der Software hat SAP nach den Prognosen der 24 von Reuters befragten Analysten in den ersten drei Monaten zu einem Umsatzplus von zehn Prozent auf 1,68 Milliarden Euro verholfen. Der lukrativere Verkauf der Lizenzen stagnierte dagegen bei 451 (458) Millionen Euro. Die nach den Anschlägen vom 11. September drastisch gedrosselten Ausgaben für Informationstechnologie in den USA erhole sich nur langsam, erklärte Merck-Finck-Analyst Theo Kitz. Die Sparwelle schwappe sogar eher erst jetzt auf Europa über. Daher rechnen die Experten im Mittel auch mit einem Ergebnis vor Steuern und Zinsen, das mit 202 (206) Millionen Euro knapp unter dem Vorjahreswert liegt. SAP legt seine Quartalszahlen für den Konzern an diesem Donnerstag vor.

SAP-Aktie zuletzt deutlich auf dem Vormarsch

Die SAP-Aktie stieg in den vergangenen Tagen dennoch kräftig an. Am Dienstag kletterte das Papier um weitere 3,5 Prozent auf 157,00 Euro. Erfüllt SAP die Prognosen der Analysten, lägen die Zahlen immerhin am oberen Ende der eigenen Erwartungen, die bei den Lizenzverkäufen 405 bis 450 Millionen Euro betrugen. "SAP wird sie wie gewöhnlich etwas toppen", sagt Analystin Oana Flores von Helaba Trust. Auch CSFB First Boston sieht Raum für bessere Zahlen. Möglicherweise habe SAP in Europa einige Umsätze aus dem glänzenden vierten Quartal 2001 in die ersten drei Monate dieses Jahres verschoben. Für das Gesamtjahr 2002 hat der Softwarekonzern den Analysten zufolge rund 15 Prozent mehr Umsatz und eine um einen Prozentpunkt auf 21 Prozent verbesserte Ebit-Marge in Aussicht gestellt.

In den vergangenen vier Wochen war die SAP-Aktie allerdings stark unter Druck geraten, nachdem Konkurrenten wie PeopleSoft ihre Prognosen stark zurückgenommen hatten. SAP habe in der Krise wohl Marktanteile gewonnen, schließen die Analysten nun aber daraus. Im Kerngeschäft mit "mySAP.com" unangefochten die Nummer eins, hatte SAP im Laufe des vergangenen Jahres mit einer neuen Beschaffungssoftware (Supply Chain Management) nach einer Studie der Bank Julius Bär auf Anhieb den Marktführer i2 überholt. Im Management von Kundenbeziehungen (CRM-Markt) ist man zudem Siebel auf den Fersen.

Wann der Softwaremarkt wieder anzieht, darüber streiten sich die Analysten dennoch. "Spätestens im vierten Quartal" erwartet Theo Kitz einen Nachholeffekt, CSFB erwartet den Aufschwung noch früher. Julius Bär sieht 2002 in den neuen SCM- und CRM-Lösungen den größten Wachstumstreiber. Thomas Köbel von der SEB Bank in Frankfurt, der die Aktie auf "Verkaufen" gestellt hat, zweifelt dagegen an der Wachstumsdynamik des Marktes.

Commerce One belastet weiter

Belastungs- und Unsicherheitsfaktor ist für die Analysten die Beteiligung von 20 Prozent am US-Partner Commerce One, der weiterhin Verluste schreibt und auch für das erste Quartal 2002 einen drastischen Umsatzeinbruch auf 29 Millionen Dollar erwartet. Ein Jahr zuvor waren es noch 170 Millionen Dollar. 22 Millionen Euro wird SAP das Engagement nach den Schätzungen der Analysten in den ersten drei Monaten kosten. Commerce One legte in der Nacht zum Mittwoch seine Zahlen vor. "Die haben bisher immer enttäuscht. Das wird eine Belastung bleiben", sagte Kitz. Laut Branchenkreisen will der Anbieter von E-Commerce-Software 10 bis 20 Prozent seiner Stellen abbauen. Erst im Oktober hatte Commerce One 1300 von 2800 Arbeitsplätzen gestrichen.

Eine erneute Abschreibung von SAP auf den Wert von Commerce One halten Experten jedoch für unwahrscheinlich. Zwar steht die Beteiligung noch mit 450 Millionen Dollar in den Büchern von SAP, während der Börsenwert inzwischen auf 70 Millionen Dollar geschrumpft ist. Doch verlangen die neu gefassten US-Bilanzierungsregeln (US-GAAP) in diesem Fall nicht mehr automatisch eine Abschreibung, und SAP schätzt den Wert des Partners für das eigene Geschäft auf lange Sicht nach eigenem Bekunden noch höher ein.

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