Aufgrund der strukturellen Probleme in Deutschland
Analysten: Nur verhaltene Kurszuwächse in Sicht

Trotz des sich abzeichnenden raschen Ende des Krieges im Irak rechnen Aktienexperten nur mit verhaltenen Kurszuwächsen an den Börsen bis zum Jahresende. Einer mittelfristig starken Aufwärtsbewegung der Aktienkurse stehe die vermutlich schwache konjunkturelle Entwicklung in Deutschland entgegen, sagen Marktteilnehmer.

Reuters FRANKFURT. "Es ist erst April und die Wachstumsprognosen für 2003 in Deutschland haben sich schon bei nur noch 0,5 Prozent statt der ursprünglichen zwei Prozent eingependelt", fasst Karsten Rahlf, Chef-Analyst der Vereins und Westbank, - die Vorsicht vieler Börsianer zusammen. Auch wenn das Damoklesschwert des Irak-Krieges, das bis zum Kriegsausbruch über Monate die Stimmung der Anleger eingetrübt und für Kursverluste gesorgt hatte, nun aus dem Markt verschwindet, prognostizieren die Experten nur eine leichte Erholung.

So rechnet beispielsweise Matthias Jörss, Aktienstratege bei der Privatbank Sal. Opppenheim, mit einem Dax-Stand von 2 900 bis 3 000 Punkten bis Juni und 3 300 Zählern bis zum Ende des Jahres. Deutschlands wichtigster Börsen-Index liegt derzeit bei rund 2 750 Punkten. Vor genau einem Jahr und damit auch vor der Eskalation des Irak-Konfliktes lag der Dax noch bei rund 5 200 Zählern.

Fokus wieder auf schwacher Konjunktur

In den Handelsräumen der deutschen Banken wird mittlerweile nicht mehr nur über die Lage im Irak nachgedacht. Vielmehr treten die Konjunkturperspektiven für Deutschland - Europas größter Volkswirtschaft - wieder in den Vordergrund. "Die Börse kehrt jetzt zu dem zurück, was ihren Verlauf eigentlich bestimmen sollte, nämlich Unternehmensnachrichten und Konjunkturdaten", bestätigt etwa der Aktienhändler Oliver Opgen-Rhein von HSBC Trinkaus & Burkhardt.

In Deutschland hat die Industrie zuletzt im Monat Februar weniger Aufträge verzeichnet. Außerdem hatte der Internationale Währungsfonds (IWF) seine Wachstumserwartung für Deutschland auf 0,5 Prozent gesenkt. Diese Wachstumsrate stellen auch die meisten Wirtschaftsforschungsinstitute in Aussicht.

An der Börse werde nun wieder verstärkt wahrgenommen, dass Deutschland noch immer strukturelle Probleme habe, betont der Analyst Rahlf. "Die Stimmung bleibt schlecht und wird den Konsum weiter hemmen. Und die 4,5 Millionen Arbeitslosen haben wir auch nicht wegen des Irak-Krieges." Durchgreifende politische Lösungen seien kurzfristig nicht erkennbar.

Börse reagiert kaum auf vermeintlichts Kriegsende

Dass die Börse kaum noch auf das scheinbare Ende des Irak-Krieges reagiere, aber zynischerweise die Marktteilnehmer euphorisch auf den Kriegsausbruch spekuliert hatten, folge durchaus der Logik der Börse, erklärt darüber hinaus der Aktienstratege Jörss. "Hier werden diejenigen belohnt, die in unsicheren Zeiten ein Risiko eingegangen sind." Am Mittwoch hatten die US-geführten Invasionstruppen - nach drei Wochen Krieg - die Kontrolle über das Zentrum der irakischen Hauptstadt Bagdad übernommen.

Nur leichte Dax-Erholung erwartet

Auf längere Sicht raten aber viele Marktteilnehmer durchaus zum Einstieg. "Meine Prognose für den Dax in den nächsten sechs Monaten ist 2800 bis 3300 Punkte, also leicht steigend", sagt Analyst Rahlf. Eine "leicht offensive Positionierung" empfehlen auch die Experten der HypoVereinsbank. Sie sprechen sich unter anderem für Investments bei Technologiewerten aus. Diese dürften auch eine anziehende Konjunktur sowie zunehmende Investitionen mit überproportional starken Kursgewinnen reagieren.

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