Auf Schloss Hansenberg im Rheingau entsteht Internatsschule
Eliteschule für jedermann

Erstmals in Deutschland bindet ein Bundesland jetzt Wirtschaftsunternehmen und Hochschulen bei der Finanzierung und Ausbildung von Schülern ein: Am 12. September wird im hessischen Geisenheim der Grundstein für die "Internatsschule Schloss Hansenberg" gelegt.

ddp GEISENHEIM. "Elite" war lange Zeit verpönt. Als theoretischer Popanz hat der Begriff in der Tat ausgedient. Doch angesichts steigender Anforderungen im In- und Ausland wird zunehmend auf Leistung Wert gelegt. Das gilt vor allem für den Bildungsbereich.

Wer bislang seine begabten und leistungswilligen Kinder auf Eliteinternaten wie Schloss Salem in Baden-Württemberg fördern wollte, musste viel Geld haben. Diese soziale Schranke soll nun fallen. Jeder kluge und ambitionierte Schüler solle die Chance bekommen, ohne eigene Mittel in einem Eliteinternat eine exquisite Bildung zu erhalten, formulierte Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) die Idee der Schule. Ab 2003 sollen "die erfolgreichsten Schüler Hessens" in Schloss Hansenberg lernen. 22 Millionen Euro lässt sich das Land den Aufbau der Internatsschule kosten.

"Wir wollen jungen Menschen die Chance geben, im Kreis von Gleichaltrigen und Gleichneugierigen mehr und schneller zu lernen", nannte Kultusministerin Karin Wolff (CDU) den Anspruch an die neue Bildungseinrichtung. Die Intentionen der Wirtschaft machte Dresdner Bank-Vorstandschef Bernd Fahrholz deutlich, dessen Haus das Projekt unterstützt: "Hansenberg steht für die Überwindung alter schulpolitischer Beschränkungen und ideologischer Vorurteile, wenn es um Leistung und das Verhältnis zwischen Schule und Wirtschaft geht." Die Dresdner Bank und die Frankfurter Firma Altana steuern jährlich je eine halbe Million Euro für den Etat der Schule bei. Der Rest kommt vom Land Hessen.

Noch während des neunten Schuljahres können sich Schüler aus Hessen, aber auch aus anderen Bundesländern sowie aus dem Ausland für Schloss Hansenberg bewerben. In der Schule setzt der Unterricht mit der 11. Klasse ein. Dadurch sparen sich die Schüler ein Jahr. Der Lehrplan ist vielseitig und praxisnah zugleich. Schwerpunkte sind Mathematik und Naturwissenschaften sowie Politik und Wirtschaft. Zum Pflichtprogramm sollen nach dem Willen der Landesregierung Deutsch, zwei Fremdsprachen und Informatik gehören. Musisch-kreative Angebote werden das Unterrichtsangebot ergänzen. Hinzu kommen Praktika in der Wirtschaft, Auslandsaufenthalte und regelmäßige Kolloquien mit Wissenschaftlern und Vertretern der Wirtschaft.

Gleichzeitig sollen Kreativität und soziales Verhalten gefördert werden. Die Schüler werden daher auch gesellschaftliche Aufgaben außerhalb des Internats übernehmen, in dem rund 90 Prozent von ihnen leben werden. Auch einige Lehrer werden auf dem Schulgelände wohnen. Nach Wolffs Worten soll es auf Schloss Hansenberg nicht nur um gemeinsames Lernen, sondern auch um gemeinsames Leben gehen.

Hansenberg im Rheingau ist für die geplante Eliteschule ein symbolträchtiger Ort. Das Schlösschen wurde 1824 von Johannes de Laspée erbaut. Der Pädagoge war ein Schüler des berühmten Schweizer Erziehers Johann Heinrich Pestalozzi. Der Schulbetrieb soll bereits im Herbst nächsten Jahres beginnen - zunächst mit drei Klassen und 60 Schülern. Im vollen Betrieb wird das Internat rund 220 Schüler beherbergen.

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