Auf der Suche nach einem langfristigen Sanierungskonzept
Kvaerner entgeht durch Finanzspritze vorerst Konkurs

Der finanziell angeschlagene norwegisch-britische Industriekonzern Kvaerner hat mit einem kurzfristigen Millionenkredit den drohenden Konkurs vorerst abgewendet. Wie das Unternehmen am Montag mitteilte, stellten Banken und ein Zulieferer eine Notfinanzierung über 250 Mill. NOK (rund 61,4 Mill. DM) bereit.

rtr OSLO. "Es ist nicht notwendig, einen Insolvenzantrag zu stellen", sagte Kvaerner-Chairman Harald Arnkvaern am Morgen im norwegischen Rundfunk NRK. Nach Angaben des Unternehmens reiche diese Liquiditätsspritze wenigstens bis kommenden Donnerstag, wenn die Kvaerner-Aktionäre über ein Sanierungskonzept abstimmen sollen. Bislang konnte sich Kvaerner eigenen Angaben zufolge aber noch nicht mit seinem größten Aktionär über einen langfristigen Rettungsplan einigen.

Kvaerner, das in 35 Staaten noch 35 000 von ehemals 80 000 Beschäftigten hat, sucht seit Wochen nach einem langfristigen Sanierungskonzept. Aber Rivalitäten vor allem zwischen den Hauptanteilseignern Aker Maritime, eine norwegische Öl- und Gasgruppe, sowie der russischen Ölfirma Yukos blockierten bislang eine Lösung. Auch am Wochenende brachten Gespräche des Kvaerner-Vorstands mit Aker-Großaktionär Kjell Inge Roekke zunächst keine Lösung. "Bislang wurde noch kein Durchbruch (in den Verhandlungen mit Aker) erzielt, aber wir sind näher gerückt", sagte eine Kvaerner-Sprecherin dazu.

Aker, mit derzeit 24,9 % größter Anteilseigner von Kvaerner, strebt die Übernahme von 40 bis 60 % von Kvaerner an. Die Aker-Pläne sehen die Ausgabe neuer Aktien im Umfang von insgesamt zwei Mrd. NOK vor. Akers Berechnungen zufolge würde die Verschmelzung der beiden Konkurrenten jährlich 350 bis 380 Mill. NOK sparen.

Der Kvaerner Vorstand hatte sich jedoch im vergangenen Monat mit dem anderen Großaktionär Yukos, der 22 % hält, auf ein separates Konzept verständigt und eine Übernahme durch Aker zunächst abgelehnt. Nach dem alternativen Yukos-Sanierungsplan sollen Bezugsrechte auf neue Kvaerner-Aktien im Volumen von rund 3 Mrd. NOK ausgegeben werden. Ferner ist der Tausch von Schulden in Höhe von 4,5 Mrd. NOK in Aktien vorgesehen. Aker dagegen will diese Verpflichtungen in eine zinsfreie Anleihe umwandeln.

Hauptversammlung entscheidet nur über Yukos-Plan

Auf dem kommenden Aktionärstreffen steht den Angaben zufolge jedoch nur der mit Kapitalmaßnahmen verbundene Yukos-Plan zur Abstimmung, da das Aker-Konzept zu spät eingereicht worden war. Da die Vorschläge einer Zwei-Drittel-Mehrheit bedürfen, jedoch nicht alle Aktionäre vertreten sind, könnte Aker den Yukos-Plan blockieren. Eine Ablehnung der Pläne am Donnerstag könnte die Gefahr eines Zusammenbruchs von Kvaerner wieder aufleben lassen.

Analysten äußerten sich zustimmend zu einer Fusion der Konkurrenten Aker und Kvaerner, da sich beide einen Abschwung beim Bau von Öl- und Gasplattformen gegenübersähen. Kvaerner ist von der Zahlungsunfähigkeit bedroht, nachdem das Unternehmen in den 90er Jahren eine Reihe von Übernahmen über Schulden finanziert hatte. Für das dritte Quartal hatte Kvaerner im Oktober einen Vorsteuerverlust von 4,3 Mrd. NOK genannt, nachdem im Vorjahresquartal noch 203 Mill. NOK Gewinn verzeichnet worden waren.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%