Auffällige Kursbewegung vor Führungswechsel
Bertelsmann scheut die Börse

Die Bertelsmann AG schraubt ihre Pläne für einen Börsengang drastisch zurück. Einen Tag nach der überraschenden Entlassung von Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff auf Grund "unterschiedlicher Auffassungen über die künftige Strategie" machte das Unternehmen deutlich, dass es sich zwar nach wie vor auf einen Börsengang einrichtet. Allerdings wird Middelhoffs ehrgeizige Börsenstrategie erst einmal ad acta gelegt.

hps/cü/rad DÜSSELDORF/FRANKFURT. In der Gütersloher Konzernzentrale hieß es gestern, dass die bisherigen Pläne, den Konzern im Jahr 2005 zu einem wesentlichen Teil an die Börse zu bringen, fallen gelassen werden. Das Unternehmen richte sich aber darauf ein, dass die Anteile der Groupe Bruxelles Lambert (GBL) - insgesamt 25,1 % an der Bertelsmann AG - an der Börse platziert werden. "GBL kann 2005 einen Börsengang verlangen, und darauf wird sich das Unternehmen vorbereiten."

Die Abkehr von der bisherigen Strategie stellt Europas zweitgrößten Medienkonzern vor neue Probleme. Denn solange ein - wenn auch abgespeckter - Börsengang geplant ist, müssen sämtliche Konzernteile weiterhin hohen Renditeerwartungen genügen. Auf der anderen Seite wird aber die kleine Lösung Europas zweitgrößtem Medienkonzern Expansionschancen verbauen, weil der Börsengang weniger Geld als geplant in die Kassen spült. "Wir stellen uns die Frage, wie Bertelsmann überhaupt noch wachsen soll", hieß es am Montag aus der Umgebung von Middelhoff.

Die Alternative zu einem Börsengang wäre für Bertelsmann, den Anteil von Albert Frère und seiner GBL zurückzukaufen. "Dieser Anteil ist mindestens 5 Mrd. Euro wert. Die müssten aber erst einmal von der Stiftung und Mohn aufgebracht werden", erklärte dazu am Montag ein Insider.

Der Wechsel an der Bertelsmann-Spitze ist womöglich auch ein Thema für die Wertpapieraufsicht. Zwar ist der Gütersloher Konzern nicht mit Aktien, wohl aber mit zwei Genussscheinen an der Börse notiert. Entgegen der positiven Entwicklung am Rentenmarkt waren deren Kurse am Freitag eingebrochen. "Wir schauen uns den Sachverhalt der Bertelsmann-Genussscheine genau an", sagte Sabine Reimer, Sprecherin der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFin) auf Anfrage. Ob eine Voruntersuchung wegen der Auffälligkeiten eingeleitet werde, sei aber noch unklar. Genussscheine sind eine Mischform aus Aktien und Anleihen.

Middelhoff selbst muss sich offenbar keine Zukunftssorgen machen. Er dürfte für weitere fünf Jahre sein auf rund 4 Mill. Euro geschätztes Gehalt beziehen. Branchenkreisen zufolge hat er zudem bereits ein Angebot von AOL Time Warner erhalten. Der US-Medienkonzern sucht nach dem Rücktritt des Chief Operating Officers Robert Pittman nach einem neuen Chef für das Onlinegeschäft des Konzerns.

Quelle: Handelsblatt

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