Auf der Suche nach einem Wirkstoff gegen die Alterung der Haut: Chip wirft Blick unter die Haut

Auf der Suche nach einem Wirkstoff gegen die Alterung der Haut
Chip wirft Blick unter die Haut

Ein neuer Chip erlaubt Forschern in den Labors der Kosmetikfirmen einen Blick unter die menschliche Haut. Mit den gewonnenen Informationen wollen sie Cremes entwickeln, die dem Altern entgegenwirken.

MÜNCHEN. Ein Bad im Jungbrunnen - davon träumen Menschen nicht erst seit der Anti-Aging-Welle. Ein Rezept gegen das Alter hat man bislang zwar nicht gefunden. Mit dem Einsatz von empfindlichen Sensoren, die auf einem kleinen Chip untergebracht wurden, erhoffen sich Wissenschaftler der Forschungs- und Entwicklungsabteilung bei L? Oréal in Paris nun Produkte entwickeln zu können, die den Folgen der Hautalterung besser angepasst sind.

"Der Skinchip ermöglicht es uns in wenigen Zehntelsekunden ein nicht optisches Bild der Haut zu erzeugen", sagt Jean-Luc Lévêque, Leiter der Abteilung Zukunftsforschung von L?Oréal. Die 90 000 aktiven Zellen des Sensors liefern Daten für die Generierung eines Hautbildes mit einer hohen Auflösung, welches das Mikrorelief der Haut perfekt widergibt, so der Forscher. Die Messergebnisse werden von spezieller Software in eine Art Landkarte der Haut umgewandelt, die verschiedene Charakteristika der Haut widerspiegelt.

Der Skinchip-Sensor basiert auf einer Entwicklung des französisch-italienischen Halbleiterhersteller STMicroelectronics, die ursprünglich für die biometrische Erfassung von Fingerabdrücken konzipiert war. Seit der Markteinführung dieses Sensors für die Erkennung von Fingerabdrücken vor fünf Jahren wurden mehr als eine Viertelmillion dieser Silizium-Sensoren verkauft. Bei diesem Chip standen die individuelle Rillenstruktur und die Abstandsmessung zur Personenidentifizierung im Vordergrund.

Für den Skinchip, mit dem speziell die Gesichtshaut untersucht werden soll, musste eine spezielle Software entwickelt werden, die die gewonnenen Informationen umwandelt. Die erste von L?Oréal in Zusammenarbeit mit einem anderen Forschungslabor entwickelte Software erkennt die Ausrichtung der Mikrorelief-Linien, was wichtige Hinweise auf die Alterung der Haut liefert. Inzwischen gibt es auch ein Programm zur Quantifizierung der Hautfeuchtigkeit. An einer Software zur Messung des Hautbildes wird zurzeit noch gearbeitet.

Kersten Heins, Business Development Manager bei STMicroelectronics, beschreibt den Vorgang so: "An einer Matrix aus Messpunkten, die jeweils ein zwanzigstel Millimeter voneinander entfernt sind, wird die elektrische Charakteristik der Umgebung ermittelt." Je nachdem, ob Luft, Flüssigkeit oder Haut von der Silizium-Bildsensor- Technologie erfasst werden, ist die elektrische Eigenschaft der Umgebung jeweils eine andere. Ein dreidimensionales Reliefbild auf dem Bildschirm gibt Aufschluss, was für ein Material sich über dem Messpunkt befindet. Das so erstellte Kapazitätsdiagramm lässt sich dann in ein Trockenheits- bzw. Feuchtigkeitsschema umwandeln.

Die elektrische Kapazitätsmessung der Haut als solche ist zwar nicht neu. Sie wird in der Kosmetik-Forschung bereits seit Jahren genutzt. So misst der von der Firma Courage & Khazaka in Köln hergestellte "Corneometer" die Hautfeuchtigkeit über kleine Leiterbahnen aus Gold, die mit einer Glasschicht überzogen sind. Als Ergebnis liefert der "Corneometer" allerdings nur einen Zahlenwert und nicht - wie der Skinchip - ein Art Landkarte der Haut. Mit einem integrierten Rechnersystem wird mit diesem Zahlenwert die "Durchfeuchtung" der Hornschicht ermittelt. Deren Analyse spielt insbesondere bei Studien hinsichtlich der Wirkung von Hautschutzcremes und äußerlich aufgetragenen Salben für die Behandlung von Hautkrankheiten eine wichtige Rolle.

Zwar wird der Skinchip zurzeit lediglich für kosmetische Zwecke genutzt, er könne jedoch - nach Aussagen von Jean-Luc Lévêque - künftig auch in der Dermatologie zum Einsatz kommen. Da der Sensor nur leicht auf die Haut gedrückt wird, kann die Messtechnik auch ohne Probleme bei Kranken angewendet werden.

Erste Geräte mit dem Skinchip sollen noch in diesem Jahr auf den Markt kommen. Lévêque kann sich deren Einsatz auch für Analysezwecke in Apotheken, Drogerien oder Kaufhäusern vorstellen, beispielsweise für eine auf unterschiedliche Hauttypen ausgerichtete Beratung der Kunden. Ob die Messung der Hautfeuchtigkeit die Wissenschaftler tatsächlich weiterbringen wird bei der Entwicklung hautverjüngender Produkte, bleibt allerdings abzuwarten.

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