Aufnahmezeitpunkt unklar
Neues Bin-Laden-Video gesendet

Der arabische Fernsehsender El Dschasira hat am Mittwoch ein weiteres Video mit einer Rede des moslemischen Extremisten Osama bin Laden verbreitet, ohne dass sich daraus Hinweise auf den aktuellen Aufenthaltsort des Gesuchten ergeben hätten. Das Band könnte Zeitangaben Bin Ladens zufolge etwa von Mitte Dezember stammen.

Reuters DUBAI. Die Anschläge am 11. September nennt Bin Laden segensreich und wirft dem Westen erneut einen Kreuzzug gegen den Islam vor. Die USA bezeichneten das Band als "terroristische Propaganda". Die neue afghanische Regierung will Angaben des Provinzrates von Paktia zufolge die USA um einen vorläufigen Stopp der Bombenangriffe im Osten des Landes bitten.

In dem Video sieht Bin Laden müde und blass aus, wirkt aber ruhig. Er trägt Militäruniform und hat neben sich ein Maschinengewehr russischer Produktion. Er spreche drei Monate nach den Anschlägen in den USA und zwei Monate nach dem Beginn des "brutalen Kreuzzuges gegen den Islam", sagt Bin Laden. Die USA machen Bin Laden für die Anschläge verantwortlich und begannen mit Angriffen auf Afghanistan am 7. Oktober. Somit könnte die Aufnahme aus einer Zeit stammen, bevor die die Bergfestung Tora Bora in Ostafghanistan angegriffen wurde. Dort wurde Bin Laden zuletzt vermutet.

"Unser Terrorismus gegen die USA ist gesegnet und hat das Ziel, die Unterdrücker zu bestrafen, damit Amerika seine Unterstützung für Israel aufgibt", sagt Bin Laden am Ende seiner Rede, in der er den USA vorwirft, ihren Krieg gegen Afghanistan lediglich aus einem Verdacht gegen ihn heraus begonnen zu haben. "Wie viele Dörfer wurden unschuldig zerstört? Wie viele Mill. Menschen wurden heimatlos gemacht, ohne auch nur irgendein Verbrechen begangen zu haben?", sagt Bin Laden. Dieses Argument und das Bild des Kreuzzuges sind unter Moslems bei der Beurteilung des amerikanischen Vorgehens populär.

El Dschasira kündigte an, das Band am Donnerstagabend in voller Länge ausstrahlen zu wollen. Der Sender machte keine Angaben zur Herkunft des Videos. Man wolle seine Quellen nicht Preis geben, sagte ein Redakteur des Senders in London.

Die USA verurteilten die Rede Bin Ladens. "Das ist nichts weiter als die gleiche Art terroristischer Propaganda, die wir zuvor schon gehört haben", sagte ein Sprecher von US-Präsident George W. Bush in Washington. Nach dem Fall der Bergfestung Tora Bora war vermutet worden, Bin Laden könne getötet worden sein. Die USA haben dies nicht ausgeschlossen. Unbestätigten Berichten zufolge soll Bin Laden ins Ausland geflüchtet sein.

Großbritannien hat unterdessen weitere 300 Soldaten nach Afghanistan entsandt, die im Rahmen der internationalen Friedenstruppe zum Schutz der neu gebildeten Übergangsregierung eingesetzt werden sollen. Über den Einsatz weiterer Kräfte entscheidet am Freitag eine Konferenz von Militärs der beteiligten Länder.

Der afghanische Regierungschef Hamid Karsai kündigte Angaben aus Paktia zufolge eine offizielle Untersuchungskommission an, die die Umstände eines US-Bombenangriffs auf einen Konvoi am Donnerstag vergangener Woche klären soll. Karsai werde deshalb die USA bitten, die Angriffe auf Paktia auszusetzen, sagte Abdul Hakim Munib, Sprecher des Provinzrates in Kabul. Bei dem Angriff waren etwa 60 Menschen ums Leben gekommen. Einheimische hatten die Vermutung geäußert, Informanten hätten die USA glauben gemacht, mit dem Konvoi seien Anhänger Bin Ladens unterwegs. Tatsächlich seien jedoch Anhänger Karsais getötet worden.

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