Aufholjagd beim Investment-Banking – Verhandlungen über Beteiligung in China
Deutsche Bank geht in Asien in die Offensive

Die Deutsche Bank verstärkt massiv ihre Präsenz in Fernost. Sie will sich in Asien als führende europäische Investmentbank etablieren und zu den großen US-Häusern aufschließen. Außerdem verhandelt das Institut über eine Kapitalbeteiligung an einem chinesischen Wertpapierhaus.

HONGKONG. "Wir wollen in Fernost unter die ersten fünf Häuser kommen", gibt Frank Nash, Chef der asiatischen Investment-Banking-Sparte der Deutschen Bank, im Gespräch mit dem Handelsblatt als Ziel vor. Er fügt hinzu: "Wenn uns die Finanzmärkte gnädig sind, werden wir in den Rankings schon dieses Jahr aufholen." Bislang hinkt die Deutsche Bank in Fernost hinter ihrer Position in Europa und den USA her: Zählt man Japan und Australien nicht mit, kam sie laut Thomson Financial im vergangenen Jahr bei Fusionen und Übernahmen (M & A) und als Bookrunner bei Börsengängen nur auf Rang 13.

Research muss verbessert werden

Eine große Lücke klafft in China. Die Mandate für die milliardenschweren Privatisierungen chinesischer Staatskonzerne teilen sich die Wall-Street-Größen Morgan Stanley, Goldman Sachs und Merrill Lynch sowie UBS Warburg. Will die Deutsche Bank in Asien in die erste Liga aufrücken, muss sie u.a. im Aktien-Research aufholen.

"Investment-Banking, Research- Abteilung sowie Sales und Trading waren verbesserungsbedürftig", gibt Nash zu, "aber inzwischen haben wir diese Bereiche erheblich ausgebaut." 2001 hat er im großen Stil M & A-Experten und Emissionsspezialisten angeheuert; die Research-Abteilung wurde um- und ausgebaut. Und gerade hat die Bank ihre Sales- und Trading-Abteilung in Hongkong massiv aufgestockt.

Die Aufholjagd zeigt erste Wirkung: Für Singapurs DBS Bank hat die Deutsche Bank eine 1,1 Mrd. $ schwere Zweitplatzierung arrangiert. In China hat sie ihr erstes großes Beratungsmandat errungen: Die Bank hilft dem Ölkonzern Petrochina bei der Partnersuche für ein 14 Mrd. $ teures Pipeline-Projekt.

China hat eine Schlüsselrolle in Asien

In den Asien-Strategien aller Banken spielt China eine Schlüsselrolle. Das Land macht ein Drittel aller Börsengänge in der Region aus. Auch 2002 stehen milliardenschwere Privatisierungen an. Nash zeigt sich optimistisch: "Selbst wenn sich die Märkte nur seitwärts bewegen, sind in China Deals möglich, die anderswo schwierig wären." Allerdings erwägen immer mehr Blue Chips Emissionen im eigenen Land, wo sie höhere Bewertungen erzielen. Der Binnenmarkt steht Auslandsbanken aber noch nicht offen. Daher ist auch die Deutsche Bank auf der Suche nach einer Beteiligung an einem Wertpapierhaus in China. "Wir verhandeln mit mehreren Instituten", erklärt der Manager, "ich hoffe, ein Deal kommt dieses Jahr zustande". Die Asien-Offensive der Deutschen Bank zielt jedoch nicht nur auf China.

Dem ganzen Kontinent prophezeit Nash ein Comeback: Ein starker Anstieg von Fusionen und Übernahmen und die Privatisierung von Staatskonzernen werde dem Geschäft bald höhere Zuwachsraten als in Nordamerika oder Europa bescheren. Nash schätzt Asiens Investment-Banking-Volumen auf 10 bis 15 % des Weltmarkts. In fünf Jahren könnten es 25 % sein.

China, Japan und Südkorea definiert er als die wichtigsten Märkte. Angeführt von Singapur und Malaysia werde sich selbst Südostasien aufraffen, das seit Jahren von Anlegern geschnitten wird. "Enormes Potenzial" sieht Nash auch in Indien, obwohl nicht klar sei, wann es sich entfalten werde. "Um an Auslandskapital zu kommen, müssen sich Konzerne den Regeln der internationalen Kapitalmärkte beugen", begründet er seinen Optimismus, "Unternehmensteile müssen verkauft und Branchen restrukturiert werden". Das meiste Geschäft erwartet Nash von den Branchen Technologie, Telekom, Immobilien und Finanzwirtschaft.

Um in Fernost an Mandate zu kommen, will die Deutsche Bank künftig ihre führende Position im europäischen Aktiengeschäft herausstellen. Europäische Anleger hätten großes Interesse an Übersee- Investments. Mit der Betonung ihrer europäischen Wurzeln dürfte die Bank insgeheim jedoch noch ein anderes Kalkül verfolgen: Viele asiatische Konzerne äußern Interesse an einer ausgeglichenen Anlegerstruktur, bei großen Deals benennen sie oft einen europäischen und einen amerikanischen Konsortialführer. Davon haben bislang besonders UBS Warburg und Credit Suisse First Boston profitiert.

Quelle: Handelsblatt
Oliver Müller
Handelsblatt / Korrespondent
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