Aufruf für Wiederaufbau und Versöhnung nach jahrzehntelangem Krieg
Loja Dschirga nominiert Karsai für Präsidentenamt

Die afghanische Loja Dschirga hat am Donnerstag den amtierenden Regierungschef Hamid Karsai für das Amt des künftigen Staatspräsidenten nominiert. Neben Karsai wurden drei weitere Kandidaten, darunter eine Frau, für die Wahl zugelassen. Wegen langer Debatten über Verfahrensfragen geriet die Große Ratsversammlung hinter ihren Zeitplan für die Schaffung politischer Strukturen zum Wiederaufbau des von jahrzehntelangem Krieg zerstörten Landes.

WiWo/ap KABUL. Karsai rief die 1 550 Delegierten aus allen Provinzen und Volksgruppen dazu auf, für Frieden, Religion, Stabilität und Sicherheit Opfer zu bringen. "Wir brauchen eine Regierung, die Kontrolle über ganz Afghanistan hat", sagte er. Afghanistan brauche wirtschaftlichen Wiederaufbau und gegenseitiges Vertrauen unter den verschiedenen Volksgruppen. Afghanistan brauche Investitionen, die Instandsetzung seiner Straßen und Bewässerungskanäle.

Es brauche die Hilfe und Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen und der internationalen Gemeinschaft für den Wiederaufbau. "Wir brauchen Millionen von Dollar. Wir dürfen diese Chance nicht verpassen. Dies ist unsere große Chance für den Wiederaufbau", rief Karsai aus. Der neue Präsident wird von der Loja Dschirga gewählt. Angesichts der Verzögerungen im Ablauf war am Donnerstag noch nicht bekannt, wann die Wahl abgehalten wird.

Karsai galt als der große Favorit; neben ihm wurden Massuda Dschalal, eine Mitarbeiterin des UN-Welternährungsprogramms, Glam Farek Madschidi und Mir Mohammed Mahfus Nadai zur Wahl zugelassen. Über Madschidi und Nadai waren zunächst keine Einzelheiten bekannt.

Nach der Wahl des Staatsoberhaupts wird die Loja Dschirga darüber beraten, wie eine neue Übergangsregierung gebildet werden soll, die das Land zu allgemeinen Wahlen in anderthalb Jahren führen soll. Weiteres Hauptthema ist die Ausarbeitung einer Verfassung.

Die Loja Dschirga hatte wegen eines Streits über die künftige Rolle von Exkönig Sahir Schah erst mit 24-stündiger Verspätung am Dienstag begonnen. Sahir Schah verzichtete auf alle Ämter. Nach dem Rückzug des Exkönigs befürchten Beobachter, der Rückhalt der neuen Regierung in der paschtunischen Bevölkerungsmehrheit könnte dadurch gemindert werden.

Am Mittwoch gab es lange Debatten über die Teilnahme so genannter Kriegsherren an den Beratungen. "Uns wurde gesagt, dass an dieser Loja Dschirga niemand mit Blut an den Händen teilnehmen wird", sagte ein Teilnehmer, Safar Mohammed, unter dem Applaus zahlreicher Delegierter. "Aber wir sehen diese Leute überall. Ich weiß nicht, ob dies eine Loja Dschirga oder eine Kommandeursversammlung ist."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%