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Auf Nulllinie

Formal sind sie wieder quitt, unsere beiden großen Volksparteien. Die CDU hat ihr Fett wegbekommen, als das Oberverwaltungsgericht in Berlin jetzt die 21 Millionen Euro Strafe wegen des Spendenskandals für rechtmäßig erklärte. Die SPD hat ebenfalls mehr als nur eine Beule hinnehmen müssen, seit sich zwei ihrer politischen Führungskräfte in diesen Tagen wegen des Kölner Klüngels vor dem Haftrichter einfinden mussten. Damit kann dann der Wahlkampf eigentlich weitergehen. Auf Augenhöhe sozusagen, wobei sich das Niveau gefährlich der Nulllinie nähert. Aber das ist nicht wirklich etwas neues.

Neu dagegen ist, dass trotz richterlichen Eingreifens jetzt die gleichen Figuren an vorderster Stelle weiterwurschteln, auf die in den jeweiligen Spendenaffären ein Zwielicht gefallen ist. Die CDU tritt an mit einem Schattenkabinett der alten Männer, von denen sich viele bereits in der Regierung Kohl als Minister versuchen durften. So ist Wolfgang Schäuble auch als Außen- und Sicherheitspolitiker sicher ein brillanter Kopf. Nur hatte ihn ausgerechnet die Spendenaffäre einst sein Amt als Parteivorsitzender gekostet. Auch SPD-Generalsekretär Franz Münterfering mag als Mann fürs Grobe und Wortführer der Kampa einen ordentlichen Job machen. Nur hat sich ausgerechnet unter seiner Ägide als SPD-Chef in Nordrhein-Westfalen der Kölner Skandal so richtig schön entwickeln können. Auch wenn sich die Waage im Spendenskandal nun also zu keiner Seite neigt, ist die Last, die auf den Schalen liegt, erdrückend. So lange jedoch nur abgehalftertes Personal zur Wahl steht, wird sich daran nichts ändern.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
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