Auf Warnsignale achten
Ein Blick in die Bilanz ist bares Geld wert

Die Saison der Jahresabschlüsse hat begonnen. In dieser Woche präsentieren unter anderem Escada, Hochtief und die Allianz ihre Zahlen. Firmenbilanzen sind zwar transparenter geworden, legale Tricks, ein Unternehmen rosiger darzustellen als es ist, gibt es aber immer noch.

DÜSSELDORF. "In Deutschland gibt es viele Enrons, es ist nur noch nichts passiert", lautet die düstere Vermutung von Reinhild Keitel, Vorstandsmitglied der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre. Wie im Fall von Enron kann eine Firma etwa ihre Eigenkapitalquote (Quotient aus Eigenkapital und Gesamtkapital) aufpolieren, indem es eine Zweckgesellschaft gründet, die nicht in den Konsolidierungsbereich des Unternehmens fällt und damit auch nicht in der Bilanz auftaucht. In solch einer Tochterfirma, beispielsweise eine Leasinggesellschaft, lassen sich dann vor den Aktionären Verbindlichkeiten verstecken.

Die Eigenkapitalquote und der Verschuldungsgrad (Quotient aus Fremdkapital und Eigenkapital) sind vor allem in einer Rezession wichtige Indikatoren zur Beurteilung der wirtschaftlichen Lage eines Unternehmens. Je höher der Eigenkapitalanteil, desto solider ist die Firma. Bei einem hohen Fremdkapitalanteil ist die Gefahr einer Insolvenz durch Überschuldung umso höher. "Die Eigenkapitalquote ist von Branche zu Branche sehr unterschiedlich. Ein Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes etwa sollte einen Eigenkapitalanteil von mindestens 25 % aufweisen, um eventuelle Verluste abfangen zu können", sagt Jörg Baetge, Professor für Wirtschaftsprüfung an der Universität Münster.

Liquidität ist wichtig

Ob ein Unternehmen seinen Zahlungsverpflichtungen gegenüber Mitarbeitern oder Banken nachkommen kann, lässt sich durch einen Blick auf die Kapitalflussrechnung beantworten. "Gerade bei einigen Unternehmen am Neuen Markt ist die Liquidität ein wichtiges Kriterium", sagt Stefan Bischof, Wirtschaftsprüfer bei Ernst & Young.

"Die wichtigsten Informationen findet man im Anhang", glaubt Jörg Baetge von der Universität Münster. Wenn ein Wechsel der Bilanzierungs- oder Bewertungsmethode vorgenommen wird, muss dies im Anhang erklärt werden. Durch die Verkürzung der Abschreibungsdauer oder die Erhöhung der Abschreibungsquote kann sich ein Unternehmen erheblich besser oder schlechter darstellen.

Ein Trend aus der New Economy ist die Veröffentlichung des EBIT (Gewinn vor Steuern und Zinsen) und des EBITDA (Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen). "Dadurch versuchen die Unternehmen, ihren Jahresüberschuss oder Jahresfehlbetrag ein wenig zu bereinigen", sagt Revisionsexperte Baetge. Auch Stefan Bischof, von Ernst & Young ist bei diesen Kennzahlen ein wenig skeptisch: "Am Ende vom Tag müssen auch Zinsen und Abschreibungen verdient werden". Je mehr Posten ausgeklammert würden, desto überbewerteter sei die Zahl. Schließlich käme es darauf an, dass unterm Strich ein positiver Betrag stehe.

Auf jeden Fall sollte der Geschäftsbericht bis zur letzten Seite gelesen werden. Warnsignale können auch im Vermerk des Wirtschaftsprüfers gefunden werden. Verweist der auf den Risikobericht des Vorstands - er ist Teil des Lageberichts - dann weiß man, dass es der Firma nicht gut geht. "Im letzten Bestätigungsvermerk von KPMG wurde deutlich auf den kritischen Risikobericht von Holzmann hingewiesen. Da stand ganz klar drin, was bei Holzmann alles im Argen lag", erinnert sich Beatge.

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