Aufenthaltsort der Tatverdächtigen unbekannt
Haftbefehl gegen Hamburger Studenten wegen US-Anschlägen

Die islamische Terrorzelle in Hamburg war größer als bisher bekannt: Generalbundesanwalt Kay Nehm fahndet seit Freitag mit Haftbefehl nach zwei arabischstämmigen Studenten aus Hamburg, die gemeinsam mit drei bei den Terrorakten zu Tode gekommenen Kollegen die Anschläge jahrelang vorbereitet haben sollen. Ihnen werden die Bildung einer terroristischen Vereinigung und mehrtausendfacher Mord zur Last gelegt.

ap KARLSRUHE. Die beiden Beschuldigten, die im August zuletzt in Hamburg gesehen worden waren, werden jetzt international gesucht. Es handelt sich um den 26-jährigen Deutschmarokkaner Said Bahaji sowie den 29 Jahre alten Jemeniten Ramzi Mohamed Abdullah Binalshibh. Wie Nehm in Karlsruhe bekannt gab, werden sie der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung sowie des Mordes in mindestens 5 000 Fällen verdächtigt. Beweise für eine Verbindung zu Osama Bin Laden gebe es bislang aber noch nicht. Bahaji studierte Elektrotechnik an der Technischen Universität. Binalshibh war bis Juli 1999 laut Universität Hamburg am Studienkolleg zum Erlernen der deutschen Sprache.

Laut Nehm besteht der dringende Verdacht, dass sich die zwei Männer mit den bei den Anschlägen ums Leben gekommenen Tatverdächtigen sowie anderen Personen zu einer terroristischen Vereinigung zusammengeschlossen und die Attentate von New York und Washington vorbereitet haben. Beide hätten in enger Beziehung zu dem mutmaßlichen Attentäter Mohammed Atta gestanden, der eines der Flugzeuge ins World Trade Center gesteuert haben soll. Atta hatte auch an der TU studiert. Bahaji war den Ermittlungen zufolge am 3. September über Istanbul nach Pakistan geflogen, um dort angeblich ein Praktikum zu absolvieren. Seine in Hamburg wohnende Ehefrau konnte ihn Nehm zufolge bislang nicht erreichen und kennt auch keine Adresse. Kurz vor dem Abflug habe er einem Familienangehörigen eine Generalvollmacht zur Wahrnehmung seiner Angelegenheiten ausgestellt, falls ihm etwas zustoßen solle.

Visum für USA verweigert

Nehm sagte, Bahaji sei von Zeugen als extrem islamistisch und anti-westlich beschrieben worden. Er, Atta und der ebenfalls gesuchte Binalshibh hätten gemeinsam die Wohnung in der Hamburger Marienstraße 54 gemietet und später gekündigt. Bahaji habe die Miete überwiesen, Atta und Binalshibh hätten sich beteiligt. Auf dem Überweisungsformular sei als Verwendungszweck vermerkt worden "Dar el Anser" - etwa "Haus der Förderer".

Der in Deutschland geborene Bahaji, der elf Jahre in Marokko lebte, studierte an der Technischen Universität Hamburg-Harburg Elektrotechnik. Unklar ist, an welcher Universität Binalshibh studierte: Vier Hamburger Hochschulen erklärten, er sei nicht bei ihnen eingeschrieben gewesen. Nur der Aufenthalt im Studienkolleg ist laut Unisprecherin Frauke Hamann erwiesen. Binalshibh, der in Hamburg laut Nehm zuletzt Betriebswirtschaft studierte, wollte den Ermittlungen zufolge wie der mutmaßliche Attentäter Siad Jarrah eine Flugschule in Florida besuchen. Aus Unterlagen gehe hervor, dass der 29-Jährige deshalb im August 2000 versucht habe, ein Visum für die USA zu beantragen. Er habe der Flugschule bereits eine Anzahlung in Höhe von 2 200 Dollar überwiesen, doch sei ihm das Visum verweigert worden.

Das Bundeskriminalamt schrieb die beiden Männer zur Fahndung aus. Man gehe davon aus, dass sie noch leben, sagte Nehm. Den Ermittlern liegen derzeit 2 400 Hinweise vor, die "Stück für Stück" abgearbeitet würden. Das BKA habe 350 Beamte im Einsatz, die von den Landespolizeien unterstützt würden. Auch mehrere Beamte der US-Bundespolizei FBI seien an den Ermittlungen beteiligt.

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