Aufbauphase abgeschlossen
Allianz will in Asien und Osteuropa wachsen

Der Allianz-Konzern setzt im Versicherungsgeschäft weiter auf Internationalisierung. Auf den Wachstumsmärkten in Asien und in Osteuropa gehören die Münchener bereits zu den Marktführern. Mittelfristig soll trotz der weltweiten Turbulenzen die Position über Zukäufe gestärkt werden.

MÜNCHEN. Der Allianz-Konzern will die Expansion in den Wachstumsmärkten Asiens und Osteuropas forcieren. "Die Aufbauarbeit ist größtenteils erledigt. Weitere gezielte Akquisitionen sowie organisches Wachstum stehen jetzt auf der Tagesordnung", sagte Michael Diekmann, derzeit im Allianz-Vorstand für die Wachstumsmärkte zuständig, dem Handelsblatt. In Asien und in Osteuropa halte der Konzern laufend Ausschau nach passenden Übernahmen.

"Wenn man einsteigt, muss man signifikant einsteigen. Die Chancen sind gewaltig", betonte Diekmann. Offenbar hofft der Versicherer auch auf günstige Gelegenheiten im derzeitigen weltweiten Wirtschaftsabschwung. Schon bisher baute die Allianz entweder aus eigener Kraft das Geschäft auf oder kaufte einen der Marktführer. Insbesondere die Massenmärkte in Asien wurden zuletzt angegangen.

Heute erzielt der Münchener Konzern in Osteuropa Beitragseinnahmen von rund einer Mrd. Euro und bezeichnet sich hier als größter ausländischer Versicherer. In Asien ist die Allianz mit Beiträgen von 3,5 Mrd. Euro hinter dem US-Konkurrenten AIG die Nummer Zwei. Ende 2001 werde das Geschäft in Wachstumsmärkten rund 8 % des Allianz-Gesamtumsatzes ausmachen, sagte Diekmann. Mittelfristig sei eine starke Steigerung dieses Anteils geplant.

Hohe Wachstumsraten erwartet

Sowohl Asien als auch Osteuropa versprechen bis 2005 überdurchschnittliche Wachstumsraten zwischen 7 % und rund 11 % im Jahr. Analysten begrüßen überwiegend die internationale Expansion der Allianz, da damit die starke Abhängigkeit von einzelnen Märkten abgebaut wird. "Das Engagement ist langfristig sinnvoll", meinte etwa Konrad Becker von Merck Finck.

Der Aufbau der Allianz-Präsenz in den meisten wichtigen Wachstumsmärkten sei inzwischen abgeschlossen, betonte Diekmann. Bisher wurden etwa 1,8 Mrd. Euro investiert. Seit 1996 bemüht sich der Konzern besonders um die asiatischen Märkte. Zunächst wurde eine Zwischenholding in Singapur gegründet, um die Märkte auszuloten. Inzwischen ist die Allianz in 18 Märkten präsent und beschäftigt nahezu 9 000 Mitarbeiter. "Seit kurzer Zeit geht es weg vom Beobachter-Status hin zu größeren Beständen und dem Aufbau eines funktionierenden Vertriebs", so Diekmann.

Indien mit großen Potential

In China und in Korea erhielt der Konzern jüngst eine Lizenz zum Aufbau des Sachversicherungsgeschäftes. In China soll der Geschäftsaufbau sechs bis neun Monate dauern. In Korea, wo es bereits eine starke Präsenz bei Lebenspolicen gibt, sollen die Geschäfte bereits im ersten Quartal 2002 aufgenommen werden. In Malaysia wurden mehr als 90 % am drittgrößten Versicherer MBA übernommen. In Thailand erwarb die Allianz zuletzt eine Minderheitsbeteiligung an einem der größten Lebensversicherer.

Auch in Indien hat die Allianz jetzt die Genehmigung für das Lebensversicherungsgeschäft erhalten. Das gesamte Marktvolumen in Indien wird sich nach Schätzungen in den kommenden vier Jahren von derzeit 8,5 Mrd. $ auf 20 bis 25 Mrd. $ erhöhen. "Mittel- und langfristig ist das Potenzial angesichts einer Bevölkerung von über einer Milliarde noch deutlich höher", meinte Diekmann.

Auch in Osteuropa ist der Konzern auf Expansionskurs. Erst Ende Juni hatte sich die Allianz am drittgrößten russischen Versicherer Rosno beteiligt und war damit als erster großer westlicher Konzern in den russischen Markt eingestiegen. Derzeit bietet die Allianz auch bei der Privatisierung des slowakischen Marktführers, der Staatsversicherung Slovenska, mit.

Profitables Geschäft

In Osteuropa startete der Konzern 1990 in Ungarn und ist hier mittlerweile Marktführer. Auch in Bulgarien, Kroatien, Rumänien und Russland zählt sich die Allianz nach den jüngsten Akquisitionen zu den jeweils drei größten Anbietern. In Osteuropa sei der Aufbau wesentlich einfacher als in Asien, da in den Nachbarstaaten in der Regel das deutsche System der Kompositversicherer umgesetzt wurde, meinte Dieckmann.

Auch in Vertriebswege wird derzeit in den Wachstumsmärkten investiert. Dabei kommt neben den Vertreternetz auch dem Bankvertrieb wachsende Bedeutung zu. Allerdings sind bisher keine Übernahmen von Banken nach dem Modell Dresdner Bank geplant. "Wir streben in den Wachstumsmärkten möglichst Minderheitsbeteiligungen an Banken an", sagte Diekmann, der ab 2002 im Allianz-Vorstand die Verantwortung für das Amerika-Geschäft übernimmt.

Besonders stolz ist Diekmann darauf, dass das Geschäft in den Wachstummärkten bereits profitabel ist. In 2001 soll Asien 125 Mill. Euro und Osteuropa 25 Mill. Euro zum Konzerngewinn beisteuern. Dieser war zuletzt durch die hohen Schäden nach den Terroranschlägen in New York unter Druck geraten. Die Gewinnprognose für 2001 musste zweimal nach unten auf 1,7 Mrd. Euro revidiert werden.

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