Auf Konjunktur-Effekt müssen Investoren noch sechs bis acht Monate warten: Rentenexperten empfehlen mittlere Laufzeiten

Auf Konjunktur-Effekt müssen Investoren noch sechs bis acht Monate warten
Rentenexperten empfehlen mittlere Laufzeiten

An der Unlust privater Anleger, an der Börse zu investieren, wird die jüngste Leitzinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) nach Einschätzung von Marktkennern wenig ändern. Erst von weiteren Zinssenkungen, die die Mehrheit der Analysten erwartet, könnten Impulse für die Konjunktur und damit für die Anleger ausgehen.

Reuters FRANKFURT. Auf einen Konjunktur-Effekt müssten Investoren allerdings noch sechs bis acht Monate warten. Solange empfehlen Anlageberater eine selektive Auswahl, so genanntes Stock-Picking, unter Standardwerten am Aktienmarkt sowie kürzere bis mittlere Laufzeiten bei Engagements in Rentenpapieren.

"Wir gehen davon aus, dass sich die Erholung nach hinten verschiebt", sagt Peter Orf, Aktienexperte bei der HypoVereinsbank. Die Entwicklung in Europa hinke der in den USA hinterher. Dort gebe es nach drei Zinssenkungen in Folge in einigen Bereichen wie in der Halbleiterbranche Anzeichen für eine positive Entwicklung. Den Horizont für eine Konjunkturbesserung in Europa sieht Orf bei sechs bis acht Monaten. Auch für das kommende Jahr erwartet er für die Märkte in Deutschland wieder ein höheres Kursniveau: "Allerdings bei nach wie vor hoher Schwankungsanfälligkeit."

Rentenexperten raten von dem Hintergrund der Zinsprognose - 23 von 25 Analysten erwarten nach einer Reuters-Umfrage mindestens eine weitere Rücknahme der Zinsen um 25 Basispunkte - zu mittelfristigen Engagements. "Wer jetzt Geld in Renten anlegen will, der ist mit Laufzeiten im Bereich von fünf Jahren noch gut aufgehoben", sagt Steffen Schiedewitz von der Commerzbank. Laufzeiten von vier Jahren empfiehlt Hartmut Preis von der DG-Bank. Kürzere Laufzeiten seien ebenfalls gut: "Das Zinsänderungsrisiko und damit das Risiko für Kursschwankungen nimmt ab und die Erträge sind auch nicht viel schlechter."

"Für das lange Ende (die langfristigen fest verzinslichen Anleihen) ist die Annahme, dass die Konjunktur durch Zinssenkungen wieder in Tritt kommt, eher negativ, denn wir erwarten eine flache Zinskurve", sagt der Anlagestratege Preis. Eine flache Zinskurve bedeute für Anleger, lange Laufzeiten von sechs bis zehn Jahren zu meiden, da die Renditewartung niedrig sei. "Das kurze Ende dagegen hängt eher vom EZB Leitzins ab und kann profitieren", sagt Preis.

Anleger, die augenblicklich ihre Strategie überdenken, sollten darauf achten, dass sie sich nicht zu lange festlegten, begründen die Anlageberater ihre Empfehlungen für mittelfristige Engagements. Matthias Oelze, Rentenexperte der HypoVereinsbank, rät Investoren trotz der Prognose für sinkende Zinsen, sich auch das gegenteilige Szenario vorzustellen. "Wir raten zu mittelfristigen Laufzeiten von vier bis fünf Jahren, weil unsicher ist, wie die Entwicklung weitergeht. Wenn der Zins wieder hoch geht, sollte das Geld nicht zu lange gebunden sein."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%