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Aufregung um WM-Karten

Beim Verkauf der begehrten Karten für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 soll es auch für die Abgeordneten des Deutschen Bundestages keine Sonderrechte geben.

dpa HAMBURG. Beim Verkauf der begehrten Karten für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 soll es auch für die Abgeordneten des Deutschen Bundestages keine Sonderrechte geben.

"Es gibt keine Zusagen, weder für Frei- noch für Kaufkarten", stellte der Vizepräsident des WM-Organisationskomitees (OK), Wolfgang Niersbach, klar und korrigierte damit Zeitungsberichte, wonach die Politiker vor dem offiziellen Verkaufsstart am 1. Februar jeweils zwei Karten für die Vorrundenspiele erwerben dürfen.

"Es gibt lediglich die Absprache mit dem Sportausschuss, Wünsche zu bündeln und dann zu prüfen, inwieweit diese Wünsche möglicherweise zu realisieren sind", erklärte Niersbach. OK-Chef Franz Beckenbauer sagte am Rande der Asien-Reise der Nationalmannschaft in Yokohama: "Es ist unmöglich, alle Begehrlichkeiten zufrieden zu stellen."

Die Existenz des Briefes, in dem den Abgeordneten die Möglichkeit gegeben wird, Ticketwünsche zu äußern, bestätigte der Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag, Peter Rauen. Das sei ein "ganz normaler Vorgang", sagte der CDU-Politiker dem Südwestfunk. Mit einer Art Vorkaufsrecht habe das nichts zu tun. Der Sinn des Briefes sei gewesen, so Rauen, "festzustellen, wie viel Interesse für die Vorrundenspiele besteht. Dann hätte man das Kontingent gewusst, das man an das Organisationskomitee als Bitte heranträgt. Entschieden wird natürlich erst später."

"Es gibt momentan keinerlei Absprachen und es liegt uns auch keine diesbezügliche Anfrage vor", betonte Horst R. Schmidt in seiner Funktion als für das Ticketing zuständiger erster OK-Vizepräsident. "Wir bereiten uns gegenwärtig auf den öffentlichen Verkauf vor."

Der Kartenverkauf beginnt am 1. Februar 2005 weltweit im Internet. Im Vorfeld werden der veranstaltende Fußball-Weltverband Fifa und das Organisationskomitee bei einer Pressekonferenz am 24. Januar 2005 in Frankfurt/Main den gesamten Komplex erläutern und das Procedere der Bestellungen erklären. Das von der "Bild-Zeitung" zum "Skandal um WM-Karten" erklärte Vorhaben des Sportausschusses wollte die Fifa nicht kommentieren. "Das ist eine Sache des OK", sagte Fifa-Sprecher Andras Herren.

Wie die Fifa zu einer möglichen Erhöhung des deutschen Karten-Kontingents steht, das bislang für die eigenen Spiele bei acht Prozent wie für alle anderen Teilnehmer liegt, ist noch unklar. "Wie viel Prozent es sein werden, können wir noch nicht sagen", erklärte Niersbach. Von den insgesamt 3,2 Mill. Karten werden rund drei Mill. verkauft. Die Ticket-Kommission der Fifa tagt am 21. Dezember, aber Herren kündigte bereits an: "Einzelheiten werden erst im Januar bekannt gegeben." Noch offen ist auch die Verteilung der Ehrenkarten. "Darüber wird zu einem späteren Zeitpunkt entschieden", sagte Schmidt.

Von der Idee, den Erwerb von WM-Eintrittskarten für Bundestagsabgeordnete durch ein Sonderverfahren zu regeln, hat sich die SPD-Bundestagsfraktion unterdessen distanziert. "Es gibt für eine derartige Verfahrensweise weder einen Beschluss der Arbeitsgruppe Sportpolitik noch eine Legitimation durch die SPD - Bundestagsfraktion", sagte Hans-Joachim Hacker, der für Sportpolitik zuständige stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion.

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