Auf der Suche nach der Form
Tobias Dier: „Golf ist ein komischer Sport“

Sein gesundes Selbstvertrauen ist Zweifeln gewichen, das einst gut gefüllte Bankkonto schrumpft bedenklich. Für Tobias Dier ist der Prämiensegen auf der Europa-Tour der Golfprofis seit seinem Sieg bei den Dutch Open 2002 praktisch versiegt.

HB ST. LEON-ROT. "Golf ist schon ein komischer Sport", sinniert der 27-jährige Bajuware vor dem Start der "Deutsche Bank-SAP Open" in St. Leon-Rot. "Ich habe absolut keine Ahnung, warum ich die Kugel nicht mehr treffe und einen Cut nach dem anderen verpasse."

Aus dem einstigen Sieg-Spieler ist ein Mitläufer geworden, der auf der Suche nach der Form von einst ist. Die Statistik seiner bisher 108 Turniere seit 2 000 mit 70 verpassten Cuts spricht Bände. 647 074 Euro hatte der ehemalige Biochemie- und Ingenieur-Student der Frankfurter Uni bis Weihnachten 2003 verdient. Dabei schien der Sieg 2001 bei der North West of Ireland Open den endgültigen Durchbruch zur Weltspitze zu markieren.

Doch dann wurden ausgerechnet die Dutch Open zum Wendepunkt seiner Karriere, obwohl er sich mit einer Aufsehen erregenden 60er Runde in Hilversum einen Eintrag in den Geschichtsbüchern sicherte. Nur neun Spieler hatten dieses Rekord-Ergebnis auf der Europa-Tour vor ihm erreicht. "Seitdem aber habe ich nichts mehr richtig getroffen", sagt Dier, "was ich auch mache, arbeite, analysiere und trainiere. Ich habe den Faden verloren und weiß nicht, wo ich ansetzen soll. Wenn es nur ein Problem wäre, müsste ich lügen." Über das Umfeld mit Trainer und Sponsoren will er sich nicht beschweren. "Ich bin der Typ, der selber der Sache auf den Grund gehen muss", sagt der Berufsspieler.

Ob Materialwechsel, wochenlange Sitzungen beim belgischen Psychologen Jos Vanstiphout, Trainingsfron oder Zuspruch des ihn in Deutschland begleitenden Vaters - nichts habe genutzt. Dier ist ratlos: "Ich habe alles versucht. Ich wäre froh, wenn ich mal wieder eine 65er Runde spielen könnte. Aber stattdessen schlage ich kreuz und quer."

Er hat auch schon ans Aufhören gedacht und daran, sein Studium fortzusetzen. Mit knapp 3300 Euro Prämie nach 12 verpassten Cuts bei 14 Turnieren in diesem Jahr ist Dier auf Platz 265 der Geldrangliste ganz hinten angelangt. Seine Tourkarte für 2005 steht auf dem Spiel. "Noch habe ich Spaß", betont Dier, "aber ich habe auch keine Angst, mich vom Golf zu trennen, wenn ich den Spaß bei der Arbeit verliere."

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