Auffang-Gesellschaft soll Insolvenzantrag folgen
Banken bereiten angeblich Sanierungsplan für Kirch vor

Bei den Rettungsbemühungen um den von der Pleite bedrohten Kirch-Konzern deutet sich eine überraschende Wende an: Zeitgleich mit der Insolvenz der KirchMedia soll ein Rettungskonzept in Form einer Auffanggesellschaft der vier wichtigsten Gläubigerbanken der Kirch-Gruppe präsentiert werden.

WiWo/ AP/ München. Nach übereinstimmenden Informationen der "Financial Times" und der "Süddeutschen Zeitung" soll am Montag zeitgleich mit der Insolvenz der KirchMedia ein Rettungskonzept in Form einer Auffanggesellschaft der vier wichtigsten Gläubigerbanken der Kirch-Gruppe präsentiert werden. Damit soll der Konzern nach dem Insolvenzantrag vorerst nicht zerschlagen, sondern geordnet weitergeführt werden.

Einem Bericht des Onlinedienstes der "Financial Times" zufolge verhandeln Vertreter aus den Reihen von Commerzbank, DZ Bank, Bayerische Landesbank und HypoVereinsbank mit Beratern des Konzerns und bayerischen Politikern über eine Lösung, die am Montag auf einer Pressekonferenz in München der Öffentlichkeit vorgestellt werden soll. Laut "Süddeutscher Zeitung" ist das Vorhaben mit der bayerischen Staatsregierung abgestimmt, die für Dienstag eine entsprechende Erklärung im Landtag plane.

Von den beteiligten Banken war zunächst keine Bestätigung zu erhalten. Sprecher der bayerischen Staatsregierung wollten den Bericht nicht kommentieren. Der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber hatte jedoch am Freitag für Rätselraten gesorgt, als er in Berlin erklärte, er habe verlässliche Informationen, wonach die nächste fällige Rate für die Fußball-Bundesliga pünktlich und in vollem Umfang bezahlt werde.

Der erwartete Insolvenzantrag des Medienunternehmens war am Freitag bis zum Dienstschluss des Münchner Amtsgerichts um 15.00 Uhr nicht eingegangen.

Dem Bericht der "Financial Times" zufolge wollen Commerzbank, DZ Bank, Bayerische Landesbank, und HypoVereinsbank die Auffanggesellschaft bilden, unmittelbar nachdem KirchMedia am Montag Insolvenz beantrage. Die Banken wollen demnach Teile ihrer Forderungen in Anteile an der Gesellschaft umwandeln und dann weitere Investoren suchen. Auch der Springer-Verlag und einige der bisherigen Minderheitsgesellschafter der KirchMedia sollen unter bestimmten Bedingungen in den Kreis aufgenommen werden.

In der Aufganggesellschaft sollen wesentliche Teile der Kirch-Gruppe übernommen werden. Sie solle zudem die Verbindlichkeiten der Kirch-Gruppe nachverhandeln, zudem werde ein Verkauf des verlustreichen Abokanals Premiere World erwogen.

Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" bereitet das Kirch-Management die Belegschaft inzwischen darauf vor, dass eine Insolvenz nicht das Ende des Film- und Fernsehimperiums bedeutet. Das Blatt zitierte aus einem Schreiben des Leiters des Deutschen Sportfernsehens (DSF), Stefan Ziffzer, an die Mitarbeiter: Eine Insolvenz sei "sicherlich ein sehr bitterer Einschnitt, aber zunächst geht es weiter".

Verhandlungen mit Murdoch und Berlusconi gescheitert

Am Freitag waren der Zeitung zufolge die letzten Gespräche zwischen der Kirch-Gruppe und den Investoren um den australischen Medientycoon Rupert Murdoch und den italienischen Premierminister Silvio Berlusconi gescheitert. Schon Donnerstagabend hatten die Gläubigerbanken mit den Investoren keine Einigung über die Rettung des mit 6,5 Milliarden Euro verschuldeten Konzerns erzielt. Auch ein Gespräch, zu dem der australische Medienunternehmer Rupert Murdoch deutsche Bankenvertreter nach Los Angelos eingeladen hatte, brachte dem Vernehmen nach keine Annäherung.

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