Auf der Suche nach der Win-Win-Situation
Zukünftige UMTS-Netzbetreiber arbeiten an Kooperations-Plattformen

UMTS soll mehr sein als Sprachtelefonie. Um an multimediale Inhalte zu gelangen, müssen die Telekomgesellschaften neue Partner an sich binden. Mit einem technischen Kniff soll dieses Ziel erreicht werden.

KÖLN. Hohe Kosten, komplexe Technologie, veränderte Wertschöpfungsketten, fehlende Endgeräte und viele neue Wettbewerber aus anderen Branchen. Im Jahr Eins nach der UMTS-Auktion stellt sich die Lage für zukünftigen Netzbetreiber alles andere als übersichtlich dar.

Klar ist nur das Ziel aller Wettbewerber: Mit UMTS soll das mobile Internet endlich an den Start gehen. Mit welchen Inhalten das passieren soll, ist jedoch noch weitgehend offen. Da die Netzbetreiber wie die Deutsche Telekom oder Vodafone bislang über wenig eigene Inhalte verfügen, suchen sie bereits seit einiger Zeit nach Partnern aus dem Medien- bzw. Internetsektor.

T-Mobil entwickelt Kooperations-Plattform

So hat die Deutsche Telekom über ihre Mobilfunktocher T-Mobil mit T-Motion ein eigenes Online-Portal für den Mobilfunk aufgebaut und sich an Jamba , einem weiteren Portal, beteiligt. Doch das soll nur der erste Schritt sein. "T-Mobil wird zukünftige Partner in die Lage versetzen, eigene Dienste zu entwickeln, zu produzieren und im Rahmen von neuen Geschäftsmodellen anzubieten", erklärt Frank Wermeyer, Leiter der Strategieentwicklung bei der Telekom-Tochter. Allerdings werde die Komplexität partnerschaftlicher Geschäftsmodelle meistens unterschätzt, sagt Wermeyer im Gespräch mit Handelsblatt.com. Vor allem die Bereiche Abrechnung, Kundenidentifikation und Datenschutz werfen noch große Probleme auf.

Soll beispielsweise ein standortbezogener Wetterservice in ein UMTS-Portal eingebunden werden, so streiten auf jeden Fall der Netzbetreiber, der Serviceprovider und der Anbieter der Informationen um den Erlös. Deshalb arbeiten die Telekom-Techniker an einer sogenannten Enabling Plattform, die die Probleme von Kooperationen lösen soll. Die Plattform soll als Bindeglied zwischen Netzbetreiber, Anbietern von Inhalten bzw. Anwendungen und Service Providern fungieren. Der Clou einer derartigen Kooperations-Plattform: Auch Lieferanten von Vorprodukten, die selbst keine Beziehung zum Endkunden unterhalten, wie beispielsweise ein Anbieter von ortbezogenen Daten, können auf dieser Plattform eingebunden werden.

Win-Win-Situation gesucht

Wermeyer schwebt dabei eine Win-Win-Situation vor, also neue Geschäftsmodelle an denen alle Beteiligten mehr verdienen, weil die Kunden insgesamt mehr telefonieren und online durchs Internet surfen. "Wir glauben, dass sich bis zum Jahr 2005 rund 50 % der Umsätze mit neuen Mobilfunkdiensten erzielen lassen", sagt der T-Mobil-Manger.

Dass eine derartige Plattform ein interessantes Modell für die Netzbetreiber sein könnte, um neue Inhalteanbieter, wie Jamba, und neue Mobilfunk-Service-Provider an sich binden, und gleichzeitig den Zugriff auf den Endkunden zu behalten, haben auch andere Unternehmen erkannt.

Mobilfunk-Labor Liechtenstein

So arbeitet Viag schon seit knapp einem Jahr an der Viag Euro-Plattform, allerdings mit einem ganz anderen Ansatz. Viag hat kurzerhand ganz Liechtenstein zum Mobilfunklabor gemacht und unter dem Namen Montel die Länder Liechtenstein, Deutschland, Schweiz und Österreich zu einem virtuellen Mobilfunkland zusammengefasst. Unter realen Bedingungen und bereits mit Tausenden echten Kunden wird dort ein grenzüberschreitendes Netz betrieben.

Die Umstellung auf die neue Mobilfunkgeneration (3 G) soll dann fließend erfolgen. "Wir haben alle Prozesse von Anfang an auf den neuen UMTS-Standard getrimmt und können im November 2001 den Testbetrieb aufnehmen", sagt Montel-Geschäftsführer Alois Widmann im Gespräch mit Handelsblatt.com. Auch Widmann will möglicht viele Drittanbieter von Content Applikationen auf seiner Europlattform einbinden. Er glaubt, dass der Anteil der europaweiten Umsätze in diesem Bereich von heute 2 % auf 38 % im Jahre 2010 anwachsen wird, bei einem Volumen von 150 Mrd. Euro.

Siemens entwickelt eigene Plattform

Doch mit dem Abschied von der reinen Sprachtelefonie wird die Branche zunehmend für Unternehmen interessant, die bislang mit dem Betrieb von Telefonnetzen wenig zu tun hatten. So entwickeln Siemens und andere Hersteller an technischen Plattform mit ähnlichen Funktionen. Unter der Bezeichnung "Open Mobile Internet" werden Programmierer eingeladen, neue Anwendungen für das mobile Internet zu entwickeln.

Die Netzbetreiber werden sich von ihren tradierten Rollen verabschieden müssen," sagt Frank Wermeyer von T-Mobil. Nur die Firmen, die es verstehen, neue Wertschöpfungsmodelle zu entwickeln und gewinnbringende Partnerschaften einzugehen, werden in einem UMTS-Markt erfolgreich sein, glaubt Wermeyer.

Schreiben Sie dem Autor: j.endert@vhb.de

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%