Auflösung eines Liefervertrages
RTV in der Krise

Um seine Finanzlage zu entspannen, hat der angeschlagene Kinderprogramm-Produzent RTV Family Entertainment den wechselseitigen Abnahmevertrag mit Nelvana International Ltd beendet. Für das Gesamtjahr erwartet RTV eine weitere Ergebnisverschlechterung.

Reuters MÜNCHEN. Der bis Ende des Jahres vorgesehene gegenseitige Outputdeal mit Nelvana sei im Rahmen eines Rechterücktausches mit sofortiger Wirkung beendet worden, teilte die am Neuen Markt gelistete RTV am Dienstag mit. Ursprünglich sollte RTV in diesem Jahr zwei Serien an Nelvana liefern. Im Gegenzug wären fünf Serien von Nelvana an RTV gegangen. Damit hätten sich die liquiden Mittel des Münchener Medienunternehmens um über 3 Mill. $ verringert. Durch die Aufkündigung des Abnahmevertrages rechne RTV für 2002 nunmehr nur noch mit einem Umsatz von rund 30 Mill. Euro anstatt der bislang anvisierten 60 Mill. Euro. Auch beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) werde eine weitere Verschlechterung erwartet.

Im derzeitigen Marktumfeld sei für RTV eine Cashflow-Entlastung wichtiger als ein Aufbau von Bibliotheksteilen, begründet die Gesellschaft die Beendigung des Abkommens. Im Rahmen des Rechterücktausches blieben alle bereits abgeschlossenen Sublizenzverträge, sowohl im TV als auch im Video und Audio-Bereich, erhalten und die Erlöse würden nach wie vor jeweils RTV, beziehungsweise Nelvana zufließen. Serien, die derzeit im Ravensburger TV eingesetzt werden, könnten bis Ende 2003 weiter genutzt werden.

Durch die Abgabe der Lizenzrechte werde eine Ausbuchung von rund 8 Mill. Euro notwendig, teilte RTV weiter mit. Dieser Betrag sei nicht in den Ende Juni bekannt gegebenen Abschreibungen auf Tochtergesellschaften und Filmrechte von rund 100 Mill. Euro enthalten. Im Gegenzug würden die von Nelvana an RTV zurückgegebenen Lizenzrechte in der Bilanz wieder aktiviert. Außerdem würden noch ausstehende Verbindlichkeiten von RTV an Nelvana entfallen. In der Summe komme es zu einer weiteren Verringerung des Eigenkapitals. Um dieses wieder zu stärken, habe RTV-Mehrheitseigner Ravensburger einen teilweisen Rangrücktritt an einem im vergangenen Jahr gewährten Gesellschafterdarlehen von rund 5 Mill. Euro gegenüber allen übrigen Gläubigern erklärt.

Erst Ende Juni hatte RTV die Aufzehrung der gesamten Kapitalrücklagen und über 50 % des Grundkapitals im Zuge der angekündigten Sonderabschreibungen von rund 100 Mill. Euro bekannt gegeben. Das Eigenkapital bezifferte die Gesellschaft damals mit rund 5,3 Mill. Euro. Allerdings liege eine Überschuldung des Medienunternehmens nicht vor. Zuvor hatte die Gesellschaft einen Überbrückungskredit erhalten, um ihren Zahlungsverpflichtungen nachkommen zu können.

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