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Aufbruchstimmung zur Halbzeit in der Bundesliga

Verfrühte Freude „auf“ Schalke, Dusel in München - der letzte Spieltag vor der Winterpause hat an das dramatische Bundesliga-Saisonfinale des Jahres 2001 erinnert und hohe Erwartungen auf die Rückrunde geweckt.

dpa DORTMUND. Verfrühte Freude "auf" Schalke, Dusel in München - der letzte Spieltag vor der Winterpause hat an das dramatische Bundesliga-Saisonfinale des Jahres 2001 erinnert und hohe Erwartungen auf die Rückrunde geweckt.

Wie vor dreieinhalb Jahren behielt der deutsche Rekordmeister im Fernduell mit dem ärgsten Verfolger aus Gelsenkirchen erst in der Schlussphase die Oberhand. Zwar war das 2:2 der Bayern gegen den Tabellendritten aus Stuttgart eigentlich zu wenig - und doch reichte es. Weil Schalke nicht über ein 1:1 gegen Schlusslicht Freiburg hinauskam, feierten die punktgleichen Münchner zum 14. Mal die Herbstmeisterschaft.

Nicht nur dieser beachtliche Schlussakkord bestärkte Jürgen Klinsmann in seiner Hoffnung auf bessere Zeiten. Angesichts der vielen positiven Entwicklungen in der Bundesliga geriet der Bundestrainer fast ins Schwärmen: "Aus unserer Sicht war die Hinrunde positiv. Es boomt, die Stadion sind voll, in Europa gibt es Erfolge - es ist generell eine Aufbruchstimmung da. So kann es weiter gehen."

Der letzte Spieltag des Jahres war symptomatisch für den bisherigen Saisonverlauf. Anders als von vielen Fachleuten prognostiziert, kann von einer Alleinherrschaft des FC Bayern nicht die Rede sein. "Nichts ist entschieden, die anderen sind nicht weit entfernt", kommentierte Oliver Bierhoff. Mit Genugtuung registriert auch der Manager der DFB-Elf, dass sich vor der WM 2006 ein vielversprechender Trend abzeichnet. Schon allein die beste Zwischenbilanz in der Champions League seit 1997 mit drei deutschen Achtelfinal-Teilnehmern lässt hoffen, dass die Bundesligisten ihre Rolle als europäische Hinterbänkler ablegen.

Ungeachtet eines Schuldenberges in Höhe von über 600 Mill. Euro hat die Liga ihren Ruf als Premiumprodukt des deutschen Sports erneut untermauert. Bundesliga-Neulinge auf der Trainerbank wie Thomas Doll (Hamburger SV), Uwe Rapolder (Arminia Bielefeld) und Jürgen Klopp (Mainz 05) trugen zu einem überfälligen Modernisierungsschub bei. Ralf Rangnick avancierte beim FC Schalke vom Fußball-Professor zum Volkstribun, Ewald Lienen in Hannover vom Wackelkandidaten zum Erfolgsgaranten. Und auch bei den Profis tut sich etwas: Aufsteiger wie Christian Pander (Schalke), Patrick Owomoyela (Bielefeld) und Per Mertesacker (Hannover) ließen die Klagelieder über fehlende Talente verstummen.

Die Zuschauerzahlen und Einschaltquoten bezeugen den positiven Trend: Durchschnittlich 37 100 Zuschauer bezahlten pro Spiel Eintritt, rund 500 mehr als in der Hinrunde der vorigen Saison. Zudem bewegen sich die Einschaltquoten der ARD-Sportschau am Samstag weiter auf hohem Niveau: Noch immer sind die Marktanteile um 30 Prozent höher als die der Vorgängersendung "ran" bei Sat.1.

Dennoch gibt es Grund zur Sorge: Wie schmal der Grat ist, auf dem sich zahlreiche Bundesligisten in finanzieller Hinsicht bewegen, wurde in Dortmund deutlich. Rekordschulden zwangen Präsident Gerd Niebaum zum Rücktritt und wirkten sich fatal auf die Leistung der Profis auf. Die sportliche Talfahrt bringt auch Trainer Bert van Marwijk in arge Nöte. Gut möglich, dass der Niederländer nach Jupp Heynckes (Schalke), Klaus Toppmöller (Hamburg), Juri Schlünz (Rostock) und Holger Fach (Mönchengladbach) der fünfte Trainer wird, der vorzeitig in dieser Saison seinen Stuhl räumen muss.

Noch spannender als am Tabellenende geht es im Kampf um die Meisterschaft zu. Zwischen Tabellenführer FC Bayern und dem Siebten Hannover 96 liegen nur sechs Punkte. "Es ist ein Riesenvorteil, die Nummer eins zu sein. Es kostet Kraft, immer hinterherzuhecheln", sagte Manager Uli Hoeneß nach dem glücklichen 2:2 über Stuttgart und dem Gewinn der Herbstmeisterschaft. Zumindest rein statisch gesehen, ist die Chance auf ein Happy End für die Münchner deutlich gestiegen: In elf der voran gegangenen 13 Fälle stand der 18-malige Titelträger aus Bayern auch am Saisonende oben.

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