Auf der Tokyo Motor Show demonstrieren Nippons Hersteller Zuversicht
Japans Autoindustrie hat von Europa gelernt

Die 35. Tokyo Motor Show zeigt, wie sehr sich die japanischen Hersteller unter dem Einfluss westlicher Konzerne bereits gewandelt haben. Auch das Design bekommt Qualität.

HB TOKIO. Auf der 35. Tokyo Motor Show, der größten Automesse Asiens, lässt die japanische Automobilindustrie keinen Zweifel daran, dass sie auf dem besten Weg ist, ihre Regenerierungsphase zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen. Mehr als 50 Neuheiten sind auf der am Freitag startenden Show zu sehen, dabei zeigen vor allem die japanischen Hersteller, dass und wie sie wieder ganz vorne mitmischen wollen: Vor allem mit Design und Emotionalität sowie einem stärkeren Engagement in der Dieseltechnik. Seit amerikanische und europäische Manager in den Topetagen das Sagen haben, spürt man zunehmend den westlichen Einfluss.

Mazda, vor dem tiefen Sturz noch von Avantgarde-Ambitionen beseelt, schätzt seine Chancen am Weltmarkt nun realistischer ein - und das mit deutlich attraktiveren Produkten. Mark Fields, von Ford auf den Mazda-Chefsessel geschickt, verbreitete in Tokio Aufbruchstimmung. Mit dem Mazda 6 (Nachfolger des betagten 626) verabschiedete sich die Marke vom Biedermeier-Styling. Markant tritt der Mazda-Mittelklassewagen auf. Limousine und Kombi orientieren sich mit gelungenen Proportionen und Klarglas-Leuchten an Fahrzeugen ganz anderer Klasse.

Besonders viel vorgenommen haben sich die Interieur-Designer. Klare Linien und eine Mittelkonsole komplett im Alu-Look verändern die von Ford dominierte Marke auch von innen entscheidend. Fields wünscht sich denn auch für die Zukunft bei allen neuen Modellen einen Schuss mehr Emotionalität und Sportlichkeit à la BMW. Am ehesten dürfte diesen Anspruch der ebenfalls bereits serienreife Mazda RX-8 mit seinem bis zu 250 PS starken Wankelmotor erfüllen, wenn er Ende 2002 an den Start geht.

Ähnlich wie Mark Fields Mazda antreibt, will der Deutsche Rolf Eckrodt Mitsubishi nach vorne bringen. Eckrodt machte der Konzeptlosigkeit des Daimler-Chrysler-Ablegers ein Ende und forciert zusammen mit dem Designer Olivier Boulay die neue Linie des Hauses. Boulay hat zuvor am Luxusauto Maybach gearbeitet und besitzt reichlich Fernost-Erfahrung. Die viertürige Mitsubishi-Studie CZ2 ist bereits der Vorbote eines gemeinsamen Projekts der Japaner mit der Mercedes-Tochter Smart. Wie in Tokio zu erfahren war, ließe sich der viertürige Smart CZ2 bereits zu 95 % realisieren. Dessen klar geführten, eher glattflächigen Formen erinnern allerdings an den Peugeot 106.

Wie erfolgreich der von Renault entsandte Sanierer Carlos Ghosn bei Nissan wirkt, hat sich weltweit herumgesprochen. Auf der Autoschau in Tokio zündete der Nissan-Chef die nächste Stufe seines Wiederbelebungs-Plans - diesmal bei den Produkten. Blickfang ist die Serienversion des neuen Nissan 300ZX (Sportcoupé, V6-Motor, 300 PS), der in Japan wie in den USA unter dem legendären Namen Fairlady reüssieren soll und der sich vor allem im Interieur stilistische Anleihen bei seinem berühmten Vorgänger aus den 70er-Jahren gestattet. Hinter der Studie "mm" verbirgt sich nahezu serienreif der neue Nissan Micra. Er soll Ende nächsten Jahres auf den Markt kommen.

Auch in anderer Hinsicht lernt Japan inzwischen von Europa. Modelle, die sich vor zwei Jahren an gleicher Stelle noch als Konzeptautos im Scheinwerferlicht drehten, wurden ohne große Änderungen zu Serienfahrzeugen. Dem Beispiel des Mazda RX-8 und des Nissan 300ZX folgt nun eine Bonsai-Ausgabe des erfolgreichen Audi-TT Roadsters. Der "Copen" aus dem Hause Daihatsu ist dem Ingolstädter Kultauto wie aus dem Gesicht geschnitten, aber nur 3,4 Meter lang (der TT misst 4,04 m). Die Toyota-Tochter will ihn rechtzeitig zur nächsten Saison in Japan einführen.

Die Tatsache, dass Kleinwagen noch die einzige Chance sind, sich in Tokio durch das Verkehrsgewühl zu schlängeln, hat BMW wohl dazu bewogen, den Mini Cooper S auf der japanischen Automesse Weltpremiere feiern zu lassen. In Europa gilt er als das "Original" unter den Kleinwagen.

Dem japanischen Publikum dürfte die deutlich gewachsene Neuauflage hingegen eher stattlich vorkommen, eine leistungsbesessene Klientel wird dagegen begeistert sein. Denn der Cooper S ist mit 163 Kompressor-PS ausgestattet und soll sich so in Fernost einen neuen Freundeskreis erobern.

Auf den hofft auch Volkswagen. Die Oberklasse-Strategie der Wolfsburger nimmt immer schärfere Konturen an. Erstmals präsentiert der Konzern den 600 PS starken Supersportwagen W12-Coupé - ein ebenso schillernder wie hochkarätigen Modell-Baustein.

Der Flunder-flache, vom Italiener Giugiaro zeitlos elegant gezeichnete Hochleistungs-Bolide mit Mittelmotor reiste mit frisch errungenem Geschwindigkeitsweltrekord im Gepäck aus dem süditalienischen Nardo nach Tokio an. Dort wird der über 350 km/h schnelle Wolfsburger der Weltöffentlichkeit erstmals in jenem Zustand präsentiert, in dem er dann im Jahr 2003 auf dem Markt der Extrem-Sportwagen antreten soll.

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