Auffälligkeiten im Handelsverlauf
BAWe startet Insiderverfahren wegen Media!-Ad-hoc

Das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel (BAWe) hat im Zusammenhang mit der überraschenden Verlustmeldung der am neuen Markt gelisteten Media! AG ein förmliches Insiderverfahren eröffnet.

rtr MüNCHEN. "Das ist jetzt ein förmliches Insiderverfahren", sagte eine BAWe-Sprecherin der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag. Die Auffälligkeiten im Handelsverlauf vor Veröffentlichung der Ad-Hoc-Mitteilung vom 26. September rechtfertigten diesen Schritt. Vorstandssprecher Karl-Heinz Kragler versicherte im Reuters-Gespräch erneut, es seien aus dem Münchener Unternehmen keine Informationen nach außen gedrungen.

Entgegen der noch wenige Wochen zuvor bekräftigten Prognose eines Gewinns von 1,5 Mill. ? nach Steuern hatte der Münchener Mediendienstleister am 26. September einen Verlust von knapp 6,6 Mill. ? für 2000/01 angekündigt. Bereits vor der Mitteilung, die die Media!-Aktie schließlich auf ein Rekordtief von 1,50 ? schickte, war das Papier bei außergewöhnlich hohen Umsätzen um 39 % eingebrochen. Das BAWe hatte daraufhin zunächst eine formlose Voranalyse des Handelsverlaufs angekündigt.

Das BAWe habe gegenüber dem Unternehmen die formelle Untersuchung angekündigt und um bestimmte Auskünfte gebeten, bestätigte Kragler. Media! werde allen Bitten termingerecht und umfassend nachkommen. "Der Vorstand sieht dieser Anfrage mit Ruhe und Gelassenheit entgegen", resümierte er. Neben den Verantwortlichen im Unternehmen wurden Kragler zufolge am 25. und 26. September auch die zuständigen Betreuer bei den vier Hausbanken über die bevorstehende Verlustankündigung informiert. Dies sei in Abstimmung mit dem BAWe erfolgt und nötig gewesen, um die Firmenliquidität sowie das Vertrauen der Banken zu sichern, wiederholte er bereits im September gemachte Angaben.

Im Zuge der Untersuchung prüft das BAWe nach den Worten der Sprecherin nun jede einzelne Handelstransaktion im Vorfeld der Ad-Hoc-Mitteilung. Dabei werde analysiert, ob ein Auftraggeber möglicherweise eine Verbindung zu einer bezüglich der Verlustankündigung informierten Person habe. Dies dauere in der Regel mehrere Monate. Im Jahr 2000 wurden nach BAWe-Angaben insgesamt 51 formelle Insiderverfahren aufgenommen und 22 davon an die Staatsanwaltschaften weitergeleitet. Insgesamt sei in der Vergangenheit aber nur in 15 Fällen eine Verurteilung im Zuge einer Hauptverhandlung oder eines Strafbefehls erfolgt, sagte die Sprecherin.

Für das laufende Geschäftsjahr 2001/02 geht Media! früheren Angaben zufolge von einer schwarzen Null bei einem Umsatz von mindestens 52 Mill. ? aus.

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