Auf mittlere Sicht soll auch Degussa abgestoßen werden
Eon verkündet mit Offerte für Powergen Abschied von Chemiesparte

Der deutsche Eon-Konzern hat ein milliardenschweres Übernahmeangebot für den britischen Gas- und Stromversorger Powergen vorgelegt und wird sich künftig ganz auf sein Energiegeschäft konzentrieren. Eon-Vorstandschef Ulrich Hartmann will dem Unternehmen auch im US-Markt zu einer führenden Rolle verhelfen. Dem Ausbau des Energiegeschäftes steht ein Rückzug aus anderen Geschäftszweigen gegenüber.

afp/rtr DÜSSELDORF. Wie das zweitgrößte deutsche Energieunternehmen am Montag in Düsseldorf mitteilte, bietet es den Powergen-Aktionären 765 Pence (12,19 ?/23,84 DM) pro Aktie. Der Kaufpreis für 100 % des britischen Unternehmens betrage damit 8,2 Mrd. ? (16,03 Mrd. DM), einschließlich Schulden 15,3 Mrd. ? (29,9 Miliarden Mark). Eon habe gleichzeitig entschieden, "alle Aktivitäten außerhalb des Energiedienstleistungsgeschäfts abzugeben". Damit werde sich das deutsche Unternehmen Eon mittelfristig auch von der Chemie-Tochter Degussa trennen.

Auch nach der Übernahme des britischen Versorgers wolle Eon seine internationale Expansion zügig fortsetzen, hieß es. Die US-amerikanische Powergen-Tochter LG&E stelle dabei nur einen ersten Schritt auf dem US-Markt dar, dem weitere folgen würden. "Unser Ziel ist es, auf dem amerikanischen Markt eine führende Rolle einzunehmen", erklärte Eon-Vorstandschef Ulrich Hartmann.
Zuletzt hatte Hartmann erklärt, die "Kriegskasse" des Konzerns sei mit einem zweistelligen Milliarden-Euro-Betrag gefüllt. Finanzexperten beziffern den Finanzierungsspielraum von Eon auf 30 bis 40 Mrd. Euro.

Das Angebot der Powergen Aktionäre steht laut Eon unter dem Vorbehalt, dass die Wettbewerbsbehörden in Großbritannien, den USA und der EU-Kommission der Übernahme zustimmen. Eon hofft, dass die Behörden die Übername bis Ende des Jahres genehmigen. Die Übernahme von Powergen könne dann voraussichtlich im Frühjahr 2002 abgeschlossen werden. Die Powergen-Führung habe das bedingte Angebot bereits begrüßt und werde den Aktionären empfehlen, die endgültige Offerte anzunehmen, erklärte die aus den beiden Energiekonzernen Veba und Viag entstandene Eon weiter. Dem Düsseldorfer Konzern zufolge entspricht der Preis für Powergen einem Aufschlag von 8,4 % im Vergleich zum Schlusskurs vom vergangenen Freitag.

Auch RWE war als Interessent genannt worden

Eon hatte im Januar Gespräche mit Powergen bestätigt. Powergen zählt mit mehr als drei Mill. Stromkunden zu den führenden britischen Energieunternehmen und bietet unter anderem ein eigenständiges Telefon-Festnetz an. Gerüchte um eine Übernahme von Powergen hatte es in den vergangenen Monaten mehrfach gegeben; unter den genannten Interessenten war auch der Essener RWE-Konzern als die schärfste inländische Eon-Konkurrentin.

Eon werde sich wie geplant von VAW Aluminium, Klöckner & Co, Stinnes, MEMC und Veba Oel trennen, erklärte das Unternehmen weiter. Auch Viterra und Degussa würden mittelfristig vollständig abgegeben. Der weltweit führende Spezialchemiehersteller Degussa war Anfang des Jahres aus den beiden Chemiekonzernen Degussa-Hüls und SKW-Trostberg entstanden. Die Eon-Vorläufer Veba und Viag waren zuvor Großaktionäre beider Einzelunternehmen gewesen.

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