Auf die Balance achten: Rund um die Welt anlegen

Auf die Balance achten
Rund um die Welt anlegen

Ist das Sparbuch doch die bessere Alternative? Im Jahr 2001 erlebten viele Anleger wieder eine ernüchternde Odyssee an den internationalen Finanzmärkten.

DÜSSELDORF. Der MSCI World Index, der die weltweiten Aktienmärkte abbildet, verlor knapp 18 Prozent. Die internationalen Aktienfonds derjenigen Gesellschaften, die im Bundesverband deutscher Investmentgesellschaften zusammengeschlossen sind, büßten im Durchschnitt sogar fast 20 Prozent ein. Selbst ein Star unter den Fondsmanagern wie Klaus Kaldemorgen mit seinem Fonds DWS Vermögensbildungsfonds I machte seine Anleger um mehr als zehn Prozent ärmer.

Die europäischen Aktienmärkte waren besonders unergiebig. Die Liste der Fonds, die hier 2001 überhaupt ein Plus erwirtschafteten, ist sehr kurz: Nur einer liegt mit einer Rendite von mageren 1,9 Prozent im grünen Bereich. Bei den international anlegenden Fonds sieht es besser aus: Der Spitzenreiter schaffte zwölf Prozent, und insgesamt lagen neun Fonds oberhalb der Nulllinie. Alle anderen waren im Minus.

Die meisten Gewinnbringer des vergangenen Jahres haben eines gemeinsam: eine sehr starke Orientierung am so genannten Value-Ansatz, also einer konservativen Ausrichtung. Der bekannteste Fonds dieses Anlagestils (auch wenn der Name dies nicht verrät) ist der Templeton Growth Fund, der 1954 gegründet wurde und heute ein Volumen von rund 13 Mrd. US-Dollar verwaltet. Seine Manager hielten auch im Börsenboom unbeirrt an der vorsichtigen Tradition des Hauses Templeton fest und verschmähten hoch bewertete Techniktitel, was ihnen viel Kritik einbrachte - bis diese Aktien im Jahr 2000 einbrachen. Im Jahr 2001 gehörte der Fonds wieder zur Spitzengruppe. Oliver Fischer von der Fonds Consult Research AG in München rühmt die "Stiltreue" von Templeton: Der Anleger weiß, was er kauft. Daher steht der Fonds auch auf seiner Empfehlungsliste.

Das Problem für Anleger: Der Blick auf die Rennlisten des vergangenen Jahres hilft nur bedingt weiter. Denn der Value-Ansatz bewährt sich nicht in jeder Börsensituation - im Boom bleiben diese Fonds häufig zurück.

Murdo Murchison, der Manager des Templeton Growth, bleibt bei seiner vorsichtigen Einschätzung. In den Monaten August und September 2001 hat er Aktien gekauft, danach in den steigenden Markt hinein überwiegend verkauft. Auch der Vermögensverwalter Jens Ehrhardt aus München meint, es sei noch offen, ob die "Ankurbelungspolitik" der amerikanischen Notenbank tatsächlich Erfolge zeige. Seine These: "Wenn die Erholung ausbleibt, sind Value-Aktien sicherer. Und wenn sie kommt, dann werden sie auf Grund der niedrigeren Bewertung auch ganz gut laufen." Ehrhardt managt (offiziell nur als "Berater") den Astra- und FMM-Fonds, die beide 2001 recht gut abgeschnitten haben. Er hat nach eigener Aussage bis vor etwa zwei Jahren auch auf Wachstumstitel gesetzt, hält sie aber jetzt für viel zu teuer. "Ich würde nie eine SAP oder eine MLP kaufen", sagt Ehrhardt. Seiner Meinung nach schauen viele Leute "in den Rückspiegel" und erwarten einen neuen Technikboom - daher sei nach wie vor zu viel Geld in diesen Aktien investiert.

Die Frage, wohin die Reise geht, wird in New York entschieden. Die Technologiebörse Nasdaq gibt den Trend für alle Tech-Titel vor. Und viele Börsianer in den USA schauen zurzeit skeptisch in die Zukunft. Die großen Aktien der Nasdaq haben seit zwei Jahren eine Serie von kraftvollen Aufschwüngen hingelegt, die immer wieder zu Nichts zerronnen sind. Eine ähnliche Entwicklung hat es zuletzt 1971 gegeben. Manche Analysten, zum Beispiel die von Ned Davis Research in Venice/Florida, vergleichen den langen, immer wieder unterbrochenen Abstieg sogar mit der Situation nach dem legendären Börsenkrach in den Jahren 1929 bis 1932. Phil Roth, technischer Analyst bei Morgan Stanley in New York, glaubt, dass es "viele Monate, wahrscheinlich sogar Jahre" dauert, bis die Nasdaq wieder zu einer Entwicklung mit kleineren, stetigen Kursgewinnen zurückfindet, wie sie bis zum Jahr 2000 zu beobachten war. Denn dazu wäre es notwendig, dass auch die Anleger ihre Erwartungen wieder auf ein normales Maß herunterschraubten. Roth glaubt, dass die Nasdaq sich zwar oberhalb ihres Tiefpunktes vom September 2001 von 1 423 Punkten halten, aber für Jahre nur unterdurchschnittlich entwickeln wird.

Fazit für den Anleger: Im Sinne einer ausgewogenen Strategie sollte man ohnehin Standbeine in beiden Lagern - bei den Value- und bei den Growth-Titeln - haben. Dabei dürfte ein Übergewicht bei den Value-Titeln nicht schaden - vor allem Anlegern mit einer vorsichtigen Strategie.

Mitarbeit: E.S. Browning, Wall Street Journal

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