Aufbau der UMTS-Infrastruktur wird für die Netzbetreiber teuer
Standardisierung soll Kosten drücken

Während Finanzminister Hans Eichel die Erlöse aus der Versteigerung der UMTS-Frequenzen verteilt, ist die Mobilfunkbranche auf der Suche nach Möglichkeiten zur Einsparung von Betriebskosten. Ein gemeinsames Standardisierungsprojekt soll neue Wege aufzeigen.

HB. Die aktuelle Prognose des Marktforschungsinstituts Forrester Research sind düster: Lediglich fünf der heute 26 Mobilfunkanbieter in Europa werden das Jahr 2007 erleben. Sinkende, durchschnittliche Einnahmen pro Kunden und die ruinösen UMTS-Lizenzgebühren - so die Auguren - führen zur Flurbereinigung auf dem Mobilfunkmarkt. "An die kostspieligen UMTS-Versteigerungen wird sich die europäische Telekommunikationswirtschaft als den Auslöser einer Implosion erinnern", prophezeit Forrester-Analyst Lars Godell.

Denn neben den extrem hohen Gebühren für die UMTS-Lizenzen in zweistelliger Milliardenhöhe müssen die Netzbetreiber noch einmal beträchtliche Summen für den Aufbau der erforderlichen Infrastruktur der dritten Mobilfunkgeneration aufbringen. So veranschlagt T-Mobil zwischen 7,8 und 11,7 Mrd. DM, D2 Vodafone rechnet mit rund 10 Mrd., E-Plus hat 5,9 Mrd. DM bis zum Jahr 2005 eingeplant, und Mobilcom sieht im Business-Plan zwischen 9,8 und 11,7 Mrd. DM in den nächsten neun Jahren für den Netzaufbau vor. Newcomer Group 3G - ein Konsortium aus Telefónica und der finnischen Sonera - geht von notwendigen Investitionen in Deutschland zwischen 6 und 8 Mrd. DM aus. Da sich an diesen Ausgaben kaum etwas ändern lässt, suchen die Carrier zur Reduzierung der Gesamtkosten vor allem nach Möglichkeiten zur Senkung der Betriebsaufwendungen.

Doch das ist nicht so einfach. Denn um sich nicht von einem Anbieter abhängig zu machen, beauftragen die Telekommunikationsgesellschaften in der Regel mehrere Lieferanten. So hat D2 Vodafone beispielsweise bei Siemens und Ericsson jeweils in Höhe von 1 Mrd. DM UMTS-Equipment bestellt. "Auch in unserem bisherigen GSM-Netz wird bereits Technik von diesen beiden Herstellern eingesetzt", berichtet Ulrich Schroer, Mitarbeiter im Technischen Betrieb bei D2 Vodafone in Düsseldorf. Dabei tritt jedoch ein Problem auf, denn jeder Lieferant liefert zu seiner Hardware ein eigenes Überwachungssystem mit - den so genannten Netzelemente-Manager.

Weil es für das Netzwerkmanagement bisher kein übergreifendes Softwareprodukt gibt, müssen die Betreiber dieses Manko mit einem hohen Personaleinsatz in ihren Kontrollzentren und aufwendigen Integrationsanwendungen ausgleichen. Mit dem Aufbau der neuen High-Speed-Mobilfunknetze der dritten Generation wird sich diese Problematik noch weiter verschärfen.

Schroer: "Der Aufbau unseres neuen UMTS-Netzes beginnt in den Ballungsgebieten, und das GSM-Netz wird in den nächsten Jahren auch weiterhin funken, wir werden deshalb also über viele Jahre eine parallele Infrastruktur betreiben." Pro Monat - so die Statistik - gibt es schon heute in den großen deutschen Mobilfunknetzen an die 3 000 Änderungen. Denn die rapide wachsenden Teilnehmerzahlen, zusätzliche Services und neue Abrechnungsmodelle erfordern ständige Neukonfigurationen auf den verschiedenen Netzebenen.

"Mit der Hand und einfachen Hilfsmitteln - so wie bisher - ist das auf Dauer nicht mehr zu schaffen", weiß Dr. Volker Stingl, Leiter des Geschäftsbereichs Telco der Bull GmbH in Langen. Denn Änderungen der Netzparameter sind bereits heute schon sehr zeitaufwendig und oft fehlerbehaftet. Angesichts der wachsenden Komplexität benötigen alle Netzbetreiber einen möglichst durchgängigen automatisierten Workflow, der von der Konsistenzprüfung der Planungsdaten bis zur Einbringung der neuen Konfiguration in die einzelnen Netzelemente reicht.

Anfang des vorigen Jahres startete Mannesmann Mobilfunk deshalb im Rahmen des internationalen TeleManagement Forums (TMF) eine Initiative für ein so genanntes Catalyst-Projekt "Mobile Common Configuration Management" (MCCM), das die Schaffung eines gemeinsamen Standards, von entsprechenden Schnittstellen zu den Netzelemente-Managern der Lieferanten und von einheitlichen Objektmodellen zum Ziel hat.

"Da der Erfolg dieses Standards jedoch nur sichergestellt werden kann, wenn er von möglichst vielen Netzbetreibern genutzt wird, haben wir uns zur aktiven Unterstützung dieser Initiative entschlossen", ergänzt Michael Berberich, Projektleiter bei T-Mobil in Bonn.

Neben den beiden deutschen Carriern sind der Netzbetreiber Orange aus Großbritannien, die Systemintegratoren Bull, PSI und Compaq Computers, die Softwarehersteller Cramer Systems, Evidian und ILOG sowie die Techniklieferanten Ericsson, Motorola, Nokia, Siemens, Alcatel und Lucent an dem MCCM-Projekt beteiligt. "Wir programmieren darin allerdings keine Anwendungen oder Werkzeuge, sondern einigen uns auf einheitliche Spezifikationen, legen Standards fest und kombinieren am Markt vorhandene Komponenten zu funktionsfähigen Gesamtlösungen", betont Dr. Stingl, dessen Unternehmen im MCCM-Projekt die Entwicklungsleitung übertragen bekommen hat.

Um die Funktionsfähigkeit der zu entwickelnden gemeinsamen Konfigurationsmanagement-Lösung zu demonstrieren, wurden verschiedene Business-Szenarien vereinbart. So etwa die Installation neuer Basisstationen und die Einrichtung der erforderlichen Nachbarschaftsbeziehungen zwischen GSM- und UMTS-Zellen - oder die Veränderung des Frequenzplans mit den entsprechenden Auswirkungen auf die Dienstebereitstellung. "Anhand dieser Szenarien kann dann getestet werden, ob die gefundene Lösung auch tatsächlich zur Zufriedenheit aller Beteiligten funktioniert", erläutert Dr. Stingl.

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