Auf Verstärkung gewartet
Polizisten wegen Untätigkeit verurteilt

Zwei Polizisten sind am Donnerstag vom Berliner Amtsgericht Tiergarten wegen Untätigkeit bei einem Raubüberfall auf eine 54-jährige Gastwirtin verurteilt worden.

dpa BERLIN. Die Angeklagten, die im Juni 1998 vor dem Lokal auf Verstärkung gewartet hatten, erhielten acht Monate Haft mit Bewährung beziehungsweise 3 150 Euro Geldstrafe. Zwei Kollegen wurden freigesprochen. Die Wirtin ist nach schweren Misshandlungen bis heute behindert. Der Richter sprach von einem chaotischen Einsatz mit überforderten Polizisten. Bis zur Festnahme der beiden Räuber waren 18 Beamte vor Ort.

Von allen Beamten habe es schließlich zwei getroffen, sagte der Richter. Im Gegensatz zu den übrigen Kollegen sei allein ihnen nachgewiesen worden, dass sie das Stöhnen der Frau vernommen hätten. "Sie gingen davon aus, dass die Wirtin misshandelt wird und entschlossen sich untätig, das Eintreffen eines Sondereinsatzkommandos abzuwarten", sagtet der Richter. Der mit 40 Jahren dienstälteste Polizist erhielt acht Monate Haft mit Bewährung. Sein 28-jähriger Kollege muss die Geldstrafe zahlen.

Die Wirtin wurde mit einem Schädelbruch, Hirnblutungen und einer Nierenquetschung lebensgefährlich verletzt und lag lange im Koma. Weil nicht auszuschließen sei, dass die Misshandlungen schon vor Eintreffen der Polizei geschehen sind, müssen sich die Beamten die Folgen für die Frau nicht zurechnen lassen. Alle Verteidiger hatten auf Freisprüche plädiert. Der Staatsanwalt verlangte für alle Bewährungsstrafen zwischen drei und zwölf Monaten.

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