Aufregung um Zug mit Brennstäben
Temelin erneut heruntergefahren

Die Pannenserie im umstrittenen südböhmischen Atomkraftwerk Temelin reißt nicht ab. Nach nur dreitägigem Betrieb musste die 1 000-Megawatt-Turbine im ersten Reaktorblock am Wochenende erneut wegen technischer Probleme abgestellt werden. Bei 55 % Leistung sei ein Leitungsrohr undicht geworden, sagte AKW- Direktor Frantisek Hezoucky.

dpa PRAG. Die im Probebetrieb befindliche Anlage wurde zur Untersuchung auf 3,0 % heruntergefahren und soll an diesem Montag von Technikern untersucht werden.

Unterdessen sorgte am Wochenende auch ein mit Uranbrennstäben für Temelin beladener Zug für Aufregung. Der Zug traf am Sonntagmittag unter großen Sicherheitsvorkehrungen auf dem AKW-Gelände ein, nachdem er zuvor, begleitet von verbalen Protesten, Polen und Tschechien durchquert hatte. Der Transport enthielt etwa ein Drittel der für den zweiten Block des Reaktors benötigten Brennstäbe. Das Uran war am Samstag an Bord des amerikanischen Frachters "Andromeda" im nordwestpolnischen Hafen Stettin (Szczecin) eingetroffen. Die Atombehörde hielt die Streckenführung aus Sicherheitsgründen geheim.

Umweltschützer in Polen, Tschechien und Österreich kritisierten, dass die Öffentlichkeit nicht über den Transport informiert worden sei. Sogar der Stadtpräsident von Stettin war erst am Vortag von der uranhaltigen Fracht unterrichtet worden. Ein mährischer Bürgermeister, der aus der Zeitung erfahren hatte, dass der Uran-Zug seine Stadt durchfährt, sprach am Sonntag von der "Arroganz der Macht". Umweltgruppen im schlesischen Breslau (Wroclaw) kündigten Proteste gegen künftige Transporte an. Dagegen sagte Temelin-Sprecher Milan Nebesar, die Öffentlichkeit sei "zu keiner Zeit gefährdet" gewesen.

Regelmäßige Transporte geplant

In den kommenden zwei bis drei Jahren sollen Berichten zufolge regelmäßig Uranbrennstäbe über Polen nach Temelin gebracht werden. Umweltgruppen befürchten vor allem Gefahren durch den Rücktransport gebrauchter Brennelemente auf der selben Strecke.

In Temelin versuchen Ingenieure bereits seit drei Monaten, die vibrierende Turbine im nicht-nuklearen Sekundärkreislauf zu stabilisieren. Vor dem Drosseln am Samstag war Temelin von der Betreibergesellschaft CEZ am Mittwoch nach zweiwöchiger Betriebspause hochgefahren worden, und das AKW hatte zeitweise 472 Megawatt Elektrizität ins Stromnetz des Landes gespeist. Die grenznahe Anlage wird vor allem von Atomkraftgegnern in Deutschland und Österreich als unsicher kritisiert.

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