Auf der Suche nach der Umkehr
Chartanalyse:S&P 500 Index nach unten ausgebrochen

Nach einer oberen Schulter-Kopf-Schulter-Formation im Mai/Juni ist eine schwächere Börse in den kommenden Wochen wahrscheinlicher geworden. Die Frage ist nur, ob sich eine Wende vor oder am bisherigen Tief bei 1 100 Punkten aubildet oder ob gar ein Bruch durch diese Unterstützungslinie erfolgt.

DARMSTADT. Als Mitte Mai der S&P 500 Index als Indikator für den breiten US-Aktienmarkt aus seinem seit September 2000 bestehenden Abwärtstrend ausbrach, war die Freude nur von kurzer Dauer. Die Kurse konsolidierten kurz darauf und es bildete sich eine obere Kopf-Schulter-Formation.

In der vergangenen Woche fielen dann die Kurse wieder in den alten Abwärtstrend zurück. Der Ausbruch war eine Bullenfalle - ähnlich der im Januar. Ein sehr schlagkräftiges charttechnisches Argument spricht nun dafür, dass sich künftig neue Tiefkurse im S&P Index ergeben können: Der Bärenmarkt. Wie bereits am Hoch Anfang Februar drehten auch diesmal die Kurse an der 200-Tage-Linie nach unten, während gleichzeitig wichtige technische Oszillatoren einen überkauften Markt anzeigten. Daher könnten die Kurse wieder in die Region von 1 080 bis 1 120 Punkte fallen, wo sich eine aus dem Hoch vor der Russlandkrise 1998 resultierende Unterstützungszone befindet. Hier hatte bereits Anfang April der S&P Index seine Schwäche beendet.

Der langfristige Chart lässt allerdings erkennen, dass innerhalb des aktuellen Abwärtstrends noch Raum für tiefere Kurse sein könnte. So liegt die nächste Unterstützungszone bei 950 Punkten, die sich aus dem Tief des Mini-Crashs von 1998 und den Hochpunkten von 1997 bildet. Und der langfristige Aufwärtstrend mit Berührungspunkten in 1987, 1990 und 1994 liegt mit gut 900 Indexpunkten sogar noch tiefer. Für einen schwachen S&P Index spricht zudem die charttechnische Verfassung zahlreicher Einzelaktien So durchbrach etwa die auch in den USA gehandelte Nokia ihren langfristigen Aufwärtstrend nach unten. Weiterhin waren es im nun mehr über einjährigen Bärenmarkt oft Börsenlieblinge, deren Absturz eine breite Verkaufswelle auslöste.

Der fundamental wichtigste Grund für eine nachhaltige Börsenschwäche ist jedoch die Verfassung der US-Konjunktur, die sich zuletzt schwächer als erwartet darstellte. So waren zwar die US-Erzeugerpreise, die vorigen Donnerstag veröffentlicht wurden, schwächer als angenommen und lässt darauf schließen, dass die Inflation niedriger ausfällt. Zugleich sind diese Daten aber auch ein deutliches Zeichen dafür, das sich die Unternehmen einem Preisdruck stellen. Daneben wies das "Beige Book" der US-Notenbank in allen Distrikten eine Verschlechterung der Wirtschaft auf.

Eine weitere Zinssenkung durch die US-Notenbank ist daher allerdings nicht auszuschließen, insbesondere die drei-monatigen US-Zinsen notieren schon wieder tiefer und nehmen eine weitere Zinssenkung um 0,5 % vorweg. Im Zweifel bleibt den US-Notenbankern keine Wahl. Sie müssen ihre Strategie,die Zinsen in Rekordgeschwindigkeit zu senken, fortführen, um die langfristigen Aufwärtstrends zu halten. Ob der Abwärtsdruck auf Gewinne und somit mittelbar auch Börsenkurse voll kompensiert werden kann, ist fraglich.

Dr. Hans-Dieter Schulz ist Chart-Experte und Mitherausgeber der Hoppenstedt-Charts.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%