Aufatmen in Kirchs Sportsparte – Liga-Gesellschaft soll sich am Sender beteiligen
Bundesligarechte helfen DSF über die Runden

Das defizitäre Deutsche Sportfernsehen (DSF) wird überleben. Mit der Vergabe der Fußball-Bundesligarechte an die insolvente Kirch Media ist die Zukunft des Münchener Spartenkanals und des Übertragungsdienstleisters Plaza Media gesichert. "Das ist der Befreiungsschlag", erklärt DSF-Chef Stefan Ziffzer erleichtert.

MÜNCHEN/DÜSSELDORF. Nach Wochen des Zitterns können die Mitarbeiter von Kirchs Sportsparte durchatmen: Weil sich die insolvente Kirch Media die Rechte an der Fußballbundesliga sicherte, bleibt dem Deutschen Sportfernsehen (DSF) und dem Übertragungs-Dienstleister Plaza Media ein weiterer Arbeitsplatzabbau erspart. "Damit sind auf einem Schlag 600 Arbeitsplätze gesichert worden", sagte DSF-Geschäftsführer Stefan Ziffzer am Montag dem Handelsblatt. Das defizitäre DSF, das komplett der Kirch Media gehört, hatte erst im Mai mehr als einem Viertel seiner Belegschaft gekündigt. Derzeit zählt der Sender nur noch knapp über 300 Mitarbeiter. "Es wird aus jetziger Sicht keinen weiteren Arbeitsplatzabbau mehr geben", erklärte am Montag Senderchef Ziffzer.

"Ohne die Rechte hätten wir uns nochmals von Leuten trennen müssen," bestätigte auch ein Sprecher von Plaza Media. Die Münchener liefern sämtliche Bilder aus den Bundesliga-Stadien. Darüber hinaus kümmern sich die Spezialisten auch um die komplizierten Konferenz-Schaltungen im Bezahlfernsehen Premiere.

Das 1993 gegründete DSF, hofft als Tochter der Kirch Media darauf, dass die Deutsche Fußball-Liga GmbH (DFL) Gesellschafter wird. In der Kirch Media, der Kerngesellschaft der schwer angeschlagenen Kirch-Gruppe, sind Fernsehsender, der Flimrechtehandel und das Filmproduktionsgeschäft gebündelt.

Bei der Vergabe der TV-Rechte an der Bundesliga hatte die DFL, die Vermarktungsgesellschaft der Bundesliga-Clubs, vorigen Freitag von Kirch Media die Möglichkeit erhalten, eine Sperrminorität von 25,1 % am DSF zu erwerben. "Ein Spartensender im Sportbereich kann von der DFL als Partner nur profitieren", betonte Ziffzer. Zuletzt hatte die DFL wiederholt gedroht, einen eigenen Fußballsender auf die Beine zu stellen. Durch eine Beteiligung am DSF würden diese Pläne überflüssig. Denn über eine Sperrminorität ließen sich die Interessen des Clubs schnell und effektiv umsetzen. Ziffzer sprach von einer "nahezu perfekten Kombination". Der Sportkanal, der eine durchschnittlichen Zuschauerquote von 1,8 % erreicht, verwertet die Bundesligarechte nach Sat1, ARD und ZDF. Aus der 1. Bundesliga werden 90 Minuten gezeigt. Aus der wenig publikumsträchtigen 2. Liga rund 200 Minuten.

Wie aus Kirch-Kreisen zu erfahren war, erhält die DFL bald Gelegenheit, beim DSF in die Bücher zu sehen. Bewertungsgutachten sollen bereits vorliegen. Für 2002 erwartet das DSF noch einen Verlust im einstelligen Millionen-Euro-Bereich. Der 50-jährige Senderchef Ziffzer gab sich optimistisch: "Im nächsten Jahr werden wir erstmals schwarze Zahlen erzielen."

Bei Plaza Media werde sich am beschlossenen Abbau von 68 der früher 320 Stellen nichts mehr ändern, betonte ein Unternehmenssprecher. Plaza Media werde sich bemühen, vermehrt Kunden außerhalb der Kirch-Gruppe zu gewinnen. Experten halten dies allerdings für schwierig. Ursprünglich hatte Kirch das Unternehmen gegründet, um Sportübertragungen für die eigenen Sender zu produzieren. So erzielt die Firma den überwiegenden Teil ihrer Umsätze auch innerhalb des Konzerns. Plaza Media gehört derzeit noch zu 100 % dem DSF, könnte jedoch bald direkt zur Mutter Kirch Media wechseln. Eine Entscheidung darüber soll in den nächsten Tagen fallen.

Offen ist noch, ob die Fußball-Berichterstattung in der kommenden Saison ähnlich aufwendig produziert wird wie bislang. Denn Georg Kofler, Chef des Bezahlfernsehens Premiere, muss kräftig sparen. So viel steht bei Plaza Media bereits fest: Die Einnahmen werden weit weniger üppig ausfallen als bisher.

Quelle: Handelsblatt

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