Aufenthaltsort von bin Laden unbekannt
Afghanistan fordert schnelles Ende der US-Angriffe

Die neue afghanische Regierung hat am Freitag ein schnelles Ende der US-Bombenangriffe auf das Land gefordert. Es seien nur noch wenige Männer der Taliban- Bewegung und des moslemischen Extremisten Osama bin Laden nieder zu kämpfen, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums.

Reuters KABUL. "Wenn dieses Ziel erreicht ist, gibt es keinen Grund, die Angriffe fortzusetzen." Die USA hatten zuvor Angaben des Ministeriums zurückgewiesen, Bin Laden sei die Flucht nach Pakistan gelungen. Man wisse nicht, wo der Extremist sei, sagte US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld. Südwestlich der Hauptstadt Kabul bombardierten US-Streitkräfte eigenen Angaben zufolge ein Taliban-Lager.

Die letzten Kämpfer der Taliban und der Bin-Laden-Gruppe El Kaida hielten sich in den Bergen im Grenzgebiet zu Pakistan auf und könnten innerhalb von maximal drei Tagen geschlagen werden, sagte der Ministeriumssprecher. In Zukunft sollten die USA zudem ihre Angriffe mit dem Verteidigungsministerium der neuen Regierung absprechen. "Ohne die Zustimmung der lokalen Kommandeure und des Verteidigungsministeriums darf Amerika Afghanistan nicht nach freiem Willen bombardieren", sagte er.

Der Sprecher bekräftigte seine Angaben vom Vortag, nach denen Bin Laden in Pakistan bei einem radikalen Moslem-Führer Unterschlupf gefunden habe. Dieser hatte die Angaben umgehend als "Scherz" zurückgewiesen. Der Ministeriumssprecher sagte am Freitag, es sei nicht davon auszugehen, dass jemand bereit sei, die Anwesenheit Bin Ladens zu bestätigen.

Rumsfeld sagte, es gebe so viele widersprüchliche Angaben über den Aufenthaltsort Bin Ladens, dass er aufgehört habe, sie zu verfolgen. "Wir wissen weder sicher, ob er in Afghanistan oder einem anderen Land ist, noch ob er tot ist", sagte er in Washington. Die USA machen Bin Laden für die Anschläge am 11. September verantwortlich und bombardieren Afghanistan seit dem 7. Oktober, um ihm und seinen Verbündeten das Handwerk zu legen. Die neue Regierung ist von Gruppen gebildet worden, die sich gegen Bin Laden und und die Taliban gestellt haben.

Der Angriff bei der Stadt Ghasni südwestlich von Kabul habe einem mutmaßlichen Lager der Taliban-Führungsspitze gegolten, sagte ein Sprecher des US-Verteidigungsministeriums. "Wir denken, dass der Großteil der Menschen dort (in dem Lager) hochrangige Taliban gewesen sind", sagte der Stabschef der US-Armee, Richard Myers. Es habe sich um den ersten Luftangriff nach dreitägiger Pause gehandelt. Einer unbestätigten Meldung der afghanischen Nachrichtenagentur AIP zufolge wurden bei einem nächtlichen Bombardement in der Region 40 Zivilisten getötet.

In der vergangenen Woche hatten die USA einen Konvoi in der afghanischen Provinz Paktia beschossen. In dem Konvoi seien Führungskräfte der Taliban und der El Kaida unterwegs gewesen, sagte die US-Armee. Einheimische Vertreter sagten, es habe sich um Anhänger der neuen Regierung gehandelt. Der US-Geheimdienst sei womöglich falsch informiert und der Konvoi damit zur Zielscheibe gemacht worden.

Aus Kreisen des US-Verteidigungsministeriums verlautete, die mit den USA verbündeten Anti-Taliban-Einheiten seien nicht sehr um die Ergreifung Bin Ladens bemüht. Offenbar widerstrebe es ihnen, in der Bergregion Tora Bora im Osten des Landes nach ihm zu suchen. Die Taliban-Gegner wiesen dies jedoch als falsch zurück und sagten, es gebe keine Anzeichen dafür, dass sich noch El-Kaida-Kämpfer in der Region aufhielten. In den US-Kreisen hieß es dagegen, El-Kaida-Widerstandsnester stellten noch immer ein Problem dar.

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