Auf der Suche nach der Strategie des ehemaligen Wasserversorgers sind Investoren auf sich allein gestellt
Das Schweigen bei Vivendi erweist sich als große Bürde

Der neue Chef von Vivendi Universal gibt sich zugeknöpft. "Ich habe eine Idee, aber ich werde sie Ihnen nicht erzählen", sagte Jean-Rene Fourtou den Investoren, die wissen wollten, wie das gebeutelte Unternehmen in fünf Jahren dastehen soll.

NEW YORK. Sein Vorgänger Jean-Marie Messier hatte den ehemaligen Wasserversorger Vivendi immer zum ganz großen Stern am Himmel der Medien- und Technologie-Giganten erstrahlen lassen. Alles heiße Luft - Messier hatte das Unternehmen mit einer Reihe von Akquisitionen an den Rand der Pleite geführt. Er musste dafür im Juli letzten Jahres seinen Hut nehmen. Oft genug hatte er geplante Verkäufe herausposaunt, ohne dass es auch nur Vorverhandlungen mit den interessierten Parteien gegeben hatte - die Preise waren dann natürlich verdorben.

Fourtou übt sich nun in der Tugend der Verschwiegenheit. Der ehemalige Pharma-Manager will sich nicht in die Karten schauen lassen. Diese Verweigerungshaltung könnte sich aber auch als Bürde herausstellen. Es ist schwierig, Vertrauen in eine Aktie zu fassen, wenn deren Wert im vergangenen Jahr um fast 80 % gesunken ist. "Die Anleger wollen wissen, was sie kaufen. Bei Vivendi weiß man nicht, wo man dran ist", sagt Jacques-Antoine Bretteil von International Capital Gestion.

Bisher hat Fourtou das Bedürfnis der Investoren nach mehr Klarheit ignoriert. Sicher ist nur, dass er den Kurs seines Vorgängers nicht weiter verfolgen will. Nach dem Ausscheiden von Messier war Fourtou in den ersten zwei Monaten damit beschäftigt, eine Liquiditätskrise abzuwenden. Er reduzierte die Schulden auf 15,1 von 19 Mrd. Euro, gab aber gleichzeitig 4 Mrd. Euro für die Aufstockung der Beteiligung an der Telekom-Gesellschaft Cegetel auf 70 % aus. Ein Investment-Manager sagt, er sei nicht sicher, ob Fourtou weiß, wohin er will.

Jetzt können sich die Investoren ihre eigenen Gedanken machen. Eine Theorie lautet: Fourtou konzentriert sich auf die rentabelste Tochter Cegetel. Jacques Espinasse, Finanzvorstand von Vivendi, sieht tatsächlich eine größere Wahrscheinlichkeit dafür, dass der Konzern eine reine Telekom-Gesellschaft wird, bevor er ganz zusammenbricht. Das wichtigste Ziel sei aber, bei den Rating-Agenturen wieder Investment-Grade-Status zu bekommen. Das soll im ersten Quartal 2004 erreicht werden. Dazu will Fourtou in diesem Jahr Konzernteile für 7 Mrd. Euro veräußern. Ohne den Verkauf einer der amerikanischen Unternehmen aus der Unterhaltungsindustrie wird die Aufgabe aber nicht zu bewältigen sein. Es gibt Anzeichen dafür, dass die unklare Strategie von Vivendi potenzielle Käufer für die US-Medienkonzerne frustriert hat. Gespräche mit potenziellen Interessenten sind festgefahren.

Andrew Wallach, von der US Cumberland Associates LLC, -Investmentgesellschaft glaubt, dass der wahre Wert der Vivendi-Aktie bei 20 bis 24 Euro liegen könnte. Vivendi sei günstig im Vergleich zu anderen US-Unterhaltungskonzernen. Dabei setzt er den Unternehmenswert ins Verhältnis zu den Einnahmen und dem Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen. Er glaubt, dass Vivendi am Ende eine europäische Telekom-Gesellschaft sein wird mit einigen Minderheitsbeteiligungen im US-Unterhaltungsgeschäft.

Fourtou aber lässt die Investoren weiter rätseln. "Wenn man Poker spielt, zeigt man nicht alle Karten; und wenn man gewinnen will, vor allem dann nicht, wenn man Mitspieler wie beispielsweise den Viacom-Chef Sumner Redstone am Tisch sitzen hat", sagt ein Vertrauter von Fourtou.

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