Auffällige Kursbewegungen werden untersucht
Gigabell jetzt auf Suche nach Betreuerbank

Hat das Unternehmen frühzeitig und ausreichend über die Schwierigkeiten informiert?

Reuters FRANKFURT. Die von der Insolvenz bedrohte Gigabell AG sucht nach dem Verlust der DG Bank als Betreuerbank einen zweiten Designated Sponsor. "Wir bemühen uns, einen neuen Betreuer zu finden, haben bislang aber noch keinen gefunden", sagte Finanzvorstand Johannes Funke am Dienstag in Frankfurt. Nach dem Regelwerk des Neuen Marktes braucht ein Unternehmen mindestens zwei Betreuerbanken, die die Liquidität der Aktie im Markt gewährleisten sollen.

Eine Sprecherin der Deutschen Börse sagte auf Anfrage lediglich, wenn ein Unternehmen nicht dem Regelwerk entspreche, bekomme es eine Abmahnung mit einer Karenzzeit. Innerhalb dieser Periode müsse es sich unverzüglich bemühen, wieder den Vorschriften zu entsprechen. Ansonsten drohe ein Delisting vom Neuen Markt.

Bislang keine Abmahnung

Funke sagte, Gigabell habe bislang keine Abmahnung bekommen. Das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel (BAWe) will den Sachverhalt routinemäßig prüfen, wie BAWe-Präsident Georg Wittich am Montagabend am Rande einer Veranstaltung in Frankfurt sagte. Zum eingeleiteten Insolvenzverfahren sagte Funke, er sehen gute Chancen, dass das Unternehmen weitergeführt werde.



Die DG-Bank, die neben dem Bankhaus HSBC Betreuerbank von Gigabell war, hatte ihr Mandat am Montag aufgegeben, wollte diesen Schritt auch auf Nachfrage nicht kommentieren.

Am Freitag hatte Gigabell mitgeteilt, ein Insolvenzverfahren wegen drohender Zahlungsunfähigkeit beantragt zu haben. Eine angelsächsische Investorengruppe sei mit der Erfüllung eines am 25. August unterzeichneten Vertrages in Verzug geraten, hieß es zur Begründung.

Sofortmaßnahmen sollen das Unternehmen retten

Funke sagte Reuters am Dienstag, "wenn der Investor nicht kommt, haben wir Pech gehabt". Es sei derzeit aber einiges im Gange, um das zu ändern. Er sehe gute Chancen, Gigabell in seinen Kernbereichen zu erhalten. Dafür müsse das Unternehmen verschiedene Sofortmaßnahmen ergreifen. Am wichtigsten sei, dass es Gigabell gelinge, seine Kunden und Lieferanten und darüber hinaus auch seine Mitarbeiter zu halten, betonte er. Zudem müsse das Unternehmen liquide gehalten werden, fügte er hinzu. Kurzfristig müssten dafür Forderungen eingetrieben und Anlagevermögen verkauft werden.

Langfristig müssten Käufer für entsprechende Unternehmensteile oder das gesamte Unternehmen gefunden werden. Funke sagte, es würden derzeit mehrere Gespräche mit Leuten geführt, die an Gigabell interessiert seien. Nun müsse Gigabell sich auf seine Kernbereiche wie auf Internet-Protokoll-Produkte konzentrieren und die Verlustbringer, wie Großprojekte für die Infrastruktur oder das Internet by Call-Geschäft loswerden. Funke sagte weiter, Gigabell befinde sich jetzt in der zweiten, vorläufigen Stufe des Insolvenzverfahrens und habe mit Dirk Pfeil einen bekannten, vorläufigen Insolvenzverwalter gefunden. Bis das Insolvenzverfahren eröffnet werde, könne es jedoch noch Monate.

Auffällige Bewegungen des Kurses werden untersucht

Nach dem Worten des BAWe-Präsidenten Wittich, will die Behörde routinemäßig untersuchen, ob Gigabell die Lage des Unternehmens rechtzeitig publik gemacht habe und ob es vor der Bekanntmachung zu auffälligen Bewegungen des Aktienkurses gekommen sei.

Nachdem Gigabell am Freitag mitgeteilt hatte, das Insolvenzverfahren beantragt zu haben, war die Aktie vom Handel ausgesetzt worden. Nach Wiederaufnahme am Montag gab der Kurs der Gigabell-Aktie um mehr als 60 % nach. Am Dienstagmittag stand die Aktie mit rund 18 % bei 4,50 Euro im Plus, nachdem das Unternehmen am Vorabend mitgeteilt hatte, es gebe neue Anfragen für mögliche Beteiligungen oder eine Übernahme.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%