Auf Reaktion der US-Sportgerichte wird mit Spannung gewartet
Aus Gold wird Altmetall

Am Mittwoch wurde bei einer Razzia die Kundenliste des mutmaßlichen THG-Herstellers Balco sichergestellt. Vielen Medaillengewinnern der Leichtathletik-WM in Paris droht die nachträgliche Disqualifikation.

BERLIN. Dwain Chambers hockte verkrampft auf einem Barhocker. Scheinwerfer leuchteten ihn aus, Kameras fingen jede Bewegung ein, er war hier der Stargast, präsentiert von seinem Sponsor, für ihn hatten sie eine Bühne aufgebaut in diesem Bürohaus in Paris. Vor ihm saßen im vergangenen August diese ganzen Journalisten, und die notierten, wie der britische Starsprinter nuschelte: "Ich will Weltmeister über 100 Meter werden."

Er wurde dann aber nur Vierter bei der WM in Paris, und sein Auftritt vor dem Start wirkt im Nachinein so, als hätte der 9,87-Sekunden-Läufer schon da gewusst, welche Probleme ihn noch erwarten würden. Denn 100-m-Europameister Dwain Chambers sei in der A-Probe positiv auf das neue Designer-Steroid THG getestet worden, schrieb gestern die Londoner Tageszeitung "The Guardian". Ein Brite also, bisher wurden nur von US-Athleten positive A-Proben gezogen. Ein Name wurde bislang öffentlich: Kevin Toth, WM-Vierter im Kugelstoßen. Chambers hat bei der WM keine Medaille gewonnen, ihm kann man also nachträglich keine abnehmen. Aber dafür anderen, erfolgreicheren Stars. Der Welt-Leichtathletik-Verband IAAF will nachträglich 400 Proben, die bei der WM genommen wurden, auf THG prüfen.

Und wenn nun THG gefunden wird bei Medaillengewinnern? "Dann wird dem Betroffenen nachträglich die Medaille aberkannt", sagt Tanja Haug, die Justiziarin des Deutschen Leichtathletik-Verbands (DLV). "Das Ganze gilt dann als positive Probe." Und auf die stehen zwei Jahre Sperre sowie Annulierung aller Wettkampfergebnisse seit Abgabe der Probe. Dann schieben sich die nächstfolgenden Athleten auf die Medaillenränge - sofern sie nicht selbst noch als THG-Konsumenten auffallen. Bei der WM wurden nicht nur alle Medaillengewinner getestet, mit einem Zufallsgenerator wurden zudem weitere Finalteilnehmer zum Dopingtest ausgewählt. Die USA haben 20 WM-Medaillen gewonnen, und nun steht zu erwarten, dass diverse US-Sieger als Dopingsünder auffliegen. Vielleicht kommt Deutschland auf diesem Umweg noch zu einer zusätzlichen WM-Medaille.

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