Auf Expansionskurs
Vattenfall: HEW-Mehrheit ist ein Schritt zum europäischen Versorger

Nächstes Etappenziel des schwedischen Energiekonzerns auf seiner Einkaufstour durch Deutschland ist die Übernahme der Berliner Bewag. Das Unternehmen will zur Nummer Vier auf dem deutschen Energiemarkt werden.

dpa HAMBURG. Der schwedische Energiekonzern Vattenfall will nach der Übernahme der Mehrheit an der Hamburger HEW zu einem der führenden europäischen Versorger werden. "In zehn Jahren wollen wir eines der fünf bis sechs großen Energieunternehmen in Europa sein", sagte Vattenfall-Chef Lars G. Josefsson am Donnerstag in Hamburg. Zuvor war bekannt geworden, dass der Energiekonzern Eon und die schwedische Sydkraft ihre Anteile an der Hamburgischen Electricitäts- Werke AG (HEW) an Vattenfall verkaufen. Damit wird das schwedische Unternehmen mit mehr als 71 % Mehrheitsaktionär der HEW.

Josefsson erwarte durch die Liberalisierung der europäischen Strommärkte eine weitere Bereinigung der Marktstrukturen. Da Strom zu einem preiswerten Massenartikel geworden sei, komme der Größe der Unternehmen entscheidende Bedeutung zu. "Die Mehrheit an der HEW ist ein wichtiger Schritt zur Verwirklichung unserer Vision", sagte er.



Vattenfall und HEW wollen neuen Energiekonzern schmieden

Nächstes strategisches Ziel sei die Übernahme der Berliner Bewag, machten der Vattenfall-Chef und der HEW-Vorstandsvorsitzende Manfred Timm deutlich. "Wir wollen zur vierten Kraft auf dem deutschen Energiemarkt werden", sagte Josefsson. Bislang sind Eon, RWE und EnBW/EdF die drei großen Spieler in Deutschland. Vattenfall und HEW wollen nach dem Erwerb der Bewag mit den ostdeutschen Unternehmen Veag, Laubag und Mibrag einen neuen Konzern schmieden.

Die Bewag-Übernahme ist gegenwärtig juristisch und politisch blockiert, weil auch der amerikanische Konzern Southern die Mehrheit anstrebt und schon jetzt 26 % an der Bewag hält. "Wir reden seit zwei Wochen in konstruktiver Atmosphäre direkt mit Southern", sagte Timm. Bis zum 15. November müssen die Probleme gelöst sein, weil zu diesem Termin das Angebot für die Veag abgegeben werden muss. Die HEW werde nur ein Angebot abgeben, wenn sie bis dahin die Bewag- Mehrheit sicher haben, sagte Timm.



Neue Konzernstruktur sieht Holding mit Sitz in Berlin vor

Zu den bisherigen 25,1 % an der HEW übernimmt der staatliche schwedische Konzern nun Anteile von Eon (15,4 %), Sydkraft (21,8 %) und einer Investorengruppe (7,8 %). Außerdem habe Vattenfall bereits im ersten Halbjahr 1,1 % über die Börse gekauft, so dass sie jetzt 71,2 % an der HEW halte. Der Streubesitz ist von 11,5 auf 3,7 % gesunken.

Bei der Stadt Hamburg bleibt eine Sperrminorität von 25,1 % an der HEW mit einer zeitlich ungefristeten Verkaufsoption an Vattenfall. Josefsson sagte, sein Unternehmen wolle den Anteil der Stadt vorläufig nicht unbedingt kaufen. Timm erklärte, auch wenn die Übernahme der ostdeutschen Unternehmen gelänge, werde ein Großteil der rund 4 000 HEW- Beschäftigten wie bisher in Hamburg arbeiten. In der angestrebten neuen Konzernstruktur werde es eine Holding in Berlin mit 100 bis 120 Mitarbeitern geben, wo einige Zentralbereiche und der Vorstand der Holding angesiedelt sein werden.

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