Auf- und Absteiger im Dax
Das große Stühlerücken kommt im August

Klar war, dass MLP noch eine Chance im Dax bekommen würde - Klar ist, dass die nächste Dax-Entscheidung anders laufen wird.

QSC ersetzt ab dem 23. Juni Umweltkontor im Nemax 50. Das dürfte zwar nur wenige Anleger interessieren. Doch war dies die einzige Umbesetzung in den deutschen Aktienindizes, die die Deutsche Börse Ende vergangener Woche bekannt gab. MLP gehört also weiterhin dem Deutschen Aktienindex (Dax) an, Beiersdorf und T-Online sind wieder mal mit dem Versuch gescheitert, unter die deutschen Top 30 zu gelangen. Experten haben nichts anderes erwartet.

Das dürfte sich bei der nächsten Entscheidung am 19. August ändern. Der Hauptgrund: In einem Vierteljahr steht die jährliche große Index-Überprüfung an, bei der die regulären Regeln greifen. In der vergangenen Woche wurde lediglich außerhalb der Reihe überprüft, ob es zwischendurch bei Einzelwerten zu starke Abweichungen bei den beiden entscheidenden Kriterien Börsenumsatz oder Marktkapitalisierung gab. Die fanden sich im Dax einzig bei MLP. Das könnte nach derzeitigem Stand auch im August so sein.

Gut möglich aber auch, dass dann noch weitere Kandidaten hinzukommen. Denn bei der nächsten Entscheidung werden die Zügel für die Dax-Zugehörigkeit gehörig angezogen. Notwendig für die Qualifikation sind dann bei Börsenumsatz und Marktkapitalisierung mindestens Platz 35. Wer eines von beiden Kriterien verfehlt, läuft Gefahr, den Dax-Platz zu verlieren. Insofern dürfen Fresenius Medical Care (Marktkapitalisierung 33/Börsenumsatz 28), Tui (31/30) und MAN (30/32) zumindest als gefährdet gelten. Auf der Gegenseite steht neben Beiersdorf und T-Online noch Continental als Aufrücker zur Debatte.

Apropos Beiersdorf: Die Hamburger sind nun zum x-ten Mal an der Dax-Aufnahme gescheitert. "Die schaffen es nie", heißt es inzwischen unter Händlern. Jedenfalls nicht, solange das Unternehmen als Übernahmekandidat in den Medien ist. Erst am Freitag wurde mit Henkel ein neuer Interessent ins Spiel gebracht. T-Online als zweiter Kandidat leidet hingegen unter den geringen Anteil frei handelbarer Aktien ("free float") von unter 20 %. Das dürfte auch in Zukunft so bleiben, da die Mutter Deutsche Telekom signalisiert hat, sich keinesfalls von Anteilen trennen zu wollen. Schon jetzt setzen deshalb viele Experten Hoffnung auf Continental. Der Reifen-Hersteller kann über die Sorgen der Konkurrenz nur milde lächeln und entspräche auch den Kriterien von Seriosität und Kontinuität, die die Deutsche Börse gerne in ihren Indizes vereint.

Mindestens genauso spannend wie im Dax wird das Stühlerücken bei den unterhalb davon angesiedelten Indizes MDax und TecDax. Gut möglich, dass sich in zwei Jahren nur noch die Hälfte der Unternehmen, die beim Start im März dabei waren, dort wiederfinden. Die spürbare Konsolidierung am Markt mit Fusionen, Übernahmen und Insolvenzen sorgt für Bewegung. Das schlug sich bereits jetzt im Umgang der Deutschen Börse mit den Übernahmekandidaten Buderus (durch Bosch) und Wella (durch Procter & Gamble) nieder. Falls hier der Festbesitz auf über 95 % steigt, rückt zuerst aus dem SDax der Optiker Fielmann nach, anschließend die Indus Holding. Für die kämen dann wiederum die Deutsche Euroshop und Leifheit in den SDax. Schlecht bestellt ist es nach derzeitigem Stand auch um die MDax-Ambitionen von Teleplan. Der niederländische Reparatur-Dienstleister hat zuletzt zu stark an Wert verloren.

Doch zurück zu MLP: Spannender als alle Spekulation über Auf und Ab ist, mit welchen Unternehmen der Börsenwert des Finanzdienstleister inzwischen vergleichbar ist: Da steht Medion acht Plätze vor MLP, Singulus zwei Plätze dahinter. Beide Unternehmen waren vorher am Neuen Markt notiert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%