Aufholjagd nach tiefem Fall
Dax schließt doch noch im Plus

Nachdem der Deutsche Aktienindex (Dax) zeitweise um mehr als sieben Prozent auf ein Fünf-Jahres-Tief gefallen war, hat er als Reaktion auf stark anziehende Kurse an der Wall Street deutlich im Plus geschlossen.

Reuters FRANKFURT/M. Da der erwartete Börsen-Crash in den USA ausgeblieben sei, hätten Käufe eingesetzt, sagte Händler Bernd Kulb von der Helaba mit Blick auf die Erholung des deutschen Aktienmarktes am Nachmittag. Die Anleger hofften offenbar darauf, dass wie nach dem Preisverfall im vergangenen September die Kurse in den kommenden Wochen stark anziehen werden.

Nach einem verhaltenen Geschäftsausblick verloren die Aktien von Siemens bis zu knapp zehn Prozent, drehten Kurz vor Schluss aber noch ins Plus. Die Titel der HypoVereinsbank(HVB) brachen vor der Bekanntgabe der Geschäftszahlen am Donnerstag zeitweise sogar um mehr als 20 Prozent ein.

Der Dax schloss 3,3 Prozent fester bei 3632,66 Zählern, während der Auswahlindex des Neuen Marktes Nemax50 um 1,6 Prozent auf 526,32 Punkte stieg. Der Nebenwerte-Index MDax lag unterdessen 1,7 Prozent im Minus bei 3305,08 Stellen. Der Dow Jones EuroStoxx50 der größten europäischen Aktien gab um 0,7 Prozent auf 2433,21 Zähler nach.

Angeführt wurde die Kurserholung an der Wall Street von deutlichen Kursgewinnen bei der Großbank JP Morgan. Zuvor hatte das Geldinstitut ebenso wie andere US-Banken angesichts von Untersuchungen über ihre Verbindung zum zusammengebrochenen Energiehändler Enron stark an Börsenwert verloren und damit auch die deutschen Bankenwerte belastet. An der Wall Street tendierte der Dow Jones bei Börsenschluss in Deutschland 2,3 Prozent fester bei 7880 Stellen, während der technologielastige Nasdaq-Index um 0,7 Prozent auf 1237 Punkte stieg.

Von dem zeitweise massiven Kursverfall der Aktien profitierten derweil die Renten. Parallel zu den anziehenden internationalen Börsen gaben die Anleihen im Tagesverlauf jedoch wieder nach. Unterdessen näherte sich der Euro auf Grund erneuter Sorgen um weitere Bilanzunregelmäßigkeiten von US-Konzernen wieder der Parität zum Dollar an.

Neben den Papieren von Siemens, die 0,8 Prozent fester bei 50,50 Euro schlossen, verbuchten auch die Titel der aus diesem Unternehmen hervorgegangenen Firma Epcos kräftige Kurseinbußen. Die Epcos-Titel fielen um 4,9 Prozent auf 19,59 Euro. Händler führten dies vor allem auf die von dem Passivbauelemente-Hersteller kürzlich gesenkte Gewinnprognose für das Gesamtjahr zurück.

Die HVB-Titel gingen mit einem Minus von 6,4 Prozent auf 20,50 Euro aus dem Handel. Am Vortag hatte die Agentur Reuters aus Finanzkreisen erfahren, die HVB werde im zweiten Quartal einen operativen Verlust in dreistelliger Millionenhöhe ausweisen. "Wenn die HVB in einer solch schlechten Verfassung ist, wird es bei der Commerzbank wohl kaum ganz anders sein", sagte ein Händler. Die übrigen Bankenwerte, die zuvor auch von den anhaltenden Sorgen um weiter steigende Kreditrisiken in Folge der hohen Zahl an Insolvenzen in Deutschland belastet worden waren, glichen derweil ihre Verluste parallel zu den Kursgewinnen der US-Mitbewerber weitgehend aus. Der Branchenindex für diesen Sektor im Dax schloss nach anfänglichen Verlusten von bis zu rund zehn Prozent 0,8 Prozent im Plus.

An der Spitze der Dax-Gewinner standen am Abend die Versicherer, die in den vergangenen Tagen besonders stark unter Druck gestanden hatten. Der Branchenindex für diesen Sektor im Dax stieg um 5,7 Prozent. Unterdessen verteuerten sich die Titel der Deutschen Telekom nach einem vorangegangenen Verlust von rund 17 Prozent um 14,5 Prozent auf zwölf Euro.

Im MDax legten derweil die Aktien der Software AG um 18,3 Prozent auf 12,70 Euro zu. Das Unternehmen hatte zuvor mit seinen Geschäftszahlen die Erwartungen der Analysten übertroffen. Zwar sei für den Rest des laufenden Jahres nicht mit einer Erholung zu rechnen, für das erste Halbjahr 2003 sei man jedoch leicht optimistisch, hieß es weiter.

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