„Auf See kocht es sich schlechter“
Sterne an Bord

Der Gault Millau erklärt, warum die Kreuzschifffahrt trotz Aufwand und Geschmacksrisiko einen offensichtlich unwiderstehlichen Reiz auf prominente Köche ausübt: "die Schwierigkeit der Aufgabe". Harald Wohlfahrt sagt es in einem Wort: "Egobefriedigung".

In Zeiten von BSE und Hühnergrippe erweist sich der ansonsten größte Makel der Kreuzfahrerei - das Fehlen frischer Lebensmittel -, als deren größte Stärke. Mit mehr als 20 000 Artikeln an Bord ist die "Europa" autark gegenüber jedweder äußeren Bedrohung. Frisch eingekauft werden lediglich Obst, Gemüse und Fisch. Die Hapag-Lloyd - "Sea Chefs" kalkulieren für eine Reise von zehn Tagen mit rund 1 200 Austern, 24 Kilo Kaviar, 380 Kilo Hummer, 720 Flaschen Champagner und 7 550 Eiern.

"Die Standardausrüstung reicht für gute zehn Wochen", erläutert Qualitätsmanager Axel Gohlke. Gedacht wird an alles, vom Schwertfisch bis zum "Kracher Grand Cru", einer neuen Schimmelkäsekreation, die ihre Reife in mit Eiswein getränkten Tüchern erreicht hat. Sollte doch mal etwas fehlen, "wird es zur Not eingeflogen". Sterneköche werden schon mal erfinderisch: "Ich habe zweieinhalb Kilo Trüffel eingeschmuggelt", gesteht Wohlfahrt nach seinem Trip in die Südsee, wo "streng, streng kontrolliert" wird.

Die Ausflüge der Küchenmeister auf erlesene Kreuzfahrt-Planken haben Tradition. In den 90er-Jahren versuchte sich Kochgott Paul Bocuse in Sachen Cruise- Cuisine. Es begann mit einer Unterschrift unter einen Beratervertrag bei der für ihren Luxus berühmten Royal Viking Line. Alsbald plante der umtriebige Franzose ein separates, von ihm geführtes Feinschmecker-Restaurant an Bord der "Royal Viking Sun". Doch die Zusammenarbeit mit Big Bocuse endete jäh, weil seine gesalzenen Preise der inzwischen abgesoffenen Reederei schlichtweg nicht schmeckten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%