Aufarbeitung ist wichtig
Kündigung: Nüchterne Bestandsaufnahme hilft bei der Verarbeitung

Das Wie bestimmt das Bewusstsein. Je weniger ein Betroffener weiß und versteht, warum ihm gekündigt wurde, desto intensiver wird er mit seinem Schicksal hadern. Besonders hart trifft die Kündigung Führungskräfte mit überdurchschnittlichem Pflichtbewusstsein, sehr ehrgeizige Mitarbeiter und die, die nie etwas anderes als Arbeit kannten.

Sind durch eine Kündigung erst einmal die elementaren persönlichen Wertmaßstäbe angeknackst, kann es unerwartete und ungewohnte psychische und auch physische Reaktionen geben. Bringen Familienmitglieder aus Besorgnis um das eigene Schicksal wenig Verständnis auf oder machen dem Gekündigten gar Vorwürfe, wird das Gefühl des Versagens bei vielen Betroffenen so intensiv, dass es jeglichen Optimismus und damit jede Initiative bremst. Vielfach entwickelt sich eine Kündigung sogar zum ungewollten Prüfstein in einer Partnerbeziehung.

Der Kopf ist in der ersten Zeit nach der Kündigung ohnehin voll auf Beruf programmiert und widersteht in aller Regel hartnäckig den eigenen oder familiären Überredungskünsten, aktiv zu werden. Es bringt keine Freude, endlich einmal länger schlafen oder den Tag vertrödeln zu dürfen. Doch es gibt für das ohnehin angeknackste Gefühlsleben nichts Schlimmeres, als im Bett zu bleiben, weil man ja nichts Besseres zu tun hat, oder stundenlang im Bademantel oder Jogginganzug die Zeitung zu lesen. Zu irgendeinem Zeitpunkt, und sei es durch den etwas irritierten Gesichtsausdruck des Postboten, dem man um 11 Uhr unrasiert die Tür öffnet, wird einem bewusst, in welcher außergewöhnlichen Situation man sich befindet.

Mitleid bringen Betroffene nicht weiter

Neben den fragenden Blicken der Nachbarn sind da noch die Freunde, die sich dadurch auszeichnen, dass sie tiefes Verständnis äußern und auf den Arbeitgeber schimpfen. Abgesehen davon, dass sich der eine oder andere in seinem Schmerz sehr verstanden fühlt, bringen Mitleidssätze einen nicht weiter.

Panikgefühle - meist diffus und unkonkret - können über eine nüchterne Bestandsaufnahme und Fakten weitaus besser bekämpft werden als über tröstende Worte. Vielfach kreist die Angst um die finanzielle Sicherung, ein Punkt, der zwangsläufig bei den Positionen mit den niedrigeren Einkommen oder bei fehlender Abfindung einen höheren Stellenwert hat. Existieren über die übrigen fixen Kosten hinausgehende finanzielle Verpflichtungen wie die Hypotheken für das Eigenheim oder die Kosten für Ausbildung der Kinder, hilft es meist schon, Ordnung in seine Finanzen zu bringen. Beruhigend kann eine Bestandsaufnahme dessen sein, was wirklich an Geld benötigt wird (meistens übrigens weniger als vermutet) oder ein Gespräch mit der Hausbank.

Die denkbare Bandbreite der Gefühle ergibt sich auch aus der Art und Weise, wie der Gekündigte bisher mit Niederlagen umgegangen ist. Nach einer anfänglichen und erlaubten Phase der Trauer muss sich der Gekündigte Klarheit über seinen Gefühlshaushalt verschaffen. Wut, Ohnmacht, Enttäuschung, angekratztes Selbstbewusstsein und massiv gestörtes Gerechtigkeitsempfinden müssen abgearbeitet und durchlitten werden. Entscheidend ist, was danach passiert: Bleibt jemand in diesem Beleidigtenzustand und sieht sich auf Dauer als ungerecht Verfolgter, oder schafft er es in absehbarer Zeit, diese Gefühle zu kontrollieren und hinter sich zu lassen?

Gekündigte brauchen früher oder später jemanden zum Reden

Ernüchterung und Panik setzen mit einiger zeitlicher Verzögerung ein. Dann braucht der Gekündigte jemanden zum Reden. Die Vereinsamung im Job ist hinderlich, vertraute Kollegen gibt es selten, aber ohne Gespräche kommt die Heilung nicht in Gang.

Lässt es sich nicht einrichten, dass eine Vertrauensperson sowohl den Beruf fachlich beurteilen als auch seelischen Beistand leisten kann, gibt es zwei Alternativen: Entweder Sie haben für die jeweiligen Erfordernisse jeweils andere Personen und Gesprächspartner. Oder Sie bedienen sich professioneller, sorgfältig ausgewählter und geprüfter Hilfe.

In beiden Varianten gehen Sie nach einigen Gesprächsrunden gestärkt zum Vorstellungstemin. Zumindest anfangs bringt dort relative Ehrlichkeit, was die eigenen Gefühle und Stimmungen betrifft, am meisten. Eine konkrete Anwort in einem Vorstellungsgespräch könnte sein: "Zurzeit geht es mir zugegebenermaßen noch nicht ganz so berauschend, aber einige Aktionen, die ich in letzter Zeit unternommen habe, sehen ganz vielversprechend aus."

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